Samstag, 11. Juni 2022

erster Zwischenstopp

 #ZitatDerWoche: "Du bist ja so groß! Ich hab dich mir viel kleiner vorgestellt!" (Jemand aus der queergrünen LAG, der mich das erste Mal in echt gesehen hat)

Wie ist es jetzt so, nach 2,5 Monaten Braunschweig?

--> Nächste Woche Donnerstag wird endlich meine Küche eingebaut! Schluß mit dem Leben aus Kisten.

--> Die Chöre proben live, sogar Probenwochenenden gehen wieder, und der Unichor plant auch Konzerte. 

Ich habe bisher immer eine Maske zwischen mir und den Singenden gehabt; entweder hat der Chor Masken getragen oder ich (bei mir hat das den Nachteil, daß man mich dann noch schlechter versteht - die Stimme ist ja immer noch nicht sehr laut). Etliche Singenden sehen das inzwischen unglaublich entspannt, aber ich bin noch überwiegend vorsichtig: Wenn ich nur korrepetiere, trage ich immer eine Maske. Wenn ich selbst probe, entscheide ich nach der Maskendisziplin der Singenden.

Und Zeus hat seinen inneren Wolf entdeckt!



--> Ich habe jetzt sowas wie ein beginnendes Sozialleben. Das fühlt sich gut an. An einem Ort zu leben, wo man nicht arbeitet, und gleichzeitig noch depressiv und introvertiert zu sein, hat nicht geholfen, und jetzt, wo sich zumindest zwei dieser Punkte geändert haben, lerne ich ganz neue Dinge genießen. Menschen sogar. 

Manchmal gehen Leute mit mir gassi, Karfreitag war ich mit jemandem im Dom, die Matthäuspassion hören (Elke Lindemann hat als Einspringerin dirigiert und das war unglaublich gut!), ich bin bei den Queer Teachers Braunschweig, habe Anschluss an eine Arbeitsgruppe der Braunschweiger Grünen gefunden, die ziemlich super ist, und letztes Wochenende war ich mit der weltbesten Tina auf dem CSD in Hannover und habe dort nach 2 Jahren zum ersten Mal einige Mitglieder der LAG Queergrün in echt getroffen. 

Das. War. So. Toll!





--> Mit dem Erkunden von Braunschweig mußte ich in den letzten Wochen etwas pausieren, weil der Hund humpelt. Ich weiß noch nicht, warum, die Röntgenbilder sehen gut aus, aber wir sind derzeit zu kurzen Runden verpflichtet. Aber auch direkt um meinen Wohnblock herum gibt es Schönes zu sehen:





--> Der Hund und ich haben passende Fliegen geschenkt bekommen, die eine sehr liebe Chorsängerin spontan für uns genäht hat. Mit regenbogenfarbenem Hundetatzenmuster. Jetzt bekommt der Hund noch mehr Komplimente von Fremden als vorher schon.


Er ist aber auch schön.

--> Ich habe eine Linedance-Gruppe gefunden. Ihr wißt ja vielleicht noch, daß ich vor meinem Umzug irre viel Spaß in einer wirklich sehr lustigen Linedance-Gruppe in Alfeld sowie in einer Modern Dance Gruppe in Hildesheim  hatte; ich wollte also wieder tanzen und habe so lange gegooglet, bis ich in Braunschweig etwas gefunden hatte, das zu meinen abendlichen Arbeitsterminen passt, kein widerlicher Zumba ist, als Einzelperson machbar und menschlich nett, und ich glaube, ich bin fündig geworden. 

--> Völlig fremde Leute sind sehr nett. Radfahrende bedanken sich (!), wenn ich den frei laufenden Hund aus dem Weg nehme. Donnerstag Abend bin ich um 23 Uhr mit Zeusi von der Arbeit gekommen und die letzten 700 Meter im Dunklen zu Fuß gegangen, da kamen zwei vielleicht Anfang 20-Jährige auf E-Rollern vorbei und grüßten höflich! Sie grüßten höflich! Ich habe das noch nicht vollständig verarbeitet.

Es ist nicht alles schlagartig schön und einfach - wann ist es das schon? -, weil zum Beispiel die ganze Arbeit, die ich jetzt mache, erst im Herbst bezahlt wird, oder weil es bisweilen etwas überwältigend ist, für alles immer allein verantwortlich zu sein und kein Backup mehr zu haben, aber dennoch kann ich insgesamt nur feststellen, es war die beste Entscheidung, herzuziehen. 





Mittwoch, 6. April 2022

Ich packe meinen Koffer und ich nehme mit:

Kennt ihr das, wenn es so viel zu sagen gibt, dass man gar nichts mehr sagen kann?

Es gibt so. unglaublich. viel. zu sagen. 

Corona, Impfen, Masken... Krieg in der Ukraine, Afghanistan, Moria... immer perfidere und schlimmere anti-LGBTQ-Gesetze in den USA... das Ende meiner Beziehung.

Und ich bin so müde von all dem, ich mag einfach gerade nicht darüber reden, schreiben oder manchmal auch nur nachdenken. Ich kann gerade nur einen Fuß vor den anderen setzen, einen vorsichtigen Schritt nach dem anderen gehen und mich von Dingen fernhalten, an denen ich nichts ändern kann. Gleichzeitig mag ich ungern Belanglosigkeiten bloggen angesichts all der Schwere in der Welt, darum die lange Blogpause. 

Aber auch wenn ich nichts schreibe, wird die Welt davon ja nicht gesünder (ich bin ja kein BILD-Redakteur, auf die das eventuell zuträfe), also schreibe ich wieder.

Der Hund und ich sind letztes Wochenende nach Braunschweig gezogen. Wir haben eine schöne, geräumige Zweiraumwohnung gefunden, die zwar nicht im Grünen liegt, wie ich es mir für ihn erhofft hatte, aber dafür nah an der Uni, so dass ich schnell wieder bei ihm sein kann. Und schöne Gassistrecken haben wir auch hier in der Stadt gefunden, darum beschwert er sich derzeit höchstens, wenn wir zu lange laufen, weil Herrchen wieder neugierig ist, wo denn diese Seitenstraße noch hinführt...

Unser erster richtiger Tag in Braunschweig war Sonntag, und wir wurden ohne Stadtlärm und mit Vogelzwitschern geweckt. Dann ging ich mit Zeusi zum Auto, um mit ihm nach Riddagshausen zu fahren, und kaum waren wir aus dem Haus, radelte ein Mann an uns vorbei und machte laut Einsingübungen auf dem Rad. Geht es noch besser?

Ja.

Wir fanden Riddagshausen toll. Es gibt Enten! (Und Gänse, wütende brütende Schwäne, Blesshühner, die wie Kinderfahrradhupen klingen und, und und!)


(Das Wasser war gefroren.)


Und Spechte.


Und überhaupt war es toll. Auch den Prinzenpark haben wir schon erkundet:


Und die nähere bis mittlere Umgebung, in der man Wert auf Genauigkeit legt (nicht, daß noch jemand denkt: Brahms? War das nicht der mit dem Tierleben?):


Wir haben einige sehr nette Nachbarn kennengelernt, die Hündin aus der Nachbarwohnung gehört, Zeusi erkennt jetzt schon unsere Klingel als Klingel und stürmt wieder zur Tür, falls die Post ein Leckerchen dabei hat, und ich habe gelernt, eine Waschmaschine anzuschließen und daß der Edeka um die Ecke ein veganer Traumpalast ist. Bloß gut, daß wir unser Sofa haben, das macht uns alles ganz schön erschöpft.


Und weil wir beide schon echt lange nicht mehr in größeren Städten gelebt haben und wirklich überhaupt gar nicht zu Dramatisierungen neigen, ist das jetzt unser Soundtrack des Monats:


Sonntag, 7. November 2021

#ZitatDerWoche, jede Menge Herbst und Konzerte

Ich glaube, ich möchte eine Kategorie oder einen Hashtag einführen für Dinge, die Menschen zu mir sagen. Ich habe so viel absurd-komisches Zeug gehört, teilweise auch gar nicht komisch, nur absurd, ich muß das einfach teilen. Vielleicht #ZitatDerWoche ? Heute gibt es jedenfalls mehrere Zitate, waren ja auch etliche Wochen seit meinem letzten Blogeintrag.

1. "Vielen Dank, daß Sie so ein freundlicher, unkomplizierter Patient waren."

Es begann im Krankenhaus, in dem ich im August vier Tage war. Es wurde sich unglaublich rührend um mich gekümmert: Ich habe ein Einzelzimmer bekommen, damit weder ich noch ggf. andere Patient*innen sich mit dem Geschlecht der jeweils anderen Person unwohl fühlen würden. 

Meine Gynäkologin hat durchgesetzt, daß mich eine liebe Freundin außerhalb der Besuchszeit aufsuchen durfte, weil "das für den Heilungsprozess des Patienten aus psychologischer Sicht wichtig" war. War es auch, wirklich - zumal Besuche wegen Corona auf 1 Person pro Tag für maximal eine Stunde begrenzt waren. (Und ganz ehrlich, daß sich eine Bürgermeisterkandidatin mitten im Wahlkampf morgens um 7.30 Uhr eine ganze Stunde zu mir ans Krankenhausbett setzt und mir ein Brötchen schmiert, weil ich mit den Armen noch nicht bis zum Tablett reichen kann, hat mich wirklich unglaublich gerührt.)

Es gab veganes Essen! Im selben Krankenhaus, in dem sie mir damals während der Krebsbehandlung als vegane Alternative eine Scheibe Brot mit einem Klecks Marmelade angeboten haben... zu jeder Mahlzeit.

Mir wurden ständig zusätzliche Schmerzmittel angeboten, die ich abgelehnt habe, weil die Euphorie über den nun endlich richtigeren Körper alle Schmerzen erträglich gemacht hat, und ich wurde immer wieder darauf hingewiesen, daß ich jederzeit klingeln dürfe, wenn irgendwas sei, aber es war nie was.

Und als ich entlassen wurde dann obiges Zitat. Da frage ich mich schon, womit die Pflegenden es wohl sonst so zu tun haben.

Jedenfalls: Tataaaaaa!


Es wird wahrscheinlich noch eine Korrektur-OP geben, aber grundsätzlich ist alles erstmal ziemlich super. Ich durfte lange Wochen nichts Anstrengendes tun, aber inzwischen geht beinahe alles wie vorher. Am Wichtigsten natürlich: ich kann dirigieren!

2.:  "Ach, hallo, Herr Lorenzen, Sie habe ich gleich erkannt, Sie strahlen einen immer so freundlich an." 

Die Mitarbeiterin am Empfang der endokrinologischen Praxis, obwohl ich erst das dritte Mal dieses Jahr dort war, und trotz Mütze und Maske auf meinem Kopf. Das ist schon ein verdammt gutes Gedächtnis bei der großen Praxis.

3.: "Haben Sie schon Haarausfall?" - Der Endokrinologe.


Ich meine, halloooo?! Ich habe noch immer (!) keinen Bart, ich bin noch nichtmal durch den Stimmbruch, können wir uns vielleicht darauf einigen, daß ich nicht gleichzeitig jünger und älter sein möchte, wenn es ein Gesamtpaket von Pickeln, Jodeln und Haarausfall bedeutet, danke vielmals?

4. "Sie sind ja ein ausgesprochen gutaussehender junger Mann." und "Also Tenor können Sie auf jeden Fall schon singen." - Ein Mensch mit Ahnung, ganz offensichtlich. ;-)

5. "Hast du jetzt noch Gefühl in den Brustwarzen?" - Ein Mensch mit weniger Ahnung.

6. "Also hättest du während des Workshops nicht diese eine Geschichte erzählt, hätte ich nie gedacht, daß du trans bist." - Ein Mensch, den ich spontan umarmen wollte.


Und sonst so? Der Herbst ist bis jetzt wunderschön, und ich habe meinen großen Bruder zu Besuch gehabt und mit ihm (und vorher und nachher auch ohne ihn) ein bißchen die nähere Umgebung erwandert. 

Magische Nebeltage:



An der Lippoldshöhle:





In den Leinewiesen:


Am Himmelberg:



Am Tafelberg:





Und Konzerte! Es passieren wieder Konzerte!

Nächstes Wochenende darf ich gleich drei Mal die Schütz-Exequien spielen:

  • Freitag, 12. November 19.00 Uhr St. Nicolaikirche Sarstedt
  • Samstag, 13. November 18.00 Uhr St. Mauritiuskirche Heyersum
  • Sonntag, 14. November – Volkstrauertag, 17.00 Uhr St. Pankratiuskirche Bockenem
Am Samstag vor und am Montag nach dem ersten Advent tritt der Ö-Chor Hildesheim wieder auf - mit einem gemischten Nach-Corona-Programm, das zur Hälfte weihnachtlich ist.

Und auch der Unichor in Braunschweig darf wieder proben, unter 2G-Bedingungen, und hat hoffentlich zum Semesterende im Februar dann Konzerte. Wider Erwarten rennen sie uns dort die Bude ein, wir sind schon wieder bei über 90 Singenden. 

Darüberhinaus entsteht gerade ein queerer Chor in Hannover, dessen musikalische Leitung bei mir liegen wird. Yesssss.



Dienstag, 1. Juni 2021

stolz sein

Vor einigen Monaten mußte ich für die Traumatherapie eine Hausaufgabe machen, um die ich ewig gerungen habe. Die Aufgabe war, eine Liste mit den Dingen anzulegen, die ich in meinem Leben erreicht habe. Als meine Traumafrau mir die Aufgabe stellte, habe ich sie erstmal verwirrt angeguckt. Ich hatte ja nichts erreicht. Alles, was ich im Leben geschafft habe, hatte ich ja entweder anderen Leuten zu verdanken oder es war mir ungerechtfertigterweise irgendwie zugefallen - so habe ich es zumindest betrachtet.

Wir haben diskutiert. 

"Sie haben es doch auf ein Spezialgymnasium geschafft", sagte sie.

"Aber ich kann doch nichts dafür, daß ich musikalisch geboren wurde", sagte ich. "Das ist wie groß sein oder rothaarig, das ist mir einfach passiert."

"Aber Sie mußten doch etwas aus Ihrem Talent machen - Sie haben gearbeitet und geübt, um da hinzukommen."

"Aber eigentlich bin ich nur aus der Schule weggelaufen, in der ich gemobbt wurde."

"Sie haben es also geschafft, sich aus einer unangenehmen Situation zu befreien?"

Hmm. Mir etwas Erreichtes selbst anzurechnen war sehr ungewohnt und fiel mir schwer. Und dann passierte ein paar Wochen später etwas: Jemand, der mir nahe steht, war unnötig ausgesprochen unhöflich zu mir. Meine normale Verhaltensweise wäre gewesen, es runterzuschlucken und mir einzureden, ich hätte es nicht besser verdient. Aus Angst, ich würde die Nähe und gute Beziehung zu dieser Person verlieren, wenn ich Grenzen setze. Aber ich lerne, Grenzen zu setzen, und auch darauf bin ich wirklich stolz. Also habe ich ihn damit konfrontiert und erklärt, was ich daran doof fand und ich wie ich es in Zukunft haben möchte - und tatsächlich hat er mich verstanden, sich entschuldigt und das nicht wieder getan.

Ich bin in dieser Situation nicht einmal besonders stolz darauf, die Konfrontation gewagt zu haben, sondern besonders stolz bin ich, daß mir überhaupt klargeworden ist, daß ich einen Mindeststandard im Umgang mit anderen Menschen haben darf und will und den auch einfordern kann.

(Es klingt hier so geschrieben schon recht peinlich, nicht wahr? Normale Leute lernen sowas wahrscheinlich beim Erwachsenwerden und können das dann mit 25 oder so. Aber mein Schiff hatte so viele Lecks, daß ich vor lauter Havarien nie zum eigentlichen Segeln gekommen bin.)

Und dann habe ich etwas Politisches erreicht: Am Rathaus Alfeld wurde zum ersten Mal jemals eine Regenbogenfahne gehisst. 

In meiner Funktion als Sprecher der Grünen meines Ortsverbands, als Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft QueerGrün Niedersachsen und als Gründer (wir sind noch in der Gründungsphase) eines Arbeitskreises Diversity für den Landkreis Hildesheim sowie natürlich in meiner privaten Eigenschaft als trans Person habe ich den Bürgermeister angeschrieben und ihn gebeten, die Flagge an mindestens einem von zwei Terminen zu hissen, nämlich wenn der CSD in Hannover, unserer großen Nachbarstadt, läuft, und am 28. Juni (Stonewall).

Mir fällt auf, daß man in Hannover und vergleichbaren Großstädten alle Möglichkeiten hat, sich als Mitglied der LGBTQ+ Community zu vernetzen, hier im ländlichen Gebiet jedoch so gut wie gar nicht. Ich will das ändern, deshalb auch der Arbeitskreis. Ich will Sichtbarkeit schaffen und damit Normalisierung, und ich will, daß alle - alle! - Bürger*innen jeder noch so kleinen Kommune das Gefühl haben, dort, wo sie wohnen, sie selbst sein zu können. 

Ich wollte diese Flagge sehen, damit die Stadt Alfeld, die mit knapp 19.000 Einwohner*innen die größte meines Ortsverbands ist, deutlich und öffentlich signalisiert, sich ihrer LGBTQ+ Bevölkerung bewusst zu sein und diese in jeder Hinsicht willkommen zu heißen und hinter ihnen, hinter uns, zu stehen. Ich wollte, daß das jede*r sehen kann.

Und bäm.


Das war vor 10 Tagen, als in Hannover der CSD lief. Seht ihr mich winken, da oben im Türmchen neben dem Bürgermeister? :D 


Japp, sehr glücklich. Und stolz.

Der Juni ist pride month, auch wegen Stonewall. Und darüber, also über gay pride im weitesten Sinne, habe ich auch seit letztem Jahr viel nachgedacht. Bin ich stolz darauf, trans zu sein? Nein. Im Gegenteil. Hätte ich das irgendwann in meinem Leben abschalten können, hätte ich es getan. 

Ich glaube, der Punkt ist nicht, stolz darauf zu sein, was wir sind, sondern darauf, was wir mit dem, was wir sind, anfangen. Ich bin stolz, jetzt endlich den Mut gefunden zu haben, authentisch zu sein. Ich bin stolz, meine Zeit und Energie dafür aufzubringen, die Lebensbedingungen von LGBTQ+ Menschen in Deutschland zu verbessern. Das sind Entscheidungen, die ich treffen kann und treffen will auf Grundlage dessen, was ich bin, wofür ich nichts kann.

Worauf seid ihr stolz? Könnt ihr überhaupt stolz auf etwas sein oder habt ihr auch solche Probleme damit wie ich bisher? Falls die Antwort auf die letzte Frage "Ja" ist, wäre ich noch neugierig, ob ihr Frauen oder als Frauen erzogen worden seid, denn ich habe da einen Verdacht...

All the history of wars

I invent in my head



CSD-Saison 2021


Freitag, 2. April 2021

Dritter April

 - ihr wißt, was das heißt? Geeeenau. Es ist Brahms' Todestag.

Außerdem ist Karsamstag und damit ein guter Grund, Musik in den Raum zu stellen. Brahms selbst hat keine Passion komponiert; so sehr er Chormusik liebte und die Möglichkeiten chorsinfonischer Klangentwicklung, hat er doch immer einen Bogen um Opern und Oratorien gemacht - von seinem sehr untypischen Requiem abgesehen.

Aber das Schicksalslied. 

Hach.

Vor zweieinhalb Jahren hatte ich die unglaubliche Ehre, das mit dem Kammerchor TASK aufnehmen zu dürfen - eine Transkription des Orchesters für vierhändig Klavier. Ich kann immer noch nicht ganz glauben, daß Nicolas Bajorat mir damals zugetraut hat, daß ich das mit ihm spielen kann, und daß ich es auch irgendwie geschafft habe. Der Chor ist fantastisch, falls ihr den je hören könnt, tut es! Sie treten deutschlandweit auf. Ihre - unsere - Aufnahme ist nicht auf YouTube, aber hier ist eine mit dem originalen Orchester und dem tollen Philipp Herreweghe:


Ihr wandelt droben im Licht,

Auf weichem Boden, selige Genien!

Glänzende Götterlüfte

Rühren euch leicht,

Wie die Finger der Künstlerin

Heilige Saiten.


Schicksallos, wie der schlafende

Säugling, atmen die Himmlischen;

Keusch bewahrt

In bescheidener Knospe

Blühet ewig

Ihnen der Geist,

Und die seligen Augen

Blicken in stiller,

Ewiger Klarheit.


Doch uns ist gegeben

Auf keiner Stätte zu ruhn;

Es schwinden, es fallen

Die leidenden Menschen

Blindlings von einer

Stunde zur andern,

Wie Wasser von Klippe

zu Klippe geworfen,

Jahrlang ins Ungewisse hinab.


Und wie Brahms genau wie im Requiem den Bogen zurück schlägt, zurück zu der Hoffnung, mit der das Stück begonnen hat, zurück in die Sanftheit einer Gewissheit, daß es Trost geben wird.

Gott, was wünsche ich mir ein Orchester und seine Möglichkeiten.

Eigentlich hätte ich heute zweimal die musikalischen Exequien von Schütz gespielt. Und gestern. Diese Veranstaltungen wurden abgesagt, unter anderem auf mein eigenes Drängen hin. Im Moment sollten wir, selbst wenn wir singen dürfen, es einfach nicht tun. Ich möchte niemanden mit der Seuche anstecken, von der ich nicht weiß, ob mein Mann sie nicht doch aus der Firma mitbringt, in der in den letzten 2 Wochen immer mehr Mitarbeiter erkrankt sind. Ich möchte auch selbst kein Long-Covid, es lebt sich wirklich besser ohne dementielle Erscheinungen und mit voller Lungenkapazität. Und ich möchte das alles mehr, als ich gerade ein Konzert möchte, und das will wirklich etwas heißen.

Wir dörren langsam aus, wir Musiker:innen.

Onlineproben sind besser als nichts, aber nicht viel besser, wenn ihr versteht, was ich meine. Wir sehen uns, und zumindest im Ö-Chor ist in jeder Probe jetzt auch eine designierte Quatschzeit angesetzt, seit wir gemerkt haben, wie sehr uns der soziale Aspekt fehlt. Wie ich das mit dem Unichor löse, weiß ich noch nicht. 

Eine Sängerin aus Hildesheim sagte mir letzte Woche am Telefon, sie würde weiter unterrichten und hielte die Maßnahmen für übertrieben - "Kennst du wirklich jemanden, der Corona hatte? Ich kenne niemanden." 

Nun, zum Einen: Ja, ich kenne jemanden. Meine Oma ist an oder mit Corona gestorben. Freunde von uns hatten es. Ein Mitarbeiter meines Mannes, in den Vierzigern, sportlich, Nichtraucher, hat letzte Woche um jeden Atemzug gerungen.

Zum Anderen: Ich kenne auch niemanden aus Paris und bin mir trotzdem ganz sicher, daß diese Stadt, von der so viele Leute erzählen, kein Mythos ist. Ich demonstriere nicht gegen Paris. Das wäre Paris auch egal. 

Und zum Dritten beobachte ich mit Entsetzen, wie wir wieder eine Bequemlichkeit in der Unbequemlichkeit entwickeln, eine Normalität im Abnormalen. Jetzt hatten wir über ein Jahr Pandemie und haben uns daran gewöhnt. Wir sind noch nicht gestorben, also wollen wir wieder alles so machen, wie wir es gewohnt waren. Wir wollen die Kinder in die Schulen schicken und endlich unsere Ruhe. Wir wollen in Kneipen, wir wollen Konzerte, wir wollen in den Urlaub fliegen. Wir wollen einen komplikationslosen Alltag, von dem wir meinen, er stünde uns zu. 

Aber auch das ist Paris - äh, dem Virus egal. Das Virus mutiert fröhlich vor sich hin und statt einfach mal wirklich konsequent die Arschbacken zusammenzukneifen, empfehlen wir Abstände, empfehlen wir Home Office, eiern wir herum. 

Normalität steht uns nicht zu. Normal ist das, was passiert, was immer es ist. Wie wir damit umgehen, als Einzelne und als Gesellschaft, erschafft unsere Normalität von morgen.

Mittwoch, 31. März 2021

Seziert

Heute ist international Trans Visibility Day - internationaler Tag der Sichtbarkeit von trans Personen.

Heute ist auch der Tag, an dem die beiden psychiatrischen Gutachten, die ich erbringen mußte, in meinem Briefkasten lagen. Sie sind Teil des langen bürokratischen Prozesses, der hoffentlich dazu führen wird, daß irgendwann "Johannes Lorenzen, Künstlername Johannes Höing" in meinem Perso steht. Das Amtsgericht hat mir Kopien beider Gutachten zugeschickt, damit ich dazu Stellung nehmen kann.

Also habe ich sie durchgelesen. Und boy, ist das ein komisches Gefühl.

Da stehe ich, ja, aber ich stehe da nicht als Mensch, sondern als Dingsda unter einem Mikroskop. Ich werde seziert. Alles wurde in den 90 Minuten beim ersten Gutachter und in den gut 2 Stunden bei der zweiten Gutachterin auseinandergenommen und steht da jetzt schwarz auf weiß - von der Rolle, die Musik in meinem Leben und beim am-Leben-bleiben spielte, über meine Familie, meine Beziehungen, meine Freundschaften, Kinderspiele, welche Kleidung ich trage, daß die Brüste trotz Binder erkennbar seien, ob ich regelmäßig aufs Klo gehe (ich meine ERNSTHAFT?!), daß ich jünger aussehe als ich bin, daß meine Gestik und Mimik männlich seien (öhm?) und letztlich dann, daß ich wirklich trans bin und nicht einfach bekloppt.

Es ist, als würde mir alles entrissen. Keine private Information ist mehr privat. Alles steht jetzt in diesen Gutachten, die einem Gericht vorliegen, und irgendwelche Sachbearbeiter:innen können das einsehen. Ich gehöre nicht mehr mir selbst. Ich fühle mich unglaublich verletzlich und das gefällt mir nicht.

Und das alles für einen anderen Vornamen und Geschlechtseintrag. Warum muß das Geschlecht überhaupt in einem Ausweisdokument angeführt sein? Warum ist die Hürde für ein einfaches Wort in einem Ausweis so unendlich viel höher als die Hürde für eine Hormontherapie, die viel mehr Veränderung im Körper und Leben einer Person bewirkt?

Apropros: Heute vor einer Woche war auch das Rezept für mein Testosteron im Briefkasten. Mann, war das eine Odyssee! Der nette Endokrinologe wollte mich ja nicht beginnen lassen, bevor nicht alle Zweifel ausgeräumt sind, daß ich dadurch kein höheres Rückfallrisiko habe bezüglich Krebs vor drei Jahren. Meine Gynäkologin wollte ihm das aber nicht schriftlich geben, weil sie sich onkologisch nicht hinreichend auskennt. Ich bin also von Pontius zu Pilatus, nun, nicht gelaufen, sondern habe telefoniert und ge-emailt, und habe einen Termin bei einem Spezialisten bekommen, der mir grünes Licht gegeben hat.

Nach einer Woche auf Testo kann ich sagen: Hab immer noch keinen Bart, bin immer noch kein Bass. Bis auf ein leichtes Kratzen im Hals hat sich nichts getan. Ich bin ja nicht ungeduldig, ABER.

Mittwoch, 13. Januar 2021

Erwünschte Nebenwirkungen

"Werde ich Stimmungsschwankungen haben?", frage ich den unglaublich warmherzigen Mann nach 50 Minuten intensiver medizinischer Beratung. Es ist meine letzte Frage an ihn. "Es ist nur... ich arbeite mit so vielen Menschen, und ich hasse es, vor Leuten zu weinen..."

Wir haben schon über Krebs, Chromosomen, Hunde, Eierstöcke, intramuskuläre 3-Monats-Spritzen (ich habe sie "Po-Depot" genannt, weil sie in den Hintern kommen, er hat gelacht) versus tägliches Gel sowie die Nebenwirkungen von Testosteron gesprochen. 

Er hat mir einen Gel-Spender vorgeführt, nachdem ich mich entschieden habe, die Behandlung lieber so als mit einem Po-Depot zu beginnen, und als er das klare Gel in seinen Händen verrieben hat, dachte ich entsetzt: "Alter, das ist mal Hingabe an den Beruf", aber dann habe ich gesehen, daß PLACEBO auf der Pumpflasche steht. 

Ich mußte einen Zettel unterschreiben - nein, ich mußte viele Zettel unterschreiben, aber speziell einen, auf dem ich bestätige, über die Nebenwirkungen informiert und mit ihnen im Reinen zu sein. 

"Ich weiß", sagt sein Mund-Nasen-Schutz unter den freundlichen Augen und dem dünnen, grauen Haar, "Sie sehnen die Nebenwirkungen wahrscheinlich sogar herbei, von der Akne mal abgesehen. Aber ich muß Ihnen leider sagen: die Mehrbehaarung am Körper beginnt nicht im Gesicht..."

Ich neige fragend den Kopf zur Seite.

"...sondern am anderen Ende des Körpers..."

Besorgt wribble ich auf dem Stuhl hin und her. Ist das seine diplomatische Art, mich auf Arschhaare vorzubereiten? 

"...an den Beinen." 

Aaah, gut. Gut. Natürlich. Beine. Puh.

"Ja", beantwortet er meine letzte Frage ehrlich. "Es wird wirklich eine zweite Pubertät. Sie werden Pickel und Stimmungsschwankungen haben. Genau wie damals wird das vorübergehen. In einem halben Jahr sind sie auf dem Hormonlevel, auf das Sie gehören. Wir wenden jetzt diesen riesigen Ozeandampfer, der all die Jahre in die falsche Richtung gefahren ist."

Und ich fühle mich einfach akzeptiert und ein bißchen beschützt. Mein tägliches Drama ist sein tägliches Brot; er weiß, was los ist, was sein könnte, was ich womöglich brauchen werde, und allein, mich einfach nicht erklären oder rechtfertigen zu müssen, weil schon die Arzthelferin mich beim Reinkommen mit "Herr Lorenzen" angesprochen hat, ist so eine unglaubliche Erleichterung.

Es ist noch Papierkram zu tun, bis ich wirklich das Rezept bekomme, aber das geschieht jetzt. Es geschieht jetzt wirklich. Die letzten Wochen bin ich immer nervöser geworden, je näher dieser Termin heute rückte, weil es so unfassbar war, daß es jetzt einfach real wird. Aber heute früh bin ich aufgewacht und war ruhig, und alles fühlt sich jetzt richtig an.




"Wenn wir uns das nächste Mal sehen", verabschiedet er mich, "haben Sie schon eine tiefere Stimme." Und er lächelt wieder.

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Bart

Ich habe gestern einen total intensiven Traum gehabt, in dem absolut nichts Spektakuläres passiert ist. 

Aber ich hatte einen Bart. 

Einen Stoppelbart. So 2 mm vielleicht. Im Gesicht. Und ich bin völlig ausgerastet vor Glück und losgerannt und habe allen Leuten in meinem Traum entgegengebrüllt ICH HABE EINEN BART GUCK DA HAARE IM GESICHT SIEHST DU DAS DAS IST MEIN BART IST DAS NICHT TOTAL GEIL MEIN GANZ EIGENER BART DAAAAAAA!

Und auch sonst geht es mir ganz gut. Doch doch.



Samstag, 17. Oktober 2020

highs and lows

 Gaah. Dinge laufen nicht so, wie ich das will. 

Ich mußte ein Konzert absagen, weil meine Sehnenscheiden vehement gestreikt haben. 

Die Blogger-Designs scheinen irgendeinen Bug zu haben, der verhindert, daß Hintergrundbilder angezeigt werden. Ich kann zwar ein Bild wählen oder hochladen, und das gesamte Farbschema passt sich auch dem gewählten Bild an, aber das Bild selbst ist nicht zu sehen. 

Ich kann wohl einen Zettel erstellen, der Pronomen abfragt, aber wenn man mir verbietet, den auszuteilen, weil man "diesen Diskurs in einer fachthematischen Lehrveranstaltung" nicht wünscht, dann ist es auch wurscht, wenn ich sage, daß ich gar keinen Diskurs will, sondern nur den verdammten Zettel. Es bleibt verboten. 

Ich probiere nach wie vor mit Bindern herum und habe nach wie vor nur 2, die passen, was bedeutet, ich renne viel zu oft ohne herum und das ist meh.


Aber es gibt auch tolle Dinge: 

Team Brumm-und-Dröhn (das Feuerwehrkapellchen, das ich 1x im Monat coache) hat 3 neue Mitglieder und eine Rückkehrerin, und speziell jetzt eine Schlagwerkerin zu haben ist einfach großartig!

Der Unichor darf unter recht restriktiven Auflagen aber immerhin wieder live proben. Da das nur einer sehr begrenzten Sänger:innenzahl möglich sein wird, versuchen wir, die Proben für die anderen zu streamen - die Uni stellt mir eine Kamera zur Verfügung. 

Die LAG Queergrün entwickelt sich zu einer Art Tankstelle für mich. 

Mein Mann ist immer noch der Tollste.

Das Amtsgericht hat mir bestätigt, daß mein Antrag auf Vornamensänderung in Bearbeitung ist und die beiden Gutachter:innen sich bei mir melden würden. Was noch nicht passiert ist. 



Ich habe zwar wieder (wenige) schlechte Tage zwischen den guten, aber was heute ein schlechter Tag ist, beginnt immer noch damit, daß ich aufstehen und mir die Zähne putzen kann, ohne daß es mich die gesamte Energie des Tages kostet. Ein schlechter Tag heute ist wie ein guter vor einem halben Jahr. Und ich weiß auch, anders als früher, woher sie kommen: als Kopfmensch denkt man sich wohl selbst um Kopf und Kragen.

Und ich schwelge in Büchern. Ich kann wieder lesen! 

Die Hände werden besser, ich kann wieder kurze Zeiten spielen, nur noch nicht wieder stundenlang. Aber muß ja auch gerade nicht.

Insgesamt: Alles gut.


Freitag, 2. Oktober 2020

Pronomen

"Sag mir noch einmal, wie du heißt", bittet mich die vielleicht Mitte 20-jährige, elfengleiche Schönheit, die ich vor dem Tanzkurs auf dem Klo treffe.

Auf dem Frauenklo.

"Johannes", sage ich freundlich und gehe Hände waschen.

Ich trage meinen Binder, wie jeden Donnerstag, wenn ich bei Ars Saltandi in Hildesheim Modern Dance mache. Alles andere wäre unerträglich, denn dort gibt es eine Spiegelwand. Den Fehler, in der ersten Reihe vor der Spiegelwand zu stehen, habe ich einmal vor einem halben Jahr im Line Dance Kurs gemacht, das passiert mir nicht noch einmal, und schon gar nicht ohne Binder. 

Dennoch täuscht natürlich nichts, schon gar nicht die Stimme, die "Johannes" sagt, über die offensichtliche Diskrepanz zwischen der von mir und der von anderen empfundenen Wahrheit hinweg, und das wird noch einige Zeit so bleiben. Und ich traue mich, Binder hin oder her, noch nicht aufs Männerklo - jedenfalls nicht, solange ich nicht sicher bin, daß ich dort allein wäre.
(Ich bin ja schon stolz, daß ich seit Beginn der Traumatherapie allein mit Männern in einem Raum chorproben kann - Hose runter ist nochmal ein anderes Level von Selbstsicherheit, daran werde ich arbeiten, wenn mir ein Bart wächst.)

Über diese Diskrepanz habe ich in den letzten Wochen und Monaten intensiver nachgedacht, auch wegen meiner Arbeit an der Uni. So wie es mir als Student(in) ging, muß es ja anderen Menschen auch gehen, denke ich. Eine Nachfrage bei der Gleichstellungsbeauftragten der TU ergab: ja, ich war nicht der erste Fall von Transsexualismus in der Uni, es gab da auch schon mal ein oder zwei Studierende - von denen die Gleichstellungsbeauftragte wußte. Ich bin sicher, es sind mehr, die den Mut noch nicht haben, sich dahingehend zu öffnen und zu outen.

Und dann habe ich in meiner LGBTQ+ Internetblase etwas Tolles entdeckt: eine amerikanische Pädagogin hat für ihre neuen Student:innen einen kurzen Fragebogen entworfen, der nichts anderes tut, als Pronomen abzufragen - das jedoch auf eine Art und Weise, die völlig klar macht: ich, deine Lehrkraft, verstehe, was Namen bedeuten. Ich verstehe, daß dein Name und deine Pronomen von dir und niemandem sonst entschieden werden, und ich verstehe, daß du selbst entscheidest, wer deinen Namen kennen darf und wann und wem gegenüber du dich outen möchtest.

Unsere Gleichstellungsbeauftragte hat mir das Ding, nachdem ich es übersetzt und leicht angepasst hatte, förmlich aus der Hand gerissen, so daß ich es jetzt auch der LAG Queer, von der ich ja ein Teil bin, und euch zur Verfügung stellen möchte.


Ich weiß, das wird nicht passieren, aber ehrlich gesagt bin ich der Meinung, dieser Bogen sollte ab der 9. Schulklasse jedes Jahr einmal ausgeteilt werden. Was wahrscheinlich passiert, ist: nichts. Aber die wichtige Botschaft dieses Zettels ist nicht "Ihr, die ihr mit eurer Geschlechtsidentität im Reinen seid, verratet mir eure Namen", sondern: "Ihr, die ihr heimlich alles jeden Tag in Frage stellt, die ihr Angst vor den sozialen Konsequenzen eines Outings habt, ihr sollt wissen, daß es an dieser Schule, in dieser Uni mindestens eine Lehrkraft gibt, die euch sieht, respektiert und einen sicheren Raum zum Reden anbieten wird, wann immer ihr ihn haben möchtet".

Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig das ist. Wie sehr ich das damals gebraucht hätte. Wieviel mir das erspart hätte. 

Also, Pädagog:innen und andere Menschen, die mit Menschen arbeiten in meinem Umfeld: fühlt euch frei, diesen Fragebogen zu benutzen. Ich schicke euch gern das Bild oder die pdf via Email, oder ihr tippt es einfach fix ab, vor allem, wenn ihr eure Schutzbefohlenen nicht siezt, wie ich. 

Darüberhinaus möchte ich auf das reale, valide Vorhandensein nichtbinärer Personen hinweisen. Auf deutsch scheinen Neopronomen eine schwierige Sache zu sein (im Englischen hat man das über they/them gelöst, in Spanisch über él/elle/ella), da hört bitte einfach auf das, was die betroffenen Personen sich für sich selbst wünschen. (Finde ich übrigens eh eine ganz gute Sache, auf das zu hören, was andere Menschen sich für sich wünschen.)

Sooo. Hier werden jetzt einige Umbaumaßnahmen folgen - ich möchte dieses Wochenende an meinem Blog herumbasteln, auch an meiner Homepage, und alles mal ein wenig umbauen.

Oh, und bevor ich es vergesse: Tanzen ist toll. Die Gruppe, in der ich da bin, ist super nett und sympathisch, und meinen Körper auf eine positive Art zu erspüren ist gerade wichtig und ich wollte schon immer tanzen und jetzt kann ich und hach.



Sonntag, 13. September 2020

Und die Gewinnerin iiiiiiist:

 Ich habe bis gestern Abend Namen im Lostopf gesammelt, sie heute auf Papierschnipsel gedruckt und mit Liebe eingerollt.




Und dann eine Gewinnerin gezogen:


Herzlichen Glückwunsch, Franzi! 🥳

Das trifft sich insofern sogar besonders gut, als ich die große Freude habe, in 2 Wochen mit Franziska einen Liederabend gestalten zu dürfen - du bekommst das Buch also persönlich überreicht. 

erster Zwischenstopp

 #ZitatDerWoche: "Du bist ja so groß! Ich hab dich mir viel kleiner vorgestellt!" (Jemand aus der queergrünen LAG, der mich das er...