Donnerstag, 27. August 2020

BUCHVERLOSUNG

Vor einigen Wochen war ich in der örtlichen Kleinstadtbuchhandlung. Deren Sortiment ist exakt das, was man erwartet: Eine verhältnismäßig große Kinderbuchabteilung, Reise-, Garten- und Kreativbücher in den Sachbüchern und Schmöker à la "PS Ich liebe dich" in den Romanen. 

Was ich suchte, war queere Literatur. Irgendwelche queere Literatur. Ob nun die Autor:innen oder Protagonist:innen auf welche Art auch immer etwas diverser waren als weiß und heterosexuell war mir egal. Ich kam sogar vorbereitet: Ich hatte den einen oder anderen Titel online interessant gefunden, wollte aber den lokalen Handel unterstützen. 

Ich habe nichts gefunden, also habe ich bei der Verkäuferin nachgefragt. Keiner der von mir genannten Titel war ihr ein Begriff, und nach kurzer Recherche sagte sie mir, ihr Großhandel würde auch keinen dieser Titel liefern. Ich fragte also nochmal so grob verallgemeinernd wie möglich, ob sie überhaupt irgendwelche queeren Bücher hätten - schwule Liebesromane zum Beispiel? Sie sah mich an, als hätte ich plötzlich Suaheli gesprochen.

(Ganz ehrlich, Leute, und ihr fragt euch, warum wir bei *hust*zon bestellen.)

Vorgestern ging ich wieder in diese Buchhandlung. Ich wollte unbedingt "Ich bin Linus" von Linus Giese bestellen - ja, bestellen, denn daß sie das nicht von sich aus ins Sortiment nehmen, war mir inzwischen schon klar. Heute habe ich es abgeholt. 

Und heute war der Blick der Verkäuferin völlig anders. Ich stand da, frisch vom Friseur auf 4 mm gestutzt, männliche Erscheinung, weibliche Stimme, und lächelte sie über meine Maske hinweg an - und sie schenkte mir einen seeeehr sehr neugierigen und durchaus freundlichen Blick zurück. Offenbar hat sie den Klappentext gelesen. 

Und dann hat sie gefragt: "Soll ich eins der Exemplare einwickeln?" Denn ich habe es zwei Mal bestellt. Einmal für mich und einmal... für euch! 

Ich verlose hiermit ein Exemplar von Ich bin Linus. Weil ich finde, das können gar nicht genug Leute lesen.




Die einzige Teilnahmebedingung ist, daß ihr mir mitteilt, daß ihr mit in den Lostopf wollt. Wenn ihr möchtet, verbreitet die Verlosung ruhig im Rahmen eurer sozialen Netzwerke, das ist aber nicht Voraussetzung, um mitmachen zu dürfen. 

Ihr könnt mir eure gewünschte Teilnahme als Kommentar unter diesem Blogpost oder als Kommentar auf Instagram, Twitter oder Facebook mitteilen, und zwar bis spätestens Samstag, den 12. September - am Sonntag dem 13. werde ich auslosen.

(Ich habe mit Herrn Giese nichts zu tun, das ist kein Werbeding oder so - es ist nur ein gutes Buch.)

Donnerstag, 13. August 2020

Yoroshiku

Um mich von dem wirklich kniffligen Gälischkurs ein wenig zu erholen, lerne ich momentan eine andere Sprache: Japanisch. Ich weiß selbst nicht, wie ich ausgerechnet auf Japanisch gekommen bin, aber etwas daran hat mich sofort gepackt.

Japanisch kennt 5-7 Arten, Danke zu sagen, verschiedenste Begrüßungs- und Abschiedsformeln und hat drei verschiedene Schriftsprachen. Es ist einfach faszinierend. Und all diese unglaubliche Höflichkeit berührt irgendwas in mir sehr, ich mag das total.

Eine der schönsten Begrüßungsformeln, bzw. ein Teil verschiedener Begrüßungsformeln, ist YOROSHIKU. Yoroshiku bedeutet sehr grob übersetzt "schön, Sie zu treffen", etwas genauer allerdings bedeutet es "Ich bitte um Ihr Wohlwollen" oder auch "Bitte seien Sie freundlich mit mir". Ist das nicht wunderschön?

Okay, das war der leichtere Teil dieses Blogposts. Jetzt zu dem Teil, der mir schwer fällt. Ich werde mich knapp halten, denn nach den letzten Wochen, in denen ich mich extrem viel erklären und gelegentlich sogar rechtfertigen mußte, habe ich keine Kraft mehr, das alles auch noch zu verschriftlichen. Aber ich werde euch Dinge an die Hand geben, um euch selbst zu informieren.

Ich bin trans. Aus vielen, hier zu weit führenden, Gründen habe ich das seit meiner Kindheit versteckt, phasenweise sogar vor mir selbst. Das hat zu schweren Depressionen geführt. Ich konnte mir irgendwann ein Leben ohne diesen schwarzen Kerker in meinem Kopf gar nicht mehr vorstellen. Ich wußte nicht mehr, wie man sich 'normal' fühlt. Ich konnte jederzeit mein beinahe manisches Bühnen-Ich aufsetzen, das mit 10.000-Watt-Scheinwerfern in die Welt gestrahlt hat, und das durchhalten, bis ich wieder alleine war und mir nur noch gewünscht habe, ich wäre endlich tot. An guten Tagen konnte ich meinen Körper wie ein skurriles Kostüm tragen, wohl wissend, daß er nicht mehr als das ist. An schlechten Tagen konnte ich ihn nicht er-tragen, nicht einmal auf Fotos oder im Spiegel.

Ich hatte wenige gute Tage.

Zuletzt kulminierte alles in einer furchtbaren, mehrere Stunden andauernden Panik-Kummer-Schreiattacke, die mir keine Wahl mehr gelassen hat. Ich mußte mich dem stellen. Und das tue ich jetzt. 

Hallo, liebe Blogleser:innen des Musiksalons. Mein Name ist Johannes. Ich bin ein trans Mann. Ich bin dieselbe Person, die ich war, bevor ihr wußtet, wer ich war. 


Nunja - fast dieselbe. Eins hat sich geändert: Ich habe keine Depressionen mehr, seit ich einen Ausweg sehe. Seit ich offen reden kann. Seit ich gesehen werde, wie ich bin. Ich schlafe seit Wochen wie ein Baby und wache erholt auf - etwas, das ich nie kannte. Ich habe Energie für Alltagsdinge. Ich habe Mut. Alles andere ist, wie es war: Ich bin Schokoladenveganer und hingebungsvoller Musiker. Ich bin ein Hundemensch. Ich mache grüne Politik. Ich bin, wer ich war.

Ich verstehe, falls ihr jetzt Fragen habt. Bitte versteht auch, daß ich sie nicht beantworten kann. Mir fehlen die Zeit und die Kraft dafür und das Internet ist voller seriöser Quellen.

How to respect a transgender person (deutsch)

Interview Dr. Szukaj

Blog Linus Giese

Viele gute Informationen bieten auch der Transmann e.V., die Beratungsstellen Andersraum in Hannover und TransInterQueer in Berlin und sicher noch etliche andere. 

Ich bin Johannes. 

Yoroshiku.





Freitag, 7. August 2020

CSD irgendwer?

Trifft mich morgen jemand auf dem CSD in Braunschweig? Ich würde mich sehr freuen!


 

Dieses Video ist natürlich zum einen kanadisch und zum anderen Covid-19-bezogen, aber dennoch: So stelle ich mir 'meine' ideale Gesellschaft vor. So divers, so vielfältig, so bunt. Und natürlich so musikalisch. ;-)