Dienstag, 14. März 2017

Frühling

Es wird Frühling, unaufhaltsam. Morgens wecken mich begeistert zwitschernde Vögel, immer wieder hört man Kraniche schreien, letzte Woche habe ich eine riesige Gruppe Schwäne, bestimmt 40-50 Stück, in einem Feld sitzen sehen (ob die wohl einfach die Sonne oder die warme Erde unter dem Bürzel genossen haben?) und am Freitag brummte die erste Hummel des Jahres quer an mir vorbei.

Am Samstag habe ich an einre folkloristische Tradition Niedersachsens teilgenommen. Freitag Abend war ein Freund meines Freundes bei uns zu Besuch, ich habe gekocht, wir haben die halbe Nacht gequatscht, und nach dem 2. Glas höherpronzentigen Alkohols sagte er: "Morgen ist Braunkohlwanderung - kommt doch mit!" 

Vor einem Jahr wußte ich noch gar nicht, was eine Braunkohlwanderung ist. Ich habe mir lustige Sachen darunter vorgestellt. Kleine, wandernde Kohlköpfe. Leute, die barfuß durch winterliche Kohlfelder rennen. Menschenmassen mit Picknickkörben. Ich hatte kei ne Ahnung. Braunkohlwanderung bedeutet: Leute treffen sich, Leute wandern, Leute rasten, Leute trinken.

In unserem Fall wurde Punkt 2 - Leute wandern - leider auf das Nötigste reduziert (wir brauchten 3 Stunden für 7, in Worten: sieben Kilometer), aber ein bißchen schöne Landschaft haben wir auch mitgekriegt und Lust auf mehr. Also mehr von Punkt 2.



In dieser Jahreszeit fahre ich immer etwas langsamer Auto, damit ich mehr Zeit habe, die schönen Anblicke aufzusaugen. Ich habe mir eine billige Kamera für in-die-Windschutzscheibe gekauft und werde demnächst mal probieren, wie sich das Leinebergland damit festhalten läßt. Die passende Hintergrundmucke ist schon fertig, dank einer Launchpad-App, die ich gerade für mich entdecke. :D


Vorher jedoch wird Donald, mein knallroter Opel Combo Erdgas, gegen einen etwas kleineren Škoda eingetauscht. Einfach wegen Erdgas. Jedes Mal zum Tanken 30 km hinfahren zu müssen, auf jeder Tour nach Brandenburg 2 Tankstops zu brauchen und nach jedem Tanken schon zu rechnen, wie weit ich damit ungefähr reiche, ist einfach doof.
Morgen wird der Škoda (er heißt übrigens Holgi) auch gleich mit Hundeduft bedacht, ich bin nämlich mittags zum Gassigehen verabredet. :)

Sonntag, 5. März 2017

Polychorigamie

"Was", fragte mich Heidrun neulich erschrocken, "Du hast mehr als einen?!"
"Warum nicht?", erwiderte ich. "Wenn sie sich nicht total ähnlich sind, ist es doch interessant. Man muß halt nur aufpassen, daß sie einander nicht in die Quere kommen."
"Nein, also Ulli und ich hatten immer nur einen". (Ulli ist ihr Mann.) "Das macht man mit voller Hingabe und daneben hat dann nichts mehr Platz. Ich habe Leute nie verstanden, die mehrere hatten."

Heidrun ist Gesangslehrerin und ihr Mann, ein Pfarrer in Rente, hat seit 30 Jahren die Leitung der Singakademie Niedersachsen. Er leitet diesen Chor mit wirklich viel Hingabe und es gibt keinen Chor daneben - wie auch, wenn man Pfarrer ist, das ist ja weiß Gott (haha) zeitaufwendig genug.
Ich dagegen wohne jetzt seit einem guten halben Jahr in Niedersachsen, ohne meinen Eberswalder Chor aufgegeben zu haben, und leite auch hier einen ganz wundervollen neuen Chor. Die Proben überschneiden sich natürlich nicht und bei den Konzertterminen muß ich halt aufpassen.
Darüberhinaus korrepetiere ich in Heidruns eigenem Frauenkammerchor und springe gelegentlich in der Singakademie für Ulli ein. Ich bin polychorigam veranlagt.

Polychorigamie, die: bezeichnet die Duldung von gleichzeitigen chorleiterischen Beziehungen.

Dieses Wochenende hatte ich das große Vergnügen, ganz alleine mit der Singakademie Niedersachsen die Liebesliederwalzer von Brahms studieren zu dürfen, denn Ulli ist Bordseelsorger auf einem Kreuzfahrtschiff auf der anderen Seite der Welt. Hurrah! Brahms!


Und morgen wieder Ö-Chor. Hurrah! Jazz, Rock, Pop!
Und Dienstag Cantus Vitalis. Hurrah! Klassische Chormusik!

Ich stehe zu meiner Veranlagung.



Montag, 27. Februar 2017

Es schaffen - ein Abschied

Vor Kurzem ist die Frau des Pfarrers gestorben, der mich getauft und konfirmiert hat. Meine Eltern erzählten mir das gestern am Telefon. Erst war ich ein bißchen betäubt, dann bekam es Bedeutung für mich.

Diese Frau hatte einen Lebenstraum: Sie wollte Pfarrerin werden. Da sie aber während des Studiums ihren Mann kennenlernte und heiratete, wurde daraus nichts: Entweder konnte sie Pfarrerrin sein oder Pfarrersfrau. Ihr war das vollkommen bewußt, als sie sich für die Ehe entschied, und sie hat nie bereut, ihren Mann geheiratet zu haben, und dennoch hat sie noch mit weit über 70 damit gehadert, daß sie nie werden konnte, wozu sie fähig war, sondern immer in der zweiten Reihe stand. Ihr Mann war ein außerordentlich guter Pfarrer und sie hat ihn, soweit ich das beurteilen kann, hervorragend ergänzt.

Meine erste Begegnung mit ihr war in der Wendezeit. Vorher war ich nie in der Kirche, aus politischen Gründen. Ich war damals 9 oder 10 und eine Freundin nahm mich mit zur Christenlehre, weil ich neugierig war, was es mit diesem Gott wohl auf sich habe. Wir radelten ins Nachbardorf, wo die Kirche war, und trafen dort in einem kleinen Nebengebäude des Pfarrhauses auf ein Grüppchen von 5 oder 6 Kindern und die Pfarrersfrau. Ich weiß nicht mehr, worum es in der Christenlehrestunde ging, aber ich weiß noch wie heute, daß einer der Jungen etwas gelangweilt war und gegen Ende der Stunde eine Spielzeugpistole aus der Tasche holte und damit auf uns zu zielen begann - und wie die Pfarrersfrau reagierte. Wie der Zorn Gottes persönlich donnerte sie los. In diesem Moment war ich einfach nur eingeschüchtert, aber was sie sagte, hat sich eingeprägt, nämlich daß wir hier Christen und damit in einem Raum, in einer Gesellschaft wären, in der es um nichts so sehr geht wie um Frieden und der betreffende Junge solle auf der Stelle die Waffe wegpacken und damit nie wieder auch nur in die Nähe kommen.

Heute, als Erwachsene, die selbst 10 Jahre unterrichtet hat, bin ich beeindruckt von der Unverrückbarkeit ihrer Meinung, ihrer Authentizität und ihrem absoluten Anspruch schon an Kinder, solche Dinge begreifen oder zumindest darüber nachdenken zu müssen.

Diese Frau habe ich ab und an wiedergetroffen, obwohl ich recht bald weggezogen bin, und jedes Mal - wirklich jedes einzelne Mal - nahm sie mich beiseite, griff meine Hände, sah mir fest in die Augen und sagte: "Anke, Sie werden Ihren Weg gehen, davon bin ich überzeugt." Diese Frau hat fester an mich geglaubt, als ich selbst es zuweilen konnte, und weil sie so sehr an mich geglaubt hat, habe ich auch wieder damit angefangen. Ein Teil von mir wollte "es schaffen", was auch immer "es" ist, nur damit sie es sehen und lächeln kann.

Ich bin weit davon entfernt, "es zu schaffen", mein Berufsleben hat sich gelinde ausgedrückt nicht im Ansatz meiner Vorstellung entsprechend entwickelt. Genau wie sie arbeite ich aus Umständen, an denen ich nichts ändern kann, weit unter meinen Fähigkeiten und genau wie sie werde ich vermutlich mein ganzes Leben damit hadern, obwohl ich die Dinge, die ich tue, durchaus gerne tue.

Und nun ist sie tot, gestorben genau an ihrem 80. Geburtstag. Als ich das gestern unter Krokodilstränen meinem Freund erklärte, nahm er mich in den Arm und sagte: "Aber das wichtigste, was Du geschafft hast, hat doch gar nichts mit Musik zu tun. Du hast es geschafft, nach allem, was Du erlebt hast, ein so wunderbarer Mensch zu werden, das ist doch total toll."
Ach ja, dachte ich. Ich bin ja nicht nur Musik. Ich bin ja auch noch ich.


Aus: 101 Gründe, warum ich meinen Freund liebe

Samstag, 4. Februar 2017

Einfach, weil's so schön ist

Keine Zeit, viel zu bloggen im Moment, aber weil ich beim Arbeiten am Rechner gerne mal eine Jamie-Cullum-Playlist laufen lasse, möchte ich Euch gerne an diesem wirklich genialen Jazzpianisten und -Sänger teilhaben lassen:



Ein bißchen mehr davon, wie der Mann ein Klavier bedienen kann, hört man hier:


Ja, ja, die Iren... 💚

Samstag, 7. Januar 2017

Spocht

Sport will ich machen - aber es darf sich nicht wie Sport anfühlen.

Fitnessstudio - zuviel Testosteron.
Joggen - langweilig.
Zumba & Co - ich ertrage diese Musik nicht und wenn es "Tanz" heißt, dann aber militärisches Gestrampel ist... bah.

Überhaupt - mich bewegen und trainieren, nur um mich zu bewegen und zu trainieren, das kommt ja mal gar nicht in Frage. Ich brauche einen intellektuellen und / oder emotionalen Anreiz. Der schönste Sport, den ich je gemacht habe, war 5 Rhythms Tanz. Großartig, extrem frei und jeder powert sich innerhalb eines Rahmens aus (nicht nur körperlich), den er und sie selbst festlegt. Was in Berlin mehrmals pro Woche irgendwo stattfindet, hat seinen Weg jedoch noch nicht nach Alfeld gefunden.

Yoga habe ich auch mal gemacht. In der Volkshochschule. Kundalini-Yoga. Das Yoga für sich besonders weiblich fühlende Frauen (das hätte mir eine Warnung sein sollen). Mit einer Anleiterin, die einen Turban trug und immer, wenn sie etwas von weiblicher Kraft sagte, mit den Händen vor ihrer Vagina herumfuchtelte. Das war mehr so lustig. Also ich meine: hätte ich es ernst genommen, wäre ich sehr traurig gewesen. Darum fand ich es dann lieber lustig.

Kürzlich waren wir bei Freunden zu Besuch, von denen eine sagte, sie müsse am nächsten Tag mit der Firma zu einer verspäteten Weihnachtsfeier mit Eisstockschießen. "Häh?" machte ich. - "Was, Du kennst kein Eisstockschießen?" machten die anderen. Und dann fanden wir heraus, was es alles für großartige, großartige Sportarten gibt.

Eisstockschießen - nichts sieht langweiliger aus.




Schon lustiger: Curling - mit dem Wischmopp über's Spielfeld und dazu wikingermäßige Kampfschreie.


Und last, but not least: Quidditch! Ja! Es gibt wirklich Leute, die versuchen, dies hier




nachzuspielen, indem sie sich Besen zwischen die Beine klemmen, so über den Rasen rennen und versuchen, einem menschlichen Snitch den Ball am Hintern abzuzupfen. 




Also wir haben uns dann doch anders entschieden. Ich versuche es nochmal mit Yoga und mein Freund stemmt Häschen.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Memes

Ich habe einen meme generator für mich entdeckt und ein bißchen damit herumgespielt.
Aus aktuellem Anlass:

Samstag, 17. Dezember 2016

Happy Birthday, Ludwig!

Naja, eigentlich "happy Tauftag" - an welchem Tag genau jemand geboren wurde, weiß man ja oft nicht, sondern leitet es aus den Taufregistern her.

Ludwig van Beethoven, der sich durch schwerste Krankheiten in der Kindheit und einen vom Ehrgeiz zerfressenen Vater mühsam seinen Weg ins Licht gekämpft hat, gehört zu meinen Helden in der Musikgeschichte. Nicht (nur) wegen seiner Arbeit, sondern auch und ganz besonders, weil er sich als erwachsener Mann nie aufgegeben hat.

Ähnlich wie bei Brahms gab es in Beethovens Leben die bis heute sprichwörtliche "Unsterbliche Geliebte", die er nie erreicht hat; anders als Brahms konnte er keine unerschütterliche Gesundheit sein Eigen nennen und wurde als Folge davon taub.

Bevor ich mich jetzt in Betrachtungen über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von 'meinen' zwei großen Bs festfresse, während rosa Herzchen in meinen Pupillen tanzen, hier lieber etwas auf die Ohren für Euch von der brillanten Jazzpianistin Hiromi Uehara: