Donnerstag, 13. August 2020

Yoroshiku

Um mich von dem wirklich kniffligen Gälischkurs ein wenig zu erholen, lerne ich momentan eine andere Sprache: Japanisch. Ich weiß selbst nicht, wie ich ausgerechnet auf Japanisch gekommen bin, aber etwas daran hat mich sofort gepackt.

Japanisch kennt 5-7 Arten, Danke zu sagen, verschiedenste Begrüßungs- und Abschiedsformeln und hat drei verschiedene Schriftsprachen. Es ist einfach faszinierend. Und all diese unglaubliche Höflichkeit berührt irgendwas in mir sehr, ich mag das total.

Eine der schönsten Begrüßungsformeln, bzw. ein Teil verschiedener Begrüßungsformeln, ist YOROSHIKU. Yoroshiku bedeutet sehr grob übersetzt "schön, Sie zu treffen", etwas genauer allerdings bedeutet es "Ich bitte um Ihr Wohlwollen" oder auch "Bitte seien Sie freundlich mit mir". Ist das nicht wunderschön?

Okay, das war der leichtere Teil dieses Blogposts. Jetzt zu dem Teil, der mir schwer fällt. Ich werde mich knapp halten, denn nach den letzten Wochen, in denen ich mich extrem viel erklären und gelegentlich sogar rechtfertigen mußte, habe ich keine Kraft mehr, das alles auch noch zu verschriftlichen. Aber ich werde euch Dinge an die Hand geben, um euch selbst zu informieren.

Ich bin trans. Aus vielen, hier zu weit führenden, Gründen habe ich das seit meiner Kindheit versteckt, phasenweise sogar vor mir selbst. Das hat zu schweren Depressionen geführt. Ich konnte mir irgendwann ein Leben ohne diesen schwarzen Kerker in meinem Kopf gar nicht mehr vorstellen. Ich wußte nicht mehr, wie man sich 'normal' fühlt. Ich konnte jederzeit mein beinahe manisches Bühnen-Ich aufsetzen, das mit 10.000-Watt-Scheinwerfern in die Welt gestrahlt hat, und das durchhalten, bis ich wieder alleine war und mir nur noch gewünscht habe, ich wäre endlich tot. An guten Tagen konnte ich meinen Körper wie ein skurriles Kostüm tragen, wohl wissend, daß er nicht mehr als das ist. An schlechten Tagen konnte ich ihn nicht er-tragen, nicht einmal auf Fotos oder im Spiegel.

Ich hatte wenige gute Tage.

Zuletzt kulminierte alles in einer furchtbaren, mehrere Stunden andauernden Panik-Kummer-Schreiattacke, die mir keine Wahl mehr gelassen hat. Ich mußte mich dem stellen. Und das tue ich jetzt. 

Hallo, liebe Blogleser:innen des Musiksalons. Mein Name ist Johannes. Ich bin ein trans Mann. Ich bin dieselbe Person, die ich war, bevor ihr wußtet, wer ich war. 


Nunja - fast dieselbe. Eins hat sich geändert: Ich habe keine Depressionen mehr, seit ich einen Ausweg sehe. Seit ich offen reden kann. Seit ich gesehen werde, wie ich bin. Ich schlafe seit Wochen wie ein Baby und wache erholt auf - etwas, das ich nie kannte. Ich habe Energie für Alltagsdinge. Ich habe Mut. Alles andere ist, wie es war: Ich bin Schokoladenveganer und hingebungsvoller Musiker. Ich bin ein Hundemensch. Ich mache grüne Politik. Ich bin, wer ich war.

Ich verstehe, falls ihr jetzt Fragen habt. Bitte versteht auch, daß ich sie nicht beantworten kann. Mir fehlen die Zeit und die Kraft dafür und das Internet ist voller seriöser Quellen.

How to respect a transgender person (deutsch)

Interview Dr. Szukaj

Blog Linus Giese

Viele gute Informationen bieten auch der Transmann e.V., die Beratungsstellen Andersraum in Hannover und TransInterQueer in Berlin und sicher noch etliche andere. 

Ich bin Johannes. 

Yoroshiku.





Kommentare:

Tricia Danby hat gesagt…

Hallo Johannes! Schön von dir zu lesen <3

Bea hat gesagt…

Hallo Johannes,
Du wirst mir weiterhin herzlich willkommen sein!
Wichtig ist, daß es Dir gut geht.
Liebe Grüße
Bea

Unknown hat gesagt…

Lieber Johannes, sei umarmt und genieße endlich dein richtiges ICH.
Ich freue mich, irgendwann wieder unter Deiner Leitung zu singen, ich sehne mich danach! Liebe Grüße Ulrike