Montag, 7. September 2020

Intervalle

Noch eine Woche läuft die Buchverlosung! (Danke übrigens, Kerstin, für deinen Kommentar unter dem Blogbeitrag - ich bin sehr gespannt, wie es mit der Buchhandlung weitergeht!)

Noch sechs Wochen bis zum Semesterstart der Uni - und niemand weiß, wie der Unterricht dann aussehen wird, oder gar die Chorproben mit 100 Sänger:innen.

Noch 3 Monate und 2 Wochen bin ich unter 40 (habe meiner Mama gesagt, bis zum Geburtstag hat sie Zeit, sich an meinen neuen Namen zu gewöhnen).

Noch 4 Monate und eine Woche bis zu meinem ersten Endokrinologentermin. (Erst war ich sehr enttäuscht - über vier Monate warten?! Aber irgendwie ist es auch schön: neues Jahr, neues Lebensjahr, neuer Körper und so.)

Und wißt ihr, was schon vorbei ist? Das Warten auf meinen Ergänzungsausweis! Yeehaaa! Viel früher als erwartet war er am Samstag im Briefkasten. Im beigefügten Anschreiben heißt es unter anderem:

Staatliche Organe und sich auf diese berufende, nachgeordnete Stellen sind angehalten, den Ergänzungsausweis zu akzeptieren. Sie folgen damit lediglich der Grundsatzaussage des Verfassungsgerichtes, in der es wörtlich heißt, jede*r könne "damit von den staatlichen Organen die Achtung dieses Bereiches verlangen. Das schließt die Pflicht ein, die individuelle Entscheidung eines Menschen über seine Geschlechtszugehörigkeit zu respektieren" (2 BvR 1833/95). 

Also bitte, wenn das nicht toll ist; vor allem in Anbetracht des erforderlichen Aufwands, meinen Perso ändern zu lassen. 

Ich erfahre noch immer viel Freundlichkeit und Unterstützung, manchmal auch auf seltsame Weise - zum Beispiel, wenn Leute mich ungefragt fotografieren, diese Fotos dann ebenso ungefragt veröffentlichen und mich dabei korrekt gendern. Es ist wirklich wahnsinnig lieb von euch, mich in meiner männlichen Identität normalisieren zu wollen! Dennoch würde ich euch, was Bilder angeht, bitten, euch zurückzuhalten - das ganze Ding mit dem trans sein ist im Kern nämlich "ich ertrage den Anblick meines Körpers so schlecht, ich kann nichtmal beim Zähneputzen in den Spiegel gucken", und das wird NICHT besser, wenn ich meine Brüste in eurem Whatsappstatus sehe, dankeschön. 

Ich gebe Fotos aber gern frei, wenn ihr sie mir vorher zeigt - und eigentlich ist das meines Erachtens ohnehin eine Sache, die man jedem fotografierten Menschen zugestehen sollte, trans oder nicht. 

Heute gibt's mal Muse auf die Ohren, weil ich die einfach fantastisch finde.

Kommentare:

Jaya hat gesagt…

Ich hoffe, irgendwann treffen wir uns mal persönlich und ich kann dir ein dickes "Hug" für Deine Stärke geben. Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht ändern. Schon garnicht den eigenen Körper.

Musiksalon hat gesagt…

Gottseidank kann man genau das doch - das Selbstempfinden ist es, gegen das man nicht ankommt, wie meine persönliche Langzeitstudie zeigt. ;-)