Donnerstag, 22. Dezember 2016

Memes

Ich habe einen meme generator für mich entdeckt und ein bißchen damit herumgespielt.
Aus aktuellem Anlass:

Samstag, 17. Dezember 2016

Happy Birthday, Ludwig!

Naja, eigentlich "happy Tauftag" - an welchem Tag genau jemand geboren wurde, weiß man ja oft nicht, sondern leitet es aus den Taufregistern her.

Ludwig van Beethoven, der sich durch schwerste Krankheiten in der Kindheit und einen vom Ehrgeiz zerfressenen Vater mühsam seinen Weg ins Licht gekämpft hat, gehört zu meinen Helden in der Musikgeschichte. Nicht (nur) wegen seiner Arbeit, sondern auch und ganz besonders, weil er sich als erwachsener Mann nie aufgegeben hat.

Ähnlich wie bei Brahms gab es in Beethovens Leben die bis heute sprichwörtliche "Unsterbliche Geliebte", die er nie erreicht hat; anders als Brahms konnte er keine unerschütterliche Gesundheit sein Eigen nennen und wurde als Folge davon taub.

Bevor ich mich jetzt in Betrachtungen über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von 'meinen' zwei großen Bs festfresse, während rosa Herzchen in meinen Pupillen tanzen, hier lieber etwas auf die Ohren für Euch von der brillanten Jazzpianistin Hiromi Uehara:


Sonntag, 4. Dezember 2016

Karma-Knödel

Bei strahlend goldenem Sonnenschein bin ich am Freitag nach Eberswalde gefahren. Neben der Havelbrücke standen 2 Kräne, die Ausleger senkrecht nach oben gestellt. Ganz oben auf dem einen hatte jemand einen Weihnachtsbaum befestigt. :)

Freitagabend Probe, Samstag Vormittag Auftritt bei Guten Morgen Eberswalde.
Einer meiner Sänger kommt ohne Schlaf direkt von der Nachtschicht aus dem Krankenhaus, eine andere hüpft schnell vom Rathaus herüber, wo sie ebenfalls am Morgen schon gearbeitet hat. Wir singen und haben Spaß, schön warm eingepackt bei -3 Grad und Sonnenschein. Danach schlendern wir noch grüppchenweise über den Marktplatz.

Der Eberswalder Weihnachtsmarkt ist kurz, immer nur ca 10 Tage bis zum 2. Advent, und ein echtes Schmuckstück. Vor 10 Jahren noch gab es hier nur Würstchen-und-Glühwein-Buden und zwei Stände mit Übergrößen-BHs. Inzwischen ist neben einer schönen Eröffnungsfeier mit Eiskönigin auch täglich Rahmenprogramm: es gibt ein Märchenzelt, in dem Schauspieler täglich wechselnde Vorstellungen für Kinder geben; eine Bühne, auf der jeden Tag ein anderer Chor ein Konzertchen singt; ein altes mechanisches Holzkarussel wird von 2 Musikern begleitet, die in der Mitte der Drehscheibe sitzen und Walzer spielen - ist das nicht wunderschön? Statt überall blöde Weihnachtsschlager von CD auf Dauerschleife jaulen zu lassen, werden hier Musiker engagiert; ich finde das einfach großartig.
Die Buden sind auch geschmackvoll und vielfältig: Kerzen, Honigwaren, handgemachte Seifen, bunte Tücher und Keramik gibt es neben den Fress-und-Sauf-Buden mit Stil: "Karma-Knödel" prangt handgeschrieben ein Schild an einem der Holzhäuschen. Dahinter stehen 2 hübsche Frauen um die 30, eine in bayrisch angelehnter Tracht, und verkaufen Semmelknödel in Pilz-Sahnesauce mit Rotkohl - komplett vegan! Natürlich quatsche ich die beiden sofort an. Leider hatten sie noch keine Visitenkarten, da sie recht frisch im Geschäft sind, aber die Frau mit der Tracht stammt tatsächlich aus Bayern und versucht, ihr traditionell bayrischen Lieblingsgerichte vegan nachzukochen.
Mama und ich haben natürlich zugeschlagen - wie könnte man sich schließlich Karma-Knödel entgehen lassen? Und sie waren erleuchtend lecker!

Ein wenig weiter wird uns von einem Mann mit breitem amerikanischen Akzent Brrrratapfelpunsch angeboten; auf der Rückseite seiner Bude verkauft ein anderer Mann ebenfalls wärmende Flüssigkeiten und auf seinem Schild steht: "Zu jedem 5. Getränk ein Weihnachtsgedicht". Ist das nicht einfach klasse?

Heute nochmal Konzert in Finowfurt, einer unserer Lieblingskirchen, und dann fahre ich wieder für eine Woche nach Hause.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Fotos!

Morgen fahre ich wieder für 2 Tage nach Eberswalde - Chorkonzerte. Unser Haus- und Hofphotograph Achim Kuhn war schon beim Konzert in der Kirche Reichenow am letzten Wochenende dabei:





Die ganze Ausbeute ist wie immer im FOTOPROJEKT der Chorhomepage zu finden. Dort sind auch die tollen Porträts hochkonzentrierter Sänger und angemessen schweißgebadeter Tenöre zu finden, die Achim aus unseren Proben zaubert.

Samstag, 26. November 2016

Warum es so schön ist, ein Teil meiner Familie zu sein

Dienstag Anreise & Chorprobe.
Mittwoch früh nach Berlin zum Ensemble LaFolie. Mein Bruder schreibt mich an: Ich spiele heute Jazz auf'm Weihnachtsmarkt. Lust, zuzuhören?
Ich fahre also nach Mitte, wo er in einer Bank arbeitet, auf deren internem Weihnachtsmarkt für wohltätige Zwecke er mit der von ihm gegründeten Bank-Jazzband spielen soll.
("Was spielen die?", fragte mich kürzlich jemand. "Bankrock?")
Ich komme an, die Sängerin ist krank. Ich singe also 3 Stunden Jazz Standards, habe tierisch viel Spaß dabei und übernachte gleich bei meinem Bruder.
Donnerstag. Jam Session.
Freitag. Mein Chor hat nach einer zusätzlichen Probe verlangt und bekommt sie.
Samstag Vormittag bei meinen Eltern. Ich bin mit dem Frühstück fertig, mein Vater baut Weihnachtsbeleuchtung in die Fenster und sieht sich suchend nach meiner Mutter um. Ich deute mit dem Daumen zur Zimmerdecke.
"Mama zithert."
Er grinst kurz. Meine Mutter leitet eine Veeh-Harfen-Gruppe und hat heute ein Konzert. Die Veeh-Harfe ist leider vor Papas und meinem Spott so sicher wie nackte Haut vor Sonnenbräune - es passiert einfach irgendwie, man kann nichts dagegen tun, obwohl wir beide Mama für ihre Arbeit bewundern.
Ich beschließe, für das Ensemble LaFolie zu üben und wenige Minuten später werden die Zith... Veeh-Harfe und das Klavier begleitet vom charakteristischen Krachen der Fußpedale an Papas Heimorgel. Er hat ja morgen Gottesdienst.
Die Einzige, die (abgesehen vom Schnarchen) still ist, ist Nele.
Ich bin doch echt ein Glückskind.

Freitag, 25. November 2016

Chorkonzerte

Die Konzerte des Cantus Vitalis in dieser Adventszeit:

Morgen (26.11.), 17 Uhr, Kirche Reichenow

Samstag 3.12., 10.30 Uhr bei Guten Morgen Eberswalde auf dem Weihnachtsmarkt

Sonntag 4.12., 16 Uhr in der Kirche Finowfurt

Wir freuen uns natürlich sehr über zahlreiches Publikum! :)

Samstag, 29. Oktober 2016

Töörööö

Ich sitze auf dem Bett und male mit der Nase Rorschachbilder in Papiertaschentücher. Töörööö!

Rotz-Schacht-Bilder heißt es vermutlich in dem Fall.

Das Hasenorakel spricht:

Versteckt Euch in der Bücherwand,
die Mama ist ein Elefant!

Montag, 24. Oktober 2016

Alles neu

Jetzt sind es schon fast 2 Monate, die ich in Alfeld wohne.
Alfeld an der Leine. Wenn ich an der einen Stadtgrenze hineinfahre, komme ich durch Sack. Fahre ich auf der anderen Seite wieder raus, führt mich die Straße nach Warzen. Salopp ausgedrückt ist hiermit erwiesen, daß Alfeld der Nabel der Welt sein muß. Oder zumindest Niedersachsens.
Ich habe mir viel vorgenommen, bevor ich umgezogen bin. Ich würde mir Zeit nehmen, meine neue Region gründlich kennenzulernen. Mal einfach ins Blaue in irgendwelche Ecken fahren und dort spazieren gehen, in Dorfmuseen oder so. Ich würde mir Zeit nehmen, wieder mehr zu komponieren. Ich vermisse das ja, tage- und wochenlang an Stücken basteln zu können, ohne daß mich jemand oder etwas dabei stört. Wie zum Beispiel bezahlte Arbeit. Ich würde...
Hmpf. Nichts, aber auch gar nichts davon habe ich auch nur in Angriff genommen. Stattdessen habe ich so weitergemacht, wie ich in Eberswalde aufgehört habe: mich sofort ins Unterrichten und Chorleiten gestürzt, zu allem erstmal "ja" gesagt, denn ich möchte ja Leute und die Musikszene kennenlernen und damit hat sich das Thema Freizeit erledigt. Wahrscheinlich werde ich das nächste mal ins Museum gehen, wenn ich altersbedingt berufsunfähig bin oder so. :)
Egal - es ist lustig und spannend, was ich mache. Ich habe einen kleinen Chor übernommen, der explizit nur Unterhaltungsmusik singen möchte. Hier besteht noch viel, viiiiel Arbeitsbedarf, aber die Stimmung ist super. Außerdem probe ich derzeit mit einem Feuerwehrzug, was auch echt lustig ist und wo es nicht an Arbeit mangelt. Außerdem überlegt die Musikschule Hildesheim, ob sie nicht eine Außenstelle in Bockenem ins Leben rufen kann, und sollte das gelingen, werde ich dort wohl Klavierunterricht und bei Interesse die Leitung eines Jugendchores anbieten.
In letzter Zeit habe ich so viele Menschen kennengelernt, daß ich kaum noch weiß, wohin mit all den Namen - aber sie sehen es mir nach.
Und ich fahre natürlich noch immer nach Berlin und Eberswalde, um den Cantus Vitalis und das Ensemble LaFolie weiterzuführen. Beide machen riesig Spaß und vor allem der Chor profitiert davon, daß ich nur alle 2 Wochen da bin und in den Wochen dazwischen Einzelstimmproben sind. Ich habe die Hoffnung gehabt, daß sich das positiv auf die Chorarbeit auswirkt, und bisher bestätigt sich das voll und ganz. Das erste Weihnachtskonzert ist ja schon in nicht einmal 4 Wochen, da der Advent so unglaublich früh beginnt dieses Jahr, und ich freue mich schon richtig doll darauf!

Aber zurück zum Anfang: Alfeld ist wunderschön. Die Innenstadt (also fast alles) mit den kleinen Fachwerkhäuschen; das Bürgerbüro, in dem es keine Wartemarken gibt und wo Leute auch einfach nur zum Lesen der Tageszeitung hinkommen; die netten Leute, die penetrant von sich behaupten, die Alfelder seien knurrig und unfreundlich, es aber nie sind; die 7 Berge (Harzausläufer), in denen man herrlich herumfahren und spazierengehen kann; ich bin hier wirklich sehr gerne.
Die Straßen haben pragmatische Namen wie "Über der Kirche",  "Unter der Kirche" und "Hinter der Schule", die netten Frauen von der Stadtbibliothek hören mich und eine meiner Schülerinnen manchmal singen und fragen ab und an, wann denn wieder Unterricht sei, weil das so schön sei. Es gibt mindestens 2 Geschäfte mit veganen Lebensmitteln, einen Supermarkt, in dem man sich sogar seine Lieblingssorte Wilmersburger wünschen kann und einen geradezu verbotenen Laden mit Wolle und Handarbeitssachen. Und es gibt mit Sicherheit noch unendlich vieles, das ich nicht entdeckt habe bisher, aber nun, es sind eben auch erst 2 Monate.

Ich bin nicht die Einzige auf Entdeckungstour, auch das Orakel sieht sich gründlich um:




Man beachte den unwirschen Klopfer, als sie bei mir ankommt. :D

Samstag, 27. August 2016

Zeitung

Mitten zwischen Umzugskisten, unaufgebauten Regalen, zu hütenden Schwiegerhunden, einem zu gießenden Schwiegergarten, einer voller werdenden Kiste Sperrmüll und dem Vorbereitungszeug für neue Projekte klingelt das Handy. Es ist die MOZ, der zugetragen wurde, daß ich das Land verlassen habe. "Rüberjemacht" hieß das früher mal. Und da wolle man doch wissen, wie es mit dem Chor weitergehe, sagt der nette Interviewer. Aaawwww, denke ich - sie denken an meinen Chor. Er hat sich etabliert. Toll. Das Kind wird groß.



Das Umzugsunternehmen war übrigens einsame Spitze. Extrem schnell, dabei sehr sorgfältig und umsichtig und total freundlich. Nachdem ich wochenlang alle möglichen Unternehmen aus dem Raum Berlin, Eberswalde, Prenzlau und Hannover vergleichen hatte, die teilweise nicht nur doppelt so teuer waren, sondern auch noch Barzahlung vor Beladen als Zahlungsbedingung hatten, war ich echt froh, dann mit Hertling aus Falkenberg, also umme Ecke, so ein Glück gehabt zu haben.

Das Kaninchenorakel spricht:

Hast im Sommer Du viel Fell,
hoppelst Du nur halb so schnell.











Sonntag, 14. August 2016

KKK

Aus: 101 Gründe, warum ich meinen Freund liebe

Samstag Morgen, 7 Uhr. Ich werde durch leise Geräusche geweckt. Türknarren, Fußtapsen, ein leises Klonk. Etwas duftet gut.
Mein Freund kommt von der Nachtschicht, nimmt mich in den Arm und sagt: "Hier kommt Deine KKK-Einheit." - "Hng?" grunze ich und versuche, wenigstens ein Auge aufzukriegen. "Kussi, Kuscheln, Kaffee!" verkündet er und drückt mir einen Kuß auf das Ohr. Dann trinken wir Kaffee im Bett, bis er einschläft und ich zur Probe muß.

Mittwoch, 10. August 2016

Herrenwieser Vokalensemble

Das war soooo schön. Es ist 10 Jahre her, daß ich selbst, also nicht als Dirigentin, Stimmbildnerin oder Aushilfe, sondern als normales Chormitglied, in Chören gesungen habe, und endlich hatte ich wieder die Gelegenheit. Und es war wundervoll.
Temporeiche Proben, hingebungsvolle musikalische Gestaltung, abwechslungsreiches Programm - so liebe ich das. Als Bonus obendrauf waren auch noch alle ganz furchtbar nette Leute. :)

Ich freue mich schon sehr auf das Konzertwochenende in Leipzig im September.


Sonntag, 24. Juli 2016

Wir ziehen um!


Nach einer wirklich erschöpfenden Fahrt sind wir glücklich in Alfeld gelandet, wo wir ab jetzt leben. Die Hasen mochten Autofahren gar nicht. Also wirklich so GAR nicht. Jeder saß panisch zitternd in einer Ecke der Kiste, als wir einen kurzen Kaninchen-Kontrollstop einlegten. 😕
Der Umzugswagen mit meinen Sachen kommt erst Ende August, und bis dahin habe ich genug zu tun - am 2. August geht es zurück nach Brandenburg zum Herrenwieser Vokalensemble, dann wieder her zur Singakademie Niedersachsen, dann wieder zurück zum Kisten packen, und dann beginnt das Pendlerleben.

Mittwoch, 15. Juni 2016

Mobbing

Aus: 101 Gründe, warum ich meinen Freund liebe

Mein Freund steht in der Wohnung, in einer offenen Tür, und liest irgendwas auf seinem Handy. Ich lehne mich mit dem Rücken an seinen Bauch. Geistesabwesend krault er mir eine Schulter.
"Iiiich habe ein Hoooohlkreuz", singsange ich leise. Dann drehe ich mich um. "Jetzt habe ich einen Buuuuckel!" Mein Freund bleibt unbewegt stehen, sein Blick hebt sich aber vom Handy. Ich drehe mich wieder zurück. "Ich habe ein Hooooohlkreuz!" Ich drehe mich um.
"Ich fühle mich gemobbt", sagt er. Dann grinst er und gibt mir einen Kuss.

Sonntag, 12. Juni 2016

Eigene Homepage


Da ich ab August ja wirklich vollkommen freischaffend arbeiten werde, habe ich beschlossen, meine Kompetenzen mal geschlossen auf einer offiziellen Homepage zusammenzufassen. Hier ist sie:


Erreichbar über www.ankesmusiksalon.de

Samstag, 11. Juni 2016

Orakel in Gefahr

Aus: 101 Gründe, warum ich meinen Freund liebe

"Du solltest wirklich vor Deinem Umzug die Hasen weggeben", sagt meine Mama.
WAAAAAS?!? denke ich. DIE KINDER AUSSETZEN?!
"Ähm", sage ich. "Ähm. Nein."
"Du bist doch dann bestimmt auch viel unterwegs, wer soll denn dann immer den Hasenstall saubermachen, etwa Dein Freund, na der wird sich bedanken, Du belastest doch damit gleich Eure Beziehung!" sagt Mama in einem Atemzug und meine Schwester nickt.

Ich bin kurz still. Meint sie das ernst? Sie guckt jedenfalls so. Als mein damals-noch-nicht-Freund das erste Mal in meiner Wohnung war, hat er als allererstes beim Anblick von Sir Malachy seine 2 Meter Körperlänge zusammengefaltet, das Häschen angelockt und es 10 Minuten gestreichelt, wobei er ungefähr die Sorte sinnlosen aber glücklichen Gebrabbels von sich gegeben hat, das Omas neugeborenen Enkelkindern zugurren. Niemals werde ich diesen Anblick vergessen.
"Er mag die Hasen auch", sage ich schließlich.

"WAAAS?!?" sagt mein Freund, als ich ihm das am Telefon erzähle. "DIE KINDER AUSSETZEN?!"
Und eine halbe Stunde nach dem Telefonat schreibt er mir, wenn ich ohne Hasen komme, wird er ernstlich böse. Schließlich habe er uns alle drei lieb, weshalb er auch gerade seine komplette Wohnung auf den Kopf stellt, damit wir dort glücklich sind.
"Na dann", schreibt meine Mama mir, "dann müßt Ihr eben damit leben. Es ist doch wunderschön, wenn man so geliebt und verstanden wird."
Vermutlich meint sie 'ein Glück, daß Du jemanden gefunden hast, der genauso bekloppt ist wie Du', und Recht hat sie.

Das Hasenorakel spricht:

Auch das niedlichste Orakel
Wird zuweilen zum Debakel,
Läßt man es, um sich zu laben,
Munter in der Kiste graben.
Überallhin fliegt der Dreck,
Menschensklave, mach das weg!

Donnerstag, 9. Juni 2016

Ultimativ vorbereitet

Kennt Ihr das, wenn Euch jemand fragt, ob Ihr bei etwas mitmachen wollt, und Ihr sagt "och ja, warum nicht" und dann kommt es immer dicker?
"Willst Du mich auf 'ner Hochzeit begleiten?" fragt mich ein Bekannter. "Ist nur ein Lied."
"Och ja, warum nicht", antworte ich.
"Sie wünschen sich in der Kirche Unheilig - Unsterblich", sagt er. Ich versuche, die Worte in meinem Kopf zu sortieren.
"Ähäää", mache ich, um mir meine Ahnungslosigkeit nicht anmerken zu lassen. "Hast Du Noten?" (Ich MUSS diese Frage stellen. Ich kann natürlich nach Chords spielen, aber ich bin nunmal ein altes Klassikschwein; ich liebe Noten. Noten sind Freunde, die mich an der Hand nehmen und sagen: komm, wir führen Dich durch diese unbekannte Landschaft und halten auch die Taschenlampe. Noten sind toll.)
"Nö", sagt er. (Verdammt.) "Die Chords müssen wir uns wohl selbst raussuchen."
Wir. Ich ahne Schlimmes.
"Wo genau heiraten sie denn?", frage ich.
"In der Nähe von Frankfurt, in einem Dorf an der Oder."
Ich google. Anderthalb Stunden Fahrt.
"Ich melde mich dann nochmal wegen der genauen Adresse", sagt der Sänger und legt auf.

Das ist drei Wochen her. Nach einer Woche ruft er nochmal an und schlägt ein zweites Lied als Überraschung vor. Es geht um einen Mann, der seiner Angebeteten sagt, er wisse, daß sie ihn niemals lieben würde, aber man könne sich ja praktisch arrangieren. Ich lehne das Lied ab. Ich bin sonst kein kategorischer Typ, aber würde mich jemand auf meiner Hochzeit mit sowas überraschen, wäre ich nicht begeistert.
Ich schlage 'What a difference a day makes' vor - der Sänger und ich kennen uns vom Jazz, das kennt er also garantiert. Er ist einverstanden.
"Welche Tonart möchtest Du haben?", frage ich.
"Na so ungefähr", sagt er und singt ins Blaue hinein. Alles klar, sagt mein Innenohr, D-Dur.

In einer Stunde muß ich los. Ich habe keine Adresse. "Wir" haben "uns" auch nicht die Chords herausgesucht - es gibt nämlich keine. Ich habe stattdessen den gestrigen Abend damit verbracht, ein Kunstwerk aus der Klasse "lass uns mal schnell zusammen mucken" zu erschaffen, indem ich mir Youtubevideos reingezogen habe.

Das wird bestimmt ganz fein. Schließlich sind wir ultimativ vorbereitet.

Mittwoch, 8. Juni 2016

Fast ein schlechtes Gewissen

Mein Bundeswehrkumpel, der ein großer World-of-Warcraft-Held ist und Angst vor dem realen Leben hat, ist zum Straßenkulturfest in Eberswalde gekommen. "Wie hast Du ihn rausgelockt?" fragte mich gestern jemand aus meinem Chor. - "Ich habe ihm einen Befehl erteilt", antworte ich. "Funktioniert immer."
Während ich zunächst das Hochschulorchester beim Tag der offenen Tür der HNEE dirigiere und mich später am Nachmittag um meinen Chor auf dem Marktplatz kümmere, übernimmt mein Freund die Hundesitterpflich… äh, den Bundeswehrkumpel. Nennen wir ihn der Einfachheit halber KRAPOTKE.
"Jens hat angeboten, uns nachher nach Hause zu fahren", sagt mein Freund und zeigt auf Krapotke. Ich zucke zusammen. "Warum nennst Du ihn denn Jens?" - "Na, so heißt er doch." - "Aber das ist doch nicht seine Schuld!" (Ich nenne Krapotke konsequent bei seinem Zockernamen, der ist viel schöner.)
Mein Freund marschiert mir den Nachmittag über hinterher, füllt literweise Apfelschorle in mich ein, applaudiert am lautesten und treibt verspätete, quatschende Sänger zum Einsingen, Krapotke latscht mit und fühlt sich ein wenig hin- und hergerissen zwischen zu viel Kultur und endlich mal raus. Irgendwann murmelt er fast unhörbar, er müsse mal. "Hier gibt's überall Toiletten", sage ich, "guck mal auf den Plan", und wir schlendern weiter. Zwei Stunden ohne Toilette später wiederholt Krapotke den Hinweis auf seine Bedürfnisse. Ich seufze. "Krapotke und ich gehen mal auf's Klo", sage ich zu meinem Freund, der schlagartig breit grinst.
"Wer ist Krapotke?" fragt Krapotke unterwegs zu den Toiletten.
"Das ist der stumpfsinnige Bundeswehrtyp ohne Freunde aus den Känguru-Chroniken, der von allen immer gemobbt wird, aber am Ende des dritten Teils ist er dann irgendwie ganz cool, so im Rahmen seiner Möglichkeiten", antworte ich und erfülle meine Muttipflichten, indem ich ihn zur Kreisverwaltung dirigiere. Krapotke boxt mich auf den Oberarm - ausgleichende Gemeinheit.

Dann folgt unser Chorauftritt. Mein Chor singt wunderbar. Leider merkt er es selbst nicht, da die letzte Reihe die ersten nicht hört, die linke Hälfte die rechte nicht und jeder kaum sich selbst wegen des Abluftgebläses vom Crêpes-Wagen hinter uns und weil open air einfach immer schwierig ist.
Mein Freund, den ich beauftragt habe, ein bißchen mit dem Handy mitzufilmen, damit ich nachher einen Eindruck von dem habe, was das Publikum hören konnte, nimmt mich später am Abend beiseite und in den Arm und sagt: "Ich wollte Deinen Chor filmen, aber dann konnte ich das ganze erste Stück die Kamera nicht von Dir wegnehmen. Es ist so toll, Dich bei der Arbeit zu sehen, zu sehen, wie stark die Sänger auf Dich reagieren - jetzt verstehe ich, warum Du 400 Kilometer pendeln willst. Jetzt habe ich fast ein schlechtes Gewissen." Awwww.

(Aus: 101 Gründe, warum ich meinen Freund liebe)

Zum Glück hat er sich dann eingekriegt, Krapotke sein Bier halten lassen und noch 2 Titel mit Chor drauf gefilmt. ;-)



Am nächsten Tag gehen wir ins Kino - Warcraft. Das war lange verabredet, immerhin haben wir alle einander in diesem Spiel kennengelernt. (Ja, echt jetzt. Ich kenne meinen Freund aus World of Warcraft. Wir spielen schon ewig nicht mehr, aber wir waren mal ein spitzen Tank-Duo!) Wir sind dort alleine mit einem 14jährigen und seinen Eltern. Die Eberswalder Nerdszene ist echt übersichtlich.
Danach wollten wir noch romantisch essen gehen, aber mein Freund hat am Samstag spontan Krapotke dazugeladen, also gehen wir unromantisch essen.
Wir haben einen Tisch draußen in der Alten Brauerei reserviert. Es ist abendlich mittelwarm, ein leichter Wind geht und die Tische stehen zur Straßenseite. Ich habe nicht erwartet, daß am Sonntag noch viel Verkehr ist, aber ich habe mich geirrt. Krapotke stören die Autos weniger, ihn stört der Wind. Er gibt Sätze wie "Mimimi erkältet mimimi" von sich, als der Kellner die Getränkebestellung aufnehmen will, so daß wir fragen, ob es drinnen auch noch einen Tisch gibt, weil einer von uns leider krank zu werden droht. Der Kellner grinst und nickt, dann zückt er den Kugelschreiber.
"Einen Kiba bitte", sage ich.
"Ein großes Bier", sagt mein Freund.
"Und 'n Pfefferminztee für den Herrn, richtig?" ergänzt der Kellner mit todernstem Gesicht.
"Ihr seid alle scheiße", sagt Krapotke und bestellt auch ein Bier.


Mehr zu Krapotke und den Leuten, die ihn zu Recht mobben:


Donnerstag, 12. Mai 2016

Veganer sein in Eberswalde

Vielleicht schreibe ich irgendwann mal mehr über das vegane Essen zu Hause - Rezepte und so. Ich bin ein ausgesprochen fauler Koch und ich hasse komplizierte Gebrauchsanweisungen à la "wenn Du 0,00005 mg zuviel davon nimmst und es in der falschen Geschwindigkeit umrührst, explodiert es". Professor Snape würde mich hassen. Deshalb sind meine Rezepte wirklich, wirklich einfach. :) Da ich außerdem sehr gerne esse, sind sie auch (zumindest für meinen Gaumen) zumeist sehr schmackhaft. Darüberhinaus möchte ich auch mal auflisten, wo man als Veganer einkaufen gehen kann, wenn man Lust auf Käse hat oder dergleichen, aber nicht heute.
Heute will ich mal aufführen, wo man sich als Veganer in Eberswalde von anderen Leuten bekochen lassen kann.

SHIVA - das indische Restaurant befindet sich in der Kreuzstraße, an der Seite der Rathauspassage. Es ist bunt und kitschig, spielt geschmacklose Musik und die Mitarbeiter sind sehr freundlich. Einige Gerichte auf der Karte sind von selbst vegan, da sie immer mit Kokosmilch bzw. -sahne zubereitet werden; bei allen anderen kann man darum bitten, die Kuhmilch durch Kokosmilch zu ersetzen. Ausnahmen sind die Gerichte, bei denen nach Meinung des Kochs Eier unersetzlich sind.

MATISSE - die schöne Fachwerk-Eckkneipe im Quartier Nr 7 des Altstadtkarrée. Ich war da schon ewig nicht mehr, aber im letzten Sommer, als ich mal Hunger hatte und mit Hundeblick die sehr nette Kellnerin angefleht habe, dem Koch etwas mit Gemüse zu entlocken, hat es sich gelohnt. Was kam, war ein optisches und geschmackliches Kunstwerk für unter 7 Euro, der Koch hatte nämlich offenbar in einem veganen Restaurant seine Ausbildung gemacht.

DER WILDE EBER - ein gutbürgerliches Restaurant in der Nähe des Kinos. Hierhin wurde ich anläßlich meines letzten Geburtstages eingeladen. Aus veganer Sicht kann ich das absolut nicht empfehlen. Ich mag das Interieur, aber das echte tote Schwein an der Wand war dann ein bißchen zuviel. Das Personal war überfordert und unaufmerksam. Es gibt kein veganes Gericht auf der Karte. Auf Nachfragen brachte man mir einen aus Blumenkohl, Broccoli und Möhren bestehenden Gemüseteller, der praktisch ungewürzt war, aber den Preis eines Steaks hatte. Schade.

ALTE BRAUEREI - vormals als Bierakademie bekannt. Hierhin verschlug es mich zum ersten Mal im letzten Sommer durch ein Chorprojekt, danach immer mal wieder. Es gibt ein veganes Gericht auf der ansonsten ebenfalls sehr gutbürgerlichen Karte, außerdem mehrere vegetarische, von denen zwei vegan abwandelbar sind. Alle drei schmecken sehr lecker. Offenbar wird hier auch frisch zubereitet, denn die immer liebenswürdige Bedienung fragt nach, was man gerne im Gemüse hätte. Da sie außerdem Guinness (und ungefähr drölfzig weitere Biere) ausschenken, sehr nett und fair im Preis sind und es einfach gemütlich ist, hat mein Freund neulich vorgeschlagen, einen Besuch hier fest in den Plan aufzunehmen, wann immer er zu Besuch ist. Finde ich gut. :)

OMA'S SPEISEKAMMER - in Lichterfelde an der Kirchenkreuzung gelegen. Hier hat meine Familie kürzlich eine Feier gehabt. Da wir mehrere Veganer unter uns haben, haben wir das Buffett entsprechend bestellt und es war sowohl warm als auch kalt total in Ordnung. Die für uns abgestellte Kellnerin war sehr nett; die Reste haben noch tagelang unsere Kühlschränke gefüllt (ich habe eine Schale sehr leckeres selbstgemachtes Hummus mitbekommen). Es besteht auch die Möglichkeit, vorher anzurufen und ein veganes Rezept durchzugeben (und wo man die Zutaten einkaufen kann), wenn man essen gehen möchte, was ich recht sympathisch finde. Also: abgesehen vom unverzeihlichen Deppenapostroph im Namen alles in Ordnung, solange sich der Gast im Voraus kümmert.

IMBISSE - es gibt etliche asiatische Imbisse in Eberswalde, und bei allen kann man darum bitten, das üblicherweise mit angebratene Ei einfach wegzulassen. Ausprobiert habe ich das beim Chinaimbiss neben dem Kaufland in der Angermünder Straße, beim Chinaimbiß in Finow und dem in der Eisenbahnstraße Ecke Rudolf-Breitscheid-Straße sowie im Restaurant auf dem Parkdach des Finower Kaufland.
Die absolute Krönung ist der kleine Imbiss im Obergeschoß der Rathauspassage - die machen ein Sushi, das mir einmal pro Woche Tränen des Glücks in die Augen treibt. Normalerweise sind die Portionen gemischt, aber wenn man "nur mit Gemüse" bestellt, bekommt man etwas zusammengestellt. 

EIS - dieses Thema wird ja jetzt, da es wärmer wird, aktuell. Das Eiscafé Venezia in der Michaelisstraße (neben der Sparkasse) hat eine unfassbar leckere Sorte: "Dunkle Schokolade". Da 'lactosefrei' auf dem Schild steht, habe ich darum gebeten, in die Inhaltsliste schauen zu dürfen, und da stand tatsächlich: enthält Soja, enthält keine Milch. Yeah!
Auch bei Janny's wurde mir mal versichert, 2 Sorten seien von Natur aus ohne Milch; dort habe ich allerdings nie die genauen Inhaltsstoffe gesehen.

Liste wird fortgeführt.

Hier mein spezieller Youtube-Lehrmeister zum Zu-Hause-Kochen:



Hach, ich liebe das. "Boil your water into oblivion." "Potatoes are done when they're easily pierced with a mystical knife." :D

Donnerstag, 21. April 2016

Putztag

Donnerstag. Putztag. Ich schrubbe die Kaninchenkiste. Ich verscheuche die ewig neugierige Lady Margery von und zu Flausch mit der Drohung, daß alles und jeder, der sich zwischen mich und die Kiste stellt, auch im Müll landet. Sir Malachy versteckt sich schon hinter dem Sofa, denn er weiß, was gleich kommt: der Staubsauger.
"Staubsauger" ist eigentlich der falsche Begriff für das Gerät. Zum einen ist der Hasendreck nicht in dem Sinne staubig, zum anderen kann man nicht ernsthaft von saugen reden - es ist mehr ein auf dem letzten Loch pfeifender Dreckschieber. Für die Hasen ist es in erster Linie eine Noise Machine.
Donnerstag ist außerdem der Tag der Wahrheit: was haben die kleinen Scheißer diese Woche wieder zerstört?

Das Hasenorakel spricht:
Als wir von Instrumenten zehrten,
Des Menschen Zorn wir stark vermehrten.
Nun nagen wir an seinen Noten,
Doch scheinbar ist auch dies verboten.

Samstag, 16. April 2016

Der Tip überm Ladentisch

"Alpro ist aber eigentlich gar nicht so gut", sagt die Verkäuferin, während sie meinen veganen Joghurt über den Scanner zieht. Sie hat natürlich Recht - Alpro ist eine Milchproduktionsfirma und ich ringe da schon immer ein bißchen mit mir: unterstütze ich mit dem Kauf der veganen Produktreihe "den Feind" ;-) oder zeige ich mit dem Kauf, daß eine Nachfrage an pflanzlichen Produkten besteht? Außerdem schmeckt der Alpro-Naturjoghurt irgendwie komisch süßlich.
"Ich weiß", antworte ich ihr, "aber Sie führen ja leider keine anderen Marken." Das trifft übrigens auf fast alle großen Supermärkte zu - Alpro, Alpro überall. Kleinere Produzenten, die ausschließlich vegane Produkte herstellen, kriegen da einfach keinen Fuß in die Tür.
Die Verkäuferin wirft einen Blick zu den Kunden hinter mir, beugt sich vor und flüstert verschwörerisch: "Wir nicht - aber ich kaufe meinen Joghurt immer bei Rewe." Ich muß grinsen - ob sich so die ersten Christen im alten Rom gefühlt haben, wenn sie einen Gleichgesinnten getroffen haben, schießt es mir durch den Kopf.

Montag, 4. April 2016

Donnerstag, 31. März 2016

Darum

"Sie haben immer so viel Energie!" sagte mir eine Schülermutter kürzlich. "Ich kenne mehrere Veganer, aber die anderen sind immer müde."
Im ersten Moment bin ich geschmeichelt, im zweiten verwundert und im dritten ist sie glücklicherweise schon aus der Tür. Warum?
Darum:
Ich kenne viele Fleischesser und Vegetarier. Die meisten von ihnen sind praktisch immer müde.
Merkste was?
Ich kenne viele Vorurteile veganes Essen und Veganer betreffend. Die meisten von ihnen sind absurd. Und das eine, das nicht absurd ist, nämlich 'die wollen uns dauernd missionieren', entspringt einem Gefühl, das ich sehr, sehr gut kenne und gegen das man sich nur schwer wehren kann: der Frust darüber, sich ständig verteidigen zu müssen.
Wenn ein Fleischfresser erkältet ist, wünscht man ihm gute Besserung. Wenn ich erkältet bin, legen mir nette (wirklich!) Kollegen den Arm um die Schultern und empfehlen mir ein Steak ab und zu, um mein Immunsystem zu stärken.
Wenn ein Fleischfresser zunimmt oder dick ist, ist das vielleicht nicht schön, aber normal und wird entweder gar nicht kommentiert oder man fragt ihn, ob er Kummer hat. Nimmt ein Veganer zu, wird ihm auf der Stelle erklärt, daß seine Ernährung ja offenbar auch nicht so gesund sei, wie er behauptet (sonst wäre ja quasi jeder Veganer ein Supermodel).
Bestellt ein Fleischesser im Restaurant einen Salat, ist das seine Geschmackssache und bleibt unkommentiert. Wenn ich das mache, höre ich prompt und mit leichter Häme "Ach ja - Du darfst ja nichts anderes essen". Klar darf ich: Fast jedes Restaurant ist im Stande, mir in der Küche schnell etwas Leckeres ohne Tier zusammenzuimprovisieren. Ich habe das ausprobiert; es geht selbst im kleinen Eberswalde im "Wilden Eber" (!), in der Bierakademie, im Matisse (wo bei meinem Hungeranfall letztes Jahr ein offenbar fantastischer Koch gearbeitet hat, der selbst in einer veganen Küche gelernt hat) und beim Inder in der Kreuzstraße werden sogar 80% der Gerichte auch vegan angeboten. Aber wenn ich einen Salat möchte, möchte ich einfach einen Salat, ohne mir schon wieder von irgendwem Kommentare dazu anzuhören.

Die Wahrheit ist: ich habe noch nie, wirklich noch NIE versucht, einen Menschen zum Veganismus zu überreden, egal, wie sehr es mir beim Anblick klassischer von Milchprodukten verursachter gesundheitlicher Probleme manchmal auf der Zunge brannte. Stattdessen ertrage ich stoisch die oben beschriebenen Diskussionen und - noch schwerer erträglich - Pseudoargumente, deren Basis die bloße Angst ist, jemandem könnte etwas weggenommen werden. "Ich brauche Fleisch" heißt es da, und "ohne Käse würde ich nicht überleben". Ähm - nö. Du brauchst Eiweiß, genau wie ich. Das ist ein Unterschied. Und Du würdest sicher ohne Käse überleben, wenn von den 20000 Kindern, die täglich verhungern, weil das in den Entwicklungsländern angebaute Gemüse als Tierfutter zu uns kommt, auch nur eins pro Woche tot in Deiner Küche läge.

Also kurz gesagt: Leute, die sich mit der Wirkung ihrer Nahrung in ihren 40 bis 50 Lebensjahren nicht weiter als bis zum Salzstreuer beschäftigt haben, meinen es permanent und plakativ gut mit mir und es
Kotzt
Mich
An.
In so einer Situation lächle und nicke ich immer sehr viel.

Dies hier ist übrigens kein "Du du" Missionierungsfilm. 😉

Aber im Stillen bin ich der Überzeugung, daß wir das angebliche Recht auf Fleisch und Milchprodukte spätestens verwirkt haben, als die Massenproduktion davon begann. Nicht, wegen der armen Tiere und der armen hungernden Kinder in Afrika - wen interessiert das schon, jetzt mal ehrlich? Da höre ich auch immer tolle und teils sehr intelligente Meinungen zu wie "Kühe geben doch sowieso Milch" oder "die sind doch selbst Schuld in Afrika mit ihrer Korruption".
Aber selbst wem der ganze Rest der Welt am Arsch vorbeigeht, braucht doch immer noch eine Welt, um darin leben zu können. Und wir, wir selbstgerechten, herz- und knochenkranken (Überraschuuuung!) satten Europäer und Amerikaner, Australier und Asiaten sind es, die den größten Teil des Trinkwassers in Nutztierhaltung pumpen, wir roden Regenwälder für Soja, der zu über 90% (ich meine - ist das nicht unfassbar?!) Tierfutter ist, wir zerstören unsere Welt, weil wir verdammt nochmal ein Recht auf unser Frühstücksei haben wollen.
Wir sind verbiesterte, verbohrte Kleingärtnermentalitäten, für die nur haben, haben, haben zählt, für die ein Geschmackserlebnis und eine Essgewohnheit höher wiegen als eine Klimakatastrophe.

Ups. Habe ich mich gerade in Rage geschrieben? Habe ich vielleicht gar... *flüster* missioniert?
Na dann ist ja alles gut, dann zählt der Blogpost ja nicht und wir können alle weitermachen wie vorher und Öko-Anke ignorieren, die wahrscheinlich Dauer-PMS hat, weil sie immer nur Salat kriegt.

Dienstag, 22. März 2016

Auswandern

Aus: 101 Gründe, warum ich meinen Freund liebe

"Oh und Schatz", sage ich am Ende einer der vielen Sprachnachrichten, mit denen wir im Alltag die 400 Kilometer zwischen uns überbrücken. "Schatz, wenn die AfD es in den Bundestag schaffen sollte, möchte ich mit Dir nach Kanada auswandern."
- "Geht klar", sagt er.

Übrigens probiere ich mit diesem Beitrag hier das erste Mal mobile blogging. Mal gucken, wie es aussieht.

Donnerstag, 17. März 2016

18 aus 35

Neulich war so ein Tag, dessen Absicht es zu sein schien, mich glücklich zu machen. Ein nerviger Termin wurde überraschend abgesagt, meine Mama rief an und lud zum Mittag, der lustige Krankenpflegerchor, den ich leite, sang so schön wie noch nie. Beschwingt trabte ich durch einen Supermarkt, um dem Hasenorakel Futter zu kaufen. An der Kasse dachte ich: an einem Tag wie heute könntest Du sogar im Lotto gewinnen.

Also gehe ich in den Zeitungsladen gegenüber und sage, ich hätte gerne einen Lottoschein.
Die Verkäuferin sieht mich nur an. Ich gucke zurück.
"Sind Se denn schon achtzehn?" fragt mich die Frau.
Ich lache vergnügt und krame das Portemonnaie heraus.
Die Verkäuferin rührt sich nicht. Sie sieht mich an. Gesicht, körperabwärts, körperaufwärts, Gesicht ist die Wanderrichtung ihres Blicks und sie schweigt.
Ich lache erneut und witzle zurück: "Soll ich Ihnen meinen Ausweis zeigen?"
Sie nickt.
"Äh", mache ich. "Äh - im Ernst?! Sie wollen meinen Ausweis sehen?"
Sie guckt und schweigt. Ich krame meinen Perso hervor und frage mich, was ich davon halten soll. Sie studiert den Ausweis, gibt ihn mir zurück und sagt: "Woll'n Se ooch Super 6 und Spiel 77?"
"Nehm' Se die 77", ruft ihre Kollegin vom Ende des Tresens, "sind neun Milljohn drinne!"
"Na gut", sage ich und bekomme meinen Lottoschein ausgehändigt. Während ich ihn einstecke, strahlt die Kollegin uns beide an und sagt: "Dit is mir ooch schon passiert, dit ick Leute für viel jünger jehalten hab - aber die war'n denn sojar schon fümmundreißich!"

Ich reiße die Hände hoch. "Ich bin fünfunddreißig!"
"Ach wat", sagt die Kollegin.

War übrigens nichts mit den neun Mille. Aber es war definitiv wert, den Schein zu kaufen.

Samstag, 27. Februar 2016

Biss und Hass oder: Das Kreuz mit dem B

Das Klavier, bzw. das Tasteninstrument als solches, ist ja ein Instrument, auf dem einem die Stammtöne nicht einmal verborgen bleiben könnten, wenn man mit verbundenen Augen spielte. Sie sind weiß und vorne. Die von den Stammtönen abgeleiteten Zwischentöne sind als schwarze Tasten ein wenig erhöht, ein wenig weiter weg und eben schwarz. Wenn es jetzt also darum geht, einem Schüler die Funktion von Kreuzen (seit einigen Jahren besser bekannt als Hashtags #) und Bs zu erklären, hat diese Tastenanordnung enorme Vorteile - bis zu einem gewissen Punkt. Vorzeichen machen 2 Probleme: 1.) haben die Töne dann komische Namen und 2.) sind da Lücken in den schwarzen Tasten, die Fragen aufwerfen.

Bei Kreuzen ist das mit den Namen noch ganz gut zu merken: Man hänge ein "is" an den Notennamen. Aus C wird Cis, aus D wird Dis und so weiter.
Bei Bs wird die Silbe "es" angehängt. Aus C wird Ces, aus D wird Des… Während ein A mit # jedoch A-is heißt, heißt es mit b nicht etwa A-es, sondern As. Und ein H mit # heißt zwar His, aber mit b? Die Kinder haben da verschiedene Vorschläge. "Biss" sagt eines, als Kompromiss zwischen Kreuz und B. "Hass" sagt ein anderes in guter Mischung aus H und As.

Noch schlimmer wird es, wenn ein E oder H ein # bekommen bzw. ein C oder F ein b.


Mission Verwirrung abgeschlossen. :)

Das Hasenorakel spricht:

Dankbar ringen wir die Hände -
Mamas Schreien hat ein Ende.

(Ich habe nämlich 2 Tage lang Übungsaufnahmen für meine Chorsänger gemacht und mußte die ganze Zeit aufpassen, daß das Orakel nicht am Mikrofonkabel nagt.)


Samstag, 6. Februar 2016

Der Blick

Nervös kommt das Kind in den Unterrichtsraum. Ein fünfjähriges, ein zwölfjähriges, egal. Es braucht besonders lange, um seine Jacke aufzuhängen. Manche der kleineren gehen so weit, die warmen Stiefel lieber auszuziehen und dann nach einer Minute wieder anzuziehen. Schön langsam natürlich.
Umständlich werden die Noten aus der Tasche geholt, dreimal umgedreht, damit man sichergeht, daß auch die Überschrift am oberen Ende steht, und auf das Klavier gestellt. Das Kind setzt sich auf den Hocker. Die Arme hängen herunter, es starrt auf das Notenblatt. Es guckt zu mir, über die Schulter. Dann wieder auf die Noten. Mit einem vermeintlich unbemerkten Seufzer hebt es die Hände auf die Tasten. Und dann kommt er:

Der Blick.



Mit leicht gesenktem Kinn gucken zwei riesige Kulleraugen über die hochgezogenen Kinderschultern zu mir hoch. Die Augenbrauen sind in einer stummen Frage gehoben.

"Liegen meine Finger auf den richtigen Tasten?" fragt der Blick.
"Ist das das C, wo ich meinen Daumen drauf habe?" oder sogar:
"Hatte ich dieses Stück auf?"

Ich muß mir schwer das Grinsen verkneifen, nicke freundlich und das arme Kind beginnt zu spielen. Je nachdem, ob es schätzungsweise dreimal in der Woche geübt hat, nur einmal (eine halbe Stunde vor dem Unterricht) oder überhaupt nicht kommt der Blick erneut, mitten im Lied oder gleich im ersten Takt, und diesmal fragt er:

"Stimmt das alles noch so?" oder
"Kannst Du mich jetzt endlich korrigieren, damit ich nicht selber Noten lesen muß?" oder einfach
"Hilfe…?"