Donnerstag, 17. März 2016

18 aus 35

Neulich war so ein Tag, dessen Absicht es zu sein schien, mich glücklich zu machen. Ein nerviger Termin wurde überraschend abgesagt, meine Mama rief an und lud zum Mittag, der lustige Krankenpflegerchor, den ich leite, sang so schön wie noch nie. Beschwingt trabte ich durch einen Supermarkt, um dem Hasenorakel Futter zu kaufen. An der Kasse dachte ich: an einem Tag wie heute könntest Du sogar im Lotto gewinnen.

Also gehe ich in den Zeitungsladen gegenüber und sage, ich hätte gerne einen Lottoschein.
Die Verkäuferin sieht mich nur an. Ich gucke zurück.
"Sind Se denn schon achtzehn?" fragt mich die Frau.
Ich lache vergnügt und krame das Portemonnaie heraus.
Die Verkäuferin rührt sich nicht. Sie sieht mich an. Gesicht, körperabwärts, körperaufwärts, Gesicht ist die Wanderrichtung ihres Blicks und sie schweigt.
Ich lache erneut und witzle zurück: "Soll ich Ihnen meinen Ausweis zeigen?"
Sie nickt.
"Äh", mache ich. "Äh - im Ernst?! Sie wollen meinen Ausweis sehen?"
Sie guckt und schweigt. Ich krame meinen Perso hervor und frage mich, was ich davon halten soll. Sie studiert den Ausweis, gibt ihn mir zurück und sagt: "Woll'n Se ooch Super 6 und Spiel 77?"
"Nehm' Se die 77", ruft ihre Kollegin vom Ende des Tresens, "sind neun Milljohn drinne!"
"Na gut", sage ich und bekomme meinen Lottoschein ausgehändigt. Während ich ihn einstecke, strahlt die Kollegin uns beide an und sagt: "Dit is mir ooch schon passiert, dit ick Leute für viel jünger jehalten hab - aber die war'n denn sojar schon fümmundreißich!"

Ich reiße die Hände hoch. "Ich bin fünfunddreißig!"
"Ach wat", sagt die Kollegin.

War übrigens nichts mit den neun Mille. Aber es war definitiv wert, den Schein zu kaufen.

Kommentare:

Rowan hat gesagt…

Neee, wie schön! =D
Hömma, fümmendreißich!

Tricia Danby hat gesagt…

Ist doch ein schönes Kompliment!
Fümmundreißich!