Montag, 30. Juni 2014

Endspurt

Dieses Jahr gehen alle meine Jobs praktischerweise beinahe gleichzeitig in die Sommerpause. In der Musikschule haben wir die Prüfungen hinter uns und nur noch die (ungewerteten) Klassenvorspiele vor uns, in der Oper startet nächste Woche das Festival.

Mit dem Ensemble LaFolie stecken wir voll im Endspurt, da wir nach unseren letzten beiden Konzerten mit dem Frühlingsprogramm nächste Woche auch noch einen kurzen Trailer aufnehmen werden. Uns als akustisch orientierten Menschen war gar nicht bewußt, wieviel nichtmusikalische Vorbereitung in sowas drinsteckt.

Nebenbei hatte ich vor 10 Tagen das Vergnügen, anläßlich der Hochzeit einer Verwandten in der Neuhardenberger Schinkel-Kirche Orgel spielen und singen zu dürfen.



Die blaue Decke mit dem goldenen Sternen wirkt wirklich, als würde man in Schinkels Bühnenbild zur Zauberflöten-Erstaufführung in Berlin stehen.


Mit dem Chor hatte ich dieses Wochenende zwei Konzerte, in den Kirchen Finow und Niederfinow, die beide sehr schön waren, obwohl wir zum zweiten etwas schmaler besetzt waren. Aber uns kann nichts erschüttern: Eine Woche vor dem Konzert brach sich eine Altistin bei einem Fahrradunfall die Schulter. 3 Tage vor dem Konzert kam sie zur Probe und verkündete, Stimmbänder und Beine seien schließlich in Ordnung, wenn ihr also bitte jemand die Noten halten würde…


Danach gab es noch unsere Sommerparty, wie jedes Jahr sehr gemütlich und schön und mit Lagerfeuersingen, Suppe im Kessel über dem offenen Feuer, einem Weinchen und dieses Jahr einem Bass, der uns regelmäßig über den Spielstand informierte.


Auch der Hase war derweil nicht faul. Er hat nicht nur ein riesiges Loch in den Läufer gegrast


sondern es auch geschafft, sein gesamtes Gehege bis in die Ecke zu schieben, in der meine Geschenkpapierrollen stehen, und diese durch das Gitter hindurch am Rand kunstvoll abzufräsen. Wahnsinn.


Jetzt hat Sir Malachy wieder plüschfreie Teppichfliesen bekommen und ich bemühe mich, seine und meine Grundbedürfnisse schadfrei zu stillen. Seine:




Meine:



Das Kaninchenorakel spricht:

*mümmel*

Sonntag, 22. Juni 2014

O-Ton der Woche

"Bei diesem Ton muß ich immer an ein Sofa denken", unterbricht das Kind sein Spiel.
Ich schaue das Kind an.
Ich schaue die Note an.
Ein G.
"An ein Sofa?", vergewissere ich mich.
"Ja, an ein Sofa. Ein rotes." Das Kind spielt weiter.
Hmm, denke ich. Man muß nicht alles verstehen.

Sonntag, 15. Juni 2014

Die Crux mit dem Klavier

Ich liebe mein Klavier. Es wiegt 11 Kilo (ohne X-Ständer, Boxen usw.), paßt mit etwas Würgen in das Bardenmobil, hat einen wunderbaren Anschlag, auch wenn eine Taste schon manchmal spinnt, klingt für ein elektronisches Instrument auch wirklich gut, läßt sich feintunen und hat Persönlichkeit. Wir beide haben schon etliche Konzerte miteinander bestritten, wenn der Veranstalter (mal wieder) kein Klavier vor Ort hatte. Oder - auch schon mehrmals vorgekommen - er hatte ein Klavier, hat es stimmen lassen und dann sprach der Klavierstimmer "das ist zu alt, um es noch auf 440 Hz zu ziehen". An solchen Tagen schleppe ich also immer meinen kleinen Plastikschatz mit.

Vorgestern in Lichterfelde, Konzert des Ensemble LaFolie.

Was das Publikum sieht:

Was man auf diesem Bild nicht sieht, ist die dunkle Seite der musikalischen Macht: Kabelsalat von der Box, dem quer unter mir durch verlaufenden Gesangsmikro, dem zweiten Gesangsmikro für den Kollegen und dem Pedal.
Das Pedal selbst ist eine Katastrophe, denn es ist nur ein kleines Plastikquadrat, das die Neigung hat, bei jedem Treten einen kleinen Schritt spazieren zu gehen. Von mir weg. Laufgeschwindigkeit direkt proportional zur Bodenglätte. Auf dem Steinboden der Kirche hilft da nicht einmal Panzertape (die schwarze Rolle, mein ständiger Begleiter).
Das Klavier selbst hat kein eigenes anständiges Notenpult, daher baue ich eins extra auf, versuche das Pedal irgendwie am Bein des Pultes festzuklemmen und bete das ganze Konzert. Meistens führt das dazu, daß irgendwann auch das Pult spazieren geht.
Der X-Ständer des Klaviers ist nach etlichen Jahren Benutzung derartig verbogen, daß nur noch eine dicke Notenmappe hilft, das Ding stabil zu halten. Lege ich nichts drunter, werde ich beim Spielen seekrank.
Die Schuhe, die der weibliche Teil des Ensembles einheitlich trägt, haben so hohe Absätze, daß ich kaum noch mit dem Fuß unter dem X-Ständer nach dem Pedal angeln kann.

Die wacklige Realität:

In solchen Momenten dichtet mein Kopf immer einen Klassiker von Charlie Chaplin um:

Play, though your shoes are aching
play, though your stand is breaking
when the amp is weak so you don't sing but cry -
you'll get by
If you play through bounce and sorrow
Play on and maybe tomorrow
you'll have a grand piano come through
just for you



Freitag, 13. Juni 2014

Konzert heute

Wir hätten auch am nächsten Freitag in der Lichterfelder Kirche spielen können, der Veranstalter hat das uns überlassen. Aber das Datum Freitag der 13. gefiel uns einfach zu gut, um es uns entgehen zu lassen. Daher: Heute Konzert in Lichterfelde bei Eberswalde mit dem Ensemble LaFolie!


Freitag, 6. Juni 2014

Pfingsten in der Oper

Den Trailer hier



finde ich nicht so schön wie die tatsächliche Oper, die ich hiermit empfehlen will. Barock mal anders als Händel, eine wunderbare Darstellermannschaft und eine Inszenierung, bei der man ums Mitfühlen nicht herumkommt… heute in der Komischen Oper Berlin. (Kleiner Klugschiß zwischendurch: Castortransporte haben nichts mit diesem Helden hier zu tun.)

Dasselbe in anderem Genre läßt sich über die West Side Story sagen, die morgen gespielt wird - unbedingt ansehen!




Und zu guter Letzt am Sonntag Figaros Hochzeit, wirklich witzig (ich mag es immer, wenn das Lachen des Publikums kurz die Musik übertönt), schön musiziert und natürlich der Opernklassiker schlechthin. Und endlich mal sowas ähnliches wie ein Happy End. ;-)

Das Kaninchenorakel sagt:
Lauscher aufstellen!

Donnerstag, 5. Juni 2014

O-Ton der Woche

"Geil, ich kann D spielen!"
Rief ein kleines Mädchen gestern in seiner zweiten Klavierstunde. In der ersten Stunde (gleich nach der Entdeckung des C) hat sie mich noch unschuldig gefragt, ob ich denn auch Klavierspielen könne, so wie sie bald.

Sonntag, 1. Juni 2014

Man muß sich nur

zu helfen wissen!

"Kultur am Arbeitsplatz" kommentierte ein lieber Kollege in der Oper und stellte diesen kleinen Strauß im Sektglas zwischen unsere Arbeitsplätze.


Genau - so kann man ein Stellwerk ästhetisch enorm aufwerten. =)

In der Ensembleprobe fehlten Pulte, doch der erste Geiger hat eigentlich immer eine passende Idee: Das alte, kaputte Pult läßt sich noch wunderbar auf dem Geigenkasten balancieren.


Zu dem akuten Pultmangel kam es aufgrund des anstehenden Nachwuchses unserer Bratschistin. Sie wird daher ab dem Sommer für einige Monate nicht mit uns spielen können. In ihrer unendlich pragmatischen Art winkte sie jedoch ab, noch bevor wir sie richtig beglückwünschen konnten, und sagte: "Macht nichts. Ihr könnt meinen Mann haben." Der nämlich auch Bratschist ist und nun eingearbeitet wird.


Das Kaninchenorakel sagt:

Einfach mal chillen.