Samstag, 1. September 2018

...und jetzt die Nachrichten:

Wer den ersten Teil dieses Blogposts durchhält, wird mit dem zweiten Teil sehr schön belohnt.

Heute ist Weltfriedenstag. Ich denke, im Angesicht Sachsens sollten wir uns das alle nochmal vor Augen führen: Weltfriedens- oder Antikriegstag. Ein Tag, an dem in Chemnitz die Aktion #herzstatthetze stattfindet, stattfinden muß, weil zu viele Leute vergessen haben, wie Dresden und Chemnitz aussahen, als das letzte Mal Nazis an der Macht waren.

Dresden 1945:




Chemnitz 1945:


Zum Vergleich - Aleppo heute:



Wenn also wohlgenährte, gut gekleidete Menschen vor intakten Häusern den Hitlergruß und ihre nackten Ärsche zeigen, um gegen die angeblich durch die Bank gewalttätigen Kriegsflüchtlinge zu demonstrieren, wenn diese Flüchtlinge durch die Straßen gejagt werden, beschimpft, bespuckt, mit Eisenketten geprügelt, wenn Journalisten öffentlich-rechtlicher Medien mit Mord, Vergewaltigung und Lynchjustiz gedroht wird, finde ich das gelinde gesagt aberwitzig.

Die letzte große Welle von Wirtschaftsflüchtlingen gab es übrigens vor knapp 30 Jahren, das waren nämlich wir. Wir Ossis. Wir Ossis, die Reisefreiheit wollten und daß es jeden Tag Bananen geben kann. Wir hatten ein despotisches Regime, aber keinen Krieg. Auf uns fielen keine Bomben, auch wenn wir in der Schule regelmäßig (für den Fall, daß der feindliche Westen angreift) trainiert wurden.

Vor ziemlich exakt drei Jahren schrieb Stefan Berg für den Spiegel ein kurzes Essay, das ich als Lektüre nur empfehlen kann: SEID ENDLICH STILL

Und an alle weltoffenen, differenziert denken könnenden Menschen möchte ich sagen: Seid endlich nicht mehr still!

Okay, Ihr habt es geschafft - hier kommt der zweite Teil. Nur noch schöne Nachrichten!

Seit wir zusammen sind, hat mein Bär mir niemals Blumen geschenkt. Bis vorgestern. Er mußte um vier Uhr raus, hatte eine Frühschicht aus der Hölle, ist danach noch einkaufen gegangen und statt halbtot und schlecht gelaunt kam er breit lächelnd mit einer Rose nach Hause. <3



Auch Ahmed, der Pizzazauberer unseres Vertrauens, der früher immer auf Marcs Pizza "Mark" und auf meine "Vegan" geschrieben hat, schreibt neuerdings:



Recht hatter.


In unserem Garten ist jetzt alles erntereif - es ist ja auch nicht nur Weltfriedenstag, sondern auch meteorologischer Herbstanfang - und wir kochen Äpfel in rauhen Mengen ein und genießen frische Paprika.



Uuuuund: wir haben Zuwachs bekommen! Ladies and Gentlemen, ich freue mich sehr, Ihnen den Wunderhund vorstellen zu dürfen!
Wir wissen nicht, wie alt er ist.
Wir wissen nicht, welche Rassen alles in ihm stecken.
Wir kennen seinen früheren Namen nicht, aber er hört nach 2,5 Wochen bei uns schon perfekt auf den neuen, den ihm seine Pflegestelle gegeben hat: Zeus.


Zeus ist ein ehemaliger Straßenhund aus Griechenland, der definitiv einen guten Teil seines Lebens in einer Familie verbracht haben muß. Er kannte bereits einige Grundkommandos, leider nur auf griechisch - aber auf die Handzeichen von Sitz und Platz hat er sofort richtig reagiert. Vielleicht wurde er ausgesetzt oder ist irgendwie verlorengegangen - jedenfalls wurde er ziemlich mager in Kreta aufgelesen, nach Deutschland gebracht und wird jetzt hier gegen diverse Mittelmeerkrankheiten behandelt. Diese machen auch sein linkes Auge so trübe - es bessert sich aber bereits.

Zeus ist extrem menschenbezogen. Er kuschelt nicht mit uns, er kuschelt auf (unter/zwischen) uns.





Er war von Anfang an der sozialste Hund, den ich je getroffen habe - furchtlos, aber sanft mit anderen Hunden ebenso wie mit Menschen.


 Er braucht immer eine ausgiebige Streicheleinheit zum Wachwerden:


Und wenn er wach ist und wir draußen unterwegs sind, hat er mega viel Spaß:


Unsere beiden schon vorhandenen Rentnerinnen (Ihr erinnert Euch - "Die Schöne" und "Das Biest") kommen unterschiedlich mit ihm klar: Gina, die 15jährige Omma, will mit ihm spielen und scheint täglich jünger zu werden, seit er da ist. Tessa, die 11jährige Feldmausmörderin, ist sehr darauf bedacht, ihn herumzukommandieren, knurrt ihm ordentlich die Richtung und stellt klar, daß sie der Herr im Haus ist. Er ist mit allem einverstanden.

Er versteht nicht, warum der Rasenmäher des Nachbarn nicht mit ihm spielen will, er kann noch nicht alleine bleiben und manchmal fallen ihm Leckerchen wieder aus dem Maul, ohne daß er es merkt, aber sonst ist er wirklich ein top Hund.



Es klingt vielleicht ein bißchen esoterisch, aber ich habe mir den für Marc und mich perfekten Hund gewünscht, und das Universum hat sowas von geliefert.

Ich bin ab nächster Woche erstmal für knapp 2 Wochen auf Konzertreise in Irland, aber ich gebe Euch gerne noch ein Lied auf den Weg:



Oder zwei; ich kann Euch ja nicht wochenlang ohne Brahms lassen. :)

"Nein, es ist nicht auszuhalten mit den Leuten" - Brahms, Liebesliederwalzer
Thüringischer Akademischer Singkreis, Leitung Jörg Genslein
Anke Höing & Nicolas Bajorat, Klavier
(Probenmitschnitt)


Dienstag, 7. August 2018

Der erste Tag meines Lebens

Ich fasse mich kurz, denn aus Urlaub ist schon wieder Arbeitszeit geworden, aber hier ein kleines Update:

Ich habe die Bestrahlung hinter mir. Ich habe total unterschätzt, was das mit meiner Kraft macht, also wie sehr es mich erschöpft und meine Energie einschränkt, selbst noch Wochen nach Abschluß der Behandlung, und ich habe überschätzt, wie schlimm die Hautveränderung sein würde. Ich war zwar übel verbrannt, konnte wochenlang meinen Arm nur unter Schmerzen bewegen und bin mit wechselnden Weißkohlblättern im BH herumgerannt, aber noch im Juli konnte ich mich wieder fast uneingeschränkt gut bewegen und die Narbenbildung hält sich in Grenzen. Yeah.

Nach meinen Erfahrungen der letzten Wochen möchte ich jedem, der Ähnliches durchzustehen hat, folgende Gedanken mitgeben:

- Belest Euch auf der Seite www.biokrebs.de und meldet Euch bei den dortigen Ärzten. Die Beratung ist kostenlos und unglaublich gut.

- Stopft Euch während der Bestrahlung mit Selen voll. Fragt, ob bei Euch atembasierte Bestrahlung nötig und möglich ist, falls es den Brustkorb betrifft.

- Geht raus in die Sonne, macht leichten Sport - egal was, Hauptsache, es macht Euch Spaß.

- Nicht jede Behandlung, die möglich ist, ist auch nötig. Hört auf Euer Bauchgefühl, und zwar bevorzugt an den Tagen, an denen Ihr nicht gerade von Panik übermannt seid.

- Esst regelmäßig ein bis zwei Wochen komplett zuckerfrei. Das bedeutet: Keine verarbeiteten Lebensmittel (Joghurt, Käse, Wurst, Junk food), kein Brot oder andere Getreidedinge, kein Obst. Ja, wirklich: nur Gemüse in fester oder flüssiger Form, oder wer mal zwischendurch etwas anderes sehen will vielleicht mal Rohnudeln. Das klingt hart, aber Krebs ist härter.

- Schlaft genug. Es muß Euch nicht peinlich sein, während einer Bestrahlung dauermüde herumzuschlurfen. Ihr müßt nicht nach außen hin produktiv sein. Euer Körper ist so produktiv wie selten in seinem Leben damit beschäftigt, radioaktive Verbrennungen zu heilen und gesunde von kranken Zellen zu unterscheiden.

- Sprecht darüber, wie es Euch geht und was Ihr gerade braucht. Niemand kann sowas hellsehen. Ich konnte an vielen Tagen Auto fahren, an manchen aber eben nicht. Ich konnte viele Chorproben durchziehen, manche aber eben nicht. Und dann muß man sagen können, daß heute ein Tag ist, an dem man es nur bis zur Pause schafft, denn woher sollen die Kollegen / die Familie das sonst wissen?

- Betrachtet Euch nicht als vom Leben verflucht. Energie folgt Aufmerksamkeit, also richtet Eure Energie auf das, was Euch und Eurem Körper gut tut, und macht das mit Freude, statt permanent zu denken "ich bin krank, ich werde sterben". Sicher, wir alle möchten ein langes Leben - aber vor allem möchten wir doch ein schönes Leben, egal, wie lange es letztlich dauert, und das können wir uns nur selbst erschaffen durch unseren Blick auf die Dinge.
Die Realität jedes Menschen spielt sich ausschließlich in seinem Kopf ab.

- Beobachtet, was sich durch diese Herausforderung in Eurem Leben ändert. Habt Ihr andere Prioritäten? Wollt Ihr (in 100 Jahren, versteht sich) auf dem Grabstein zu stehen haben "Hier ruht XY, ihre Fenster waren immer sauber" oder "RIP XY, der sein Leben lang gespart hat und reich gestorben ist"? Was erscheint Euch wichtig, was wollt Ihr jeden Tag Eures weiteren Lebens fühlen?

- Sucht die Nähe von pragmatischen Menschen. Leute, die Euer inneres Drama noch zusätzlich hochspielen, sind Gift für Euch. Ihr braucht Menschen, die Euch erden und ruhig bleiben, wenn Ihr selbst es nicht könnt.

- Meditiert. Das bedeutet nicht, täglich 30 Minuten zwanghaft stillzusitzen, sondern es bedeutet, bei jeglicher Aktivität bewußt zu atmen. Ja, das reicht schon. Es fokussiert Euch auf die Dinge, die Ihr jetzt, in diesem Moment, tut, und verankert Euch gegen die manchmal vor Angst rasenden Gedanken. Wenn Ihr es schafft, findet bei diversen alltäglichen Aktivitäten und Begebenheiten heraus, was für Euch das Schönste daran ist. Ich zum Beispiel finde das tollste an meinem Frühstücksmandeljoghurt manchmal die Banane, die ich hineintue, manchmal auch, daß es überhaupt Mandeljoghurt gibt, und manchmal, daß mein Freund mir extra Himbeeren gekauft hat zum Drüberstreuen. Zack, schon folgt meine Energie meiner glücklichen und dankbaren Aufmerksamkeit.

Last but not least: Ich fand den Spruch "Lebe jeden Tag, als wäre er der letzte" schon immer ganz furchtbar. Wenn ich wüßte, daß heute der letzte Tag meines Lebens wäre, wäre ich absolut nicht fähig, irgendwas zu genießen. Ich wäre traurig, weil ich ich Abschied nehmen müßte. Ich wäre verzweifelt, weil ich Dinge nicht gesagt oder getan habe, die ich hätte sagen oder tun sollen, und an einem Tag unmöglich nachholen kann. Ich finde den Gedanken total frustrierend.

Ich will mein Leben leben, als wäre jeder Tag der erste meines Lebens. Ich will neugierig sein, hungrig auf das Leben und vor allem unvoreingenommen. Ich möchte jeden Tag alten Bekannten neu begegnen. Ich möchte eine Situation, egal wie alltäglich sie ist, nicht vorwegdenken, sondern sie erstmal erleben, jedes Mal neu. Ich will Dinge ausprobieren und ich will, daß mir für den Rest meines Lebens egal ist, wo genau die Essigessenz steht und wo der Besen, wie die Socken sortiert sind und ob es zu heiß für Kerzen ist. Ich möchte haarende Hunde glücklich machen und oft und viel Besuch bekommen, der überall im Haus herumrennen darf, weil mir total wurscht ist, wer in meiner Küche Flecken macht, Hauptsache, ich mag ihn gern. So will ich leben.

Mein weltbester Freund sagt im April beim Gassigehen zu mir, indem er den Arm um mich legte: "Weißt Du, Anke, vielleicht hat sich das irgendwer für uns ausgedacht, um zu testen, ob wir auch in schlechten Zeiten funktionieren."
Im Juli sagte er: "Willst Du mich heiraten?"
Und ich kann nur sagen: Welche schlechten Zeiten? Ich kann kaum glauben, wie gut es mir emotional immer noch ging, trotz allem, trotz der Angst und dieser Trauer wegen der Kinderlosigkeit, trotz des Schocks und der Erschöpfung - wie glücklich ich trotz allem sein konnte, weil ich hier sein darf und er mich so enorm aufgefangen hat.
Jetzt haben wir August und er sagt "Laß uns diesen Hund adoptieren".

Ah, dieser Mann.



Dienstag, 22. Mai 2018

Raus damit


Die regelmäßigen Leser meines Blogs unter Euch kennen das ja schon von mir: wenn ich wenig blogge, dann weil es zu viel zu sagen gibt. Auch jetzt ist das so - es gibt ein großes Thema, um das ich gern weiträumig herumnavigieren würde beim Schreiben über andere Themen, und da mir das nicht gelang, habe ich eben gar nicht geschrieben. Aber nicht schreiben ist ja auch keine Lösung. Also heraus damit.

Ich habe Brustkrebs.

Nein, ich hatte Brustkrebs. Jetzt habe ich seit Ostern eine Narbe und sechs Wochen Bestrahlung liegen vor mir, mit der die letzten eventuell vorhandenen Tumorzellen vernichtet werden sollen. Wenn das vorbei ist, kann ich mich entscheiden, auf welche Art ich meinen Kinderwunsch begrabe: durch Tabletten und Spritzen für immer oder durch Tabletten und eine Operation sofort.

Ich hadere damit. Ich habe geweint, ich war wütend, ich war apathisch, ich habe wieder geweint und ich weiß, daß ich eines Tages damit im Reinen sein werde. Irgendwann. Jetzt noch nicht, aber irgendwann. Bis dahin ist es in Ordnung, zu weinen, und bis dahin hilft der beste Mann der Welt an meiner Seite, der pragmatisch und mitfühlend zugleich sein kann und großartige Dinge sagt wie "ich weiß, Du kannst das bewältigen; ich wünschte nur, das Leben würde Dir nicht dauernd etwas zum bewältigen vorsetzen" oder "vielleicht hat sich irgendwer da oben überlegt, er testet mal, ob wir beide auch in schlechten Zeiten so gut funktionieren". Wow.

Zunächst, frisch operiert, habe ich alles wegzuignorieren versucht. Ich bin auf ein Probenwochenende gefahren, ich habe geprobt und unterrichtet, ich war auf einer wunderschönen Konzertreise, auf der ich die "Schöpfung" dirigieren durfte. Ich kam nach Hause, völlig erschöpft, und merkte, daß meine Kraft jetzt engere Grenzen hat. Und dann kam die eine Chorprobe, in der ich zu weinen anfing und nicht mehr aufhören konnte. Es weinte aus mir heraus und ich konnte einfach nicht aufhören. Ich bin früher aus der Probe gegangen, zum ersten Mal in meinem Leben. Jetzt war es klar: bis ich das Gröbste hinter mir habe, muß ich beruflich zurückstecken, denn auch wenn im Chor mal eine Runde Heulen okay wäre - im Konzert passiert mir das sicher nicht.

Ich habe alle Konzerte bis inklusive Juli abgesagt. Ich habe alle Leute, mit denen ich arbeite, vorgewarnt, daß ich in den nächsten Wochen möglicherweise kurzfristig ausfallen kann. Ich habe etwas Druck aus meinem Terminkalender genommen.

Ich habe begonnen, dem Rat des Radiologen und der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr zu folgen und mache nun mehrmals pro Woche leichten Sport. Das soll insbesondere bei BRustkrebs die Heilungschancen stärker verbessern als eine Chemotherapie und es macht ganz sicher mehr Spaß. (Nebenbei: ich brauche laut Labor keine Chemo und hätte sie ohnehin abgelehnt. Ich brauche allerdings auch keinen Grund, Golf zu spielen, jetzt, wo ich endlich die Platzreife habe. 😉 )

Ich stopfe mich mit gesunden Vitalstoffen voll und versuche, möglichst basisch zu essen. Ich mache mir positive Gedanken, meditiere vor dem Einschlafen und führe mir täglich vor Augen, wie wunderschön ich es gerade im Leben habe. Ich benutze meinen Instagram-Account als Dokumentation all dieser schönen Momente in meinem Leben.

Ich rede mehr und anders mit meiner Familie, die mich mit guten Gedanken überspiült. Ich habe Freunde und Bekannte, die von sich aus angeboten haben, bei Bedarf zu Hause zu helfen, die Hunde zu hüten, das Bestrahlungstaxi zu sein, mir Reiki zu geben oder mal den Wocheneinkauf zu machen. Ich glaube nicht, daß ich das alles in Anspruch nehmen muß, aber es ist ein unaussprechlich gutes Gefühl, ein Auffangnetz um mich herum zu haben.

Da ich überdies großes Glück bei der Diagnose hatte - sehr früh erkannt, sehr gut operiert, klar benennbare Ursache - bin ich wirklich stark und optimistisch auf meinem Weg nach vorne, obwohl mir dessen nächster Abschnitt nicht gefällt.

Und da ich es hasse, Elend im Kopf lange hin und her zu wälzen und mit dieser Krankheit auch zeitnah abschließen möchte, habe ich für die erste Augustwoche ein wunderschönes musikalisches Projekt zugesagt. Bis dahin will ich wieder fit sein, zumindest körperlich. Ich glaube, nach der Bestrahlung mit einem Arschtritt ins Klimakterium befördert zu werden, wird mir nicht gefallen, aber hey - ich lebe noch, ich lebe weiter. Ich spiele einen Brahms-Abend am Klavier. Ich fliege im September auf Konzertreise nach Irland.Ich spiele Golf. Ich werde geliebt. Das Leben ist schön.

Foto: Udo Möbus

Dienstag, 13. März 2018

Angekommen / Interessiert Euch das?

Wir sind umgezogen. Wir nennen jetzt ein Häuschen mit Garten sowie zwei alte Hunde unser Eigen, von denen einer immer gut gelaunt ist, aber schlecht riecht, während der andere olfaktorisch neutral, aber fremdenfeindlich ist.

Es ist perfekt.


Hätte ich mir an irgendeinem Punkt in meinem Leben das perfekte Arbeitszimmer erträumt, sähe es so aus, wie mein Arbeitszimmer jetzt aussieht (okay, es fehlt noch ein Stutzflügel...), und auch die Hunde sind absolut einverstanden, vor allem an einem grauen Tag wie heute:




In die leeren Fächer des Regals kommen noch meine Noten, die derzeit noch woanders in der Stadt sind, und an die Rückseite des Schreibtischs wird mein Stage Piano gestellt, dann kann ich wieder richtig zu Hause arbeiten. An den Vormittagen, an denen der Freund von der Nachtschicht ausschläft, kann ich einfach mit einer Tasse Kaffee bewaffnet Arrangements schreiben, während Stinki und Knurri auf dem Teppich schlafen. Heute getestet und für wundervoll befunden - zu Hause arbeiten ist großartig.

Das führt mich zu folgenden zwei Fragen:

1.) Ich würde gerne mal das Format Vlog für mich ausprobieren, also Video-Bloggen. Ich möchte über chorrelevante Themen sprechen (Amateurchöre, versteht sich) und Dinge, die man als Leiter von Amateurchören vielleicht ausprobieren könnte, um musikalisch voranzukommen. Was haltet Ihr von der Idee? Gibt es etwas, das Ihr da unbedingt besprochen haben wollen würdet?

2.) Ich schreibe häufig Chorsätze, gelegentlich auch eigene Kompositionen, für diverse Chöre, von sehr einfach (Papas Kirchenchor) über solide Qualität (Cantus Vitalis) bis YEEEEHAAAAAA (hat bisher noch keiner gesungen). Besteht da von Eurer Seite her Interesse an einer Auflistung der bereits vorhandenen Sätze oder eventuell sogar an einem Downloadbereich auf meiner Homepage (falls ich das technisch hinkriege)?

Freitag, 26. Januar 2018

Umwege

Ich fahre durch Brandenburg. Mein Ziel ist die Musikakademie in Schloss Rheinsberg, wo ich ein Probenwochenende mitmachen darf.
Ich bin extra schon in Wollin von der A2 abgefahren, um brandenburgische Alleen genießen zu können. Das kostet mich eine Dreiviertelstunde, schenkt mir aber ein zufriedenes, leicht nostalgisch-heimwehiges Lächeln. Beim Durchfahren der Stadt Brandenburg überkommt mich kurz wieder jenes Lebensgefühl, das ich die letzten Jahre ganz selbstverständlich hatte, der Ossi-Frust: Strampeln, ohne jemals irgendwo anzukommen, kämpfen ohne Aussicht auf Erfolg, vertrauen und enttäuscht werden, das alles empfinde ich beim Anblick der Graffitti und der zerschlagenen Fenster.

Doch dann kommen die kleinen Dörfer mit ihren Auen, in deren Mitte winzige Kirchen stehen. Die Örtchen mit nur einer Straße, neben der es auf jeder Seite erstmal fünf Meter Grünstreifen gibt, dann den Bürgersteig und dann die Häuser, teilweise mit Bänken davor. Es kommt der Wald. Den Wald von Brandenburg vermisse ich oft. Er ist märchenhaft - moosiger Boden unter wilden Sträuchern; wo die Forstwirtschaft noch viel tut, sind Stangenwälder, Kiefer an Kiefer an Kiefer. Wo er wild sein darf, sind Birken und Buchen zwischen den Kiefern. Als Kind kannte ich nur vielleicht ein Viertel meines Heimatdorfes, aber viele Quadratkilometer des umgebenden Waldes.

Ich fahre hinter Neuruppin an den alten Bunkern vorbei. Daneben steht jetzt ein Firmenschild: „Pipi-Meyer“. Ich überhole uralte, winzige Frauen mit Kopftüchern und Koboldgesichtern, die mitten auf den Dorfstraßen spazieren gehen. Ihre Augen und Lippen sind so schmal und es sind so viele Falten  in den kleinen, breiten Gesichtern, als hätte eine Lebensspanne voll Gravitation sie langsam, doch unaufhaltsam zusammengepresst, als sei der stählerne Widerstand des Rollators alles, was sie dem endgültigen Hinlegen entgegenzusetzen hätten.

Kurz hinter Neuruppin kommt Nebel auf, aber nur auf den Feldern links der Straße; rechts bleibt es klar. Mir kommt vor, jemand wollte das Land sanft tröstend zudecken. Als hätte es sich das Knie aufgeschlagen. Wir, denke ich misanthropisch. Wir haben dem Land das Knie aufgeschlagen.

Dann komme ich an mein Ziel. An diesem Wochenende assistiere ich der Leiterin meines ehemaligen Chores an ihrem ersten Probenwochenende mit ebendiesem Chor.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Lieder über Krieg und Frieden

Der Chor der TU Braunschweig, den ich leite, singt ja keine Weihnachtskonzerte, da das Semester erst Ende Januar endet. Ich finde zwar Weihnachtskonzerte wunderbar, halte das aber dennoch für eine tolle Sache, denn es entspannt meinen Dezember und ich muß nicht mit allen Chören die Hälfte jeden Jahres inhaltlich dasselbe machen.

Nun ist es soweit: Die Konzerte des TU-Chores stehen an. Morgen geht es für uns ins Probenwochenende, nächste Woche sind wir dann schon in St Andreas in Braunschweig und am Dienstag danach in der TU-Aula.

Es wird ein schönes, abwechslungsreiches Programm geben: Brahms, Schütz, Lukowsky, Weelkes, Nysted und anderes.