Samstag, 19. Oktober 2019

Jetzt nochmal langsam

Mein letzter Blogpost hat bei einigen von Euch hohe Wellen geschlagen, weshalb ich heute nochmal darauf eingehen möchte.
Mehrere Menschen haben sich von mir persönlich angegriffen gefühlt. Ich habe das anfangs überhaupt nicht verstanden, denn das lag nicht nur nicht in meiner Absicht, sondern es ging in dem Beitrag auch um keinen dieser Menschen. Im Gegenteil - eine von Euch hat mich direkt im Anschluss an besagten Gottesdienst gleich 2x gefragt, ob das nicht toll sei, und ich habe beide Male geantwortet, das sei nichts für mich, der Gottesdienst habe mir überhaupt nicht gefallen, ich habe aber den größten Respekt vor der Arbeit, die sie persönlich da reinsteckt. Ich meine es immer ernst, wenn ich sowas sage - ich kann Euch und Eure Arbeit respektieren, auch wenn ich das Drumherum nicht mag. Ich kann ja auch selbst gut Gottesdienste gestalten, auch wenn mir der Pfarrer nicht gefällt oder Konzerte gut machen, auch wenn in der 3. Reihe einer schläft.

Ich habe also dann mal alles ein bißchen sacken lassen, mit mir vertrauten Menschen darüber gesprochen und mehrere wichtige Dinge zu hören bekommen. Eines davon war, daß Dinge, die ich sage oder schreibe, die ich tue oder nicht tue, eine weit persönlichere Resonanz haben, als mir klar ist, weil ich den Beruf habe, den ich habe. Für mich ist Dirigieren (Zusammen-)Arbeit, aber von außen, und damit auch auch Chorsängerperspektive, sieht es offenbar aus wie Autorität. Wenn ich eine Meinung äußere, hat sie also scheinbar ein größeres Gewicht, als wenn das ein Chorkollege tut.

Dazu kommt, daß ich mich über den meiner Meinung nach rassistischen Teil des Gottesdienstes dermaßen aufgeregt habe, daß der gesamte Beitrag einen ziemlich spitzen Tonfall bekommen hat - und das war wahrscheinlich auch das, was Euch gekränkt hat. Das tut mir wirklich Leid. Ich kann nur noch einmal sagen: Ich habe nie die Absicht gehabt, Eure ehrenamtliche Arbeit in Frage zu stellen. Ich stelle nicht einmal Gottesdienste in Frage - sie sind nur nichts für mich. Ich mag sie nicht. Diesen Schuh muß (und sollte) sich aber bitte niemand anziehen, das ist meiner. Für jeden, der sich von Gottesdiensten aufgebaut fühlt, tun sie ein gutes Werk.