Dienstag, 26. März 2019

Ziellos


Als ich irgendwann als Teenager meinen Eltern beim Essen erklärte, ich wolle Dirigentin werden, reagierte meine Mutter überschwänglich („dann wirst Du berühmt und dirigierst die Berliner Philharmoniker!“) und mein Vater, ohne auch nur vom Teller hochzuschauen, vernichtend skeptisch („das schafft sie doch sowieso nicht“). Interessanterweise reagierten praktisch alle anderen Leute ebenfalls mit einer dieser Extrempositionen. Immer nur „dann werde ich mal sagen können, ich kenne Dich“ oder „naja, man muß große Träume haben, um auch Kleines zu erreichen“, nichts dazwischen. Es war ein Spagat zwischen Heldentum und Staubkörnchen, zwischen Ganz und Garnicht, und ohne daß ich es merkte, setzte sich dieses Bild in mir fest.

Beide Eltern waren sehr stolz, als ich in Wien zu studieren begann, als sie mich das erste Mal vor einem Orchester sahen, als sie mein erstes Radiointerview hörten, den ersten Zeitungsartikel über mich lasen, meine erste CD in den Händen hielten. Und beide erwarteten weitehin von mir, was sie vorhr erwartet hatten: meine Mutter Ruhm und mein Vater, daß ich Musiklehrerin werde. Und ich erwartete irgendwie andauernd dasselbe - Weltruhm oder totales Versagen (ich habe es tatsächlich 2x mit Unterrichten in normalen Klassen versucht und total versagt, denn Pädagogik studiert man halt auch nicht ohne Grund). Was ich bekam, nach meinem bisherigen Verständnis, war totales Versagen. Zumindest hat es sich für mich immer so angefühlt.

In den letzten Monaten habe ich intensiv darüber nachgedacht, was ich eigentlich für ein Verhältnis zu meinem Beruf habe. Warum das so eine starke Hassliebe ist. Warum ich ihn so gerne machen und doch permanent so unzufrieden sein kann. Und ich habe etwas Entscheidendes begriffen: Ich liebe das, was ich tue, wirklich von ganzem Herzen. Ich leite im Moment 2 sehr unterschiedliche  Chöre und ich liebe diese Arbeit. Beides sind Amateurchöre - ein sehr guter und ein nicht sehr guter. Und beide bereiten mir die allergrößte Freude. Denn was mich immer antrieb, war ein völlig falscher Ehrgeiz, in dem es nie darum ging, WAS ich tue, sondern MIT WEM ich es tue. Ich habe nie die Berliner Philharmoniker dirigiert und die Wahrscheinlichkeit, daß das je passieren wird, ist verschwindend gering.

Aber wißt Ihr was? Ich wollte auch nie die Berliner Philharmoniker dirigieren. Ich hatte nie das geringste Interesse an einem Jetset-Dirigentenleben, in dem mir Assistenten die ganze Probenarbeit abnehmen und ich nur noch im Konzert gut dastehe. Ich wollte eigentlich immer gerne ein kleines Kammerorchester, das ich hegen und pflegen könnte wie einen Garten, und das über Jahre hinweg so mit mir gemeinsam einen ganz eigenen Charakter entwickelt.

Gut - ein eigenes Orchester habe ich nie bekommen; aber das Leben als Dirigentin diverser Amateurchöre hat mir im Grunde genau das geschenkt, was ich mir gewünscht habe. Ich entwickle mit meinen Chören ihren ureigensten Klang, ihr Verständnis von Musik, ihr Körpergefühl, Ihr Selbstbewusstsein, ihre Hingabe an den Moment, ihre Sorgfalt im Umgang mit der eigenen Stimme und der Partitur. Und ich genieße auch des Öfteren die Arbeit mit Orchestern und habe dafür immer sehr positives Feedback bekommen. Das ist mir genug. Ich habe begriffen, daß ich mich innerlich gar nicht abstrampeln muß, um vielleicht irgendwann doch noch ans Theater zu kommen, wo ich eigentlich gar nicht hinwill, sondern daß ich genau an der richtigen Stelle bin. Ich bin sogar irrsinnig gut in dem, was ich tue. Als Dirigent von Amateuren hat man nämlich nicht den Luxus, sich der reinen Interpretation hingeben zu dürfen. Nein, man muß seinen Sängern und Instrumentalisten oft erstmal Hilfestellung bei der Bewältigung ihres Instrumentes geben. Dann die Töne beibringen. Dann Schönheit aus den Tönen holen und interpetieren. Das erfordert ein ungeheues Maß an Fantasie und Durchhaltevermögen, an Bildern und Assoziationen, die ich ständig anbieten muß, um jeden an seinem persönlichen Standpunkt abzuholen. Und ich liebe das.


Bildquelle: the vintage scrap shop


Es gibt also ab sofort kein höheres Ziel mehr in meinem Leben. Keine verdammte Karotte, der ich Esel hinteherjage, ohne zu merken, wie lecker das Gras gerade jetzt unt meinen Hufen ist. Wenn ich mit Profis arbeiten darf, freue ich mich - aber wenn nicht, freue ich mich auch, denn was ich tue, ist gute, solide Arbeit und ich bin sehr dankbar dafür, wie vielseitig und spannend meine Aufgaben in meinen Chören sind.

Ich habe gerade heute einen guten Artikel über das Loslassen von Zielen gelesen. Darüber, daß das Kämpfen und Durchhalten um jeden Preis Menschen manchmal in die Verzwiflung treiben kann, weil sie einfach nicht zulassen können, ein einmal gefaßtes Ziel aufzugeben, egal wie unwahrscheinlich dessen Erreichen ist, egal, wie sehr sie sich damit quälen. Ich möchte meine Energie lieber in den Weg als in das Ziel stecken; ich möchte sogar lieber einen Weg ohne Ziel gehen. Wer weiß schließlich schon, was ihm das Morgen bringt?

Und falls noch jemand von Euch so schräg drauf ist wie ich und jahrzehntelang glaubt, seinen Eltern etwas wie beruflichen Erfolg zu schulden, weil sie sonst enttäuscht sind oder weil sie das Studium finanziert haben oder weil man den elterlichen Betrieb übernehmen sollte: hört auf damit. Wenn überhaupt irgendetwas schulden wir unseren Eltern höchstens, glücklich zu werden. Und dazu gehört meistens, daß es anders kommt, als man denkt.


Sonntag, 10. März 2019

Danke, gut.

Neulich traf ich eine sehr liebe Bekannte, die mir sagte, sie hätte eine andere gemeinsame Bekannte getroffen, die im Internet gelesen hätte, daß es mir nicht so gut ginge. Ich solle doch sowas lieber nicht schreiben, riet sie mir - damit sich niemand Sorgen macht.

Nun, äh, doch. Tut mir Leid für Euch. Dieser Blog hier entspannt mich, klärt meinen Kopf und ich schreibe, wie es mir gut tut. (Solange ich noch schreibe, muß sich auch niemand ernsthaft Sorgen machen.)
Und darüberhinaus habe ich letzten Mittwoch damit aufgehört, auf "wie geht es Dir/Ihnen?" automatisch mit "danke, gut" zu antworten. Ich habe mir sofort gewünscht, ich hätte es schon viel früher getan.

Ich mußte wie alle drei Monate zur Nachuntersuchung in die Gynäkologie. Diesmal wieder mal mit Mammographie. Und wie jedes Mal bekomme ich in diesem Raum eine Panikattacke. Ich meine nicht, daß es mir nicht gefällt und ich ein bißchen weinen muß. Ich meine eine ausgewachsene Panikattacke. Ich war genaugenommen völlig hysterisch. So wie jedes Mal.
Ich weiß nicht, ob es anderen Frauen mit ähnlichen Vorgeschichten auch so geht, aber mich vor fremden Leuten nackig machen zu müssen, in meinem Intimbereich extrem schmerzhaft festgeklammert zu werden, nachdem eine fremde Person ungefragt an meinen Brüsten herumgefingert und -gezerrt hat, und nicht aus der Situation entkommen zu können, triggert mich massiv. Ich bin nicht mehr ich, ich bin wieder 19 und kann nicht weg. Ich kann es nicht kontrollieren, es kontrolliert mich, und es schaltet meine Rationalität völlig aus.

Diesmal hatte ich eine ganz besonders 'sensible' Röntgenschwester, die nach dem ersten mühsam erkämpften Pressbild meiner vernarbten Brust erstmal entnervt zum Arzt reinging, weil sie nicht wußte, was sie mit mir anstellen soll. Ich wurde in die Umkleidekabine geschickt, von da zum Arzt gerufen, der erstmal in Ruhe den Tastbefund machte und mir dabei ein bißchen gut zuredete. Da ich nicht zu beruhigen war, fragte er mich, was genau denn das Schlimme für mich sei. Ob es die Empfindlichkeit der operierten Brust sei.
Ich schüttelte den Kopf. Natürlich ist der Schmerz enorm - er ist auf der operierten Seite wirklich kaum zu ertragen. Aber ich weiß ja, daß es nur ein paar Sekunden dauert, theoretisch könnte ich da drüberstehen. Doch da ist ja noch der Film in meinem Kopf. Und statt wie immer nur wegzusehen und mich dafür zu schämen, daß ich mich so anstelle, habe ich ihm gesagt, was mit mir passiert. Ich habe es ihm erzählt. Danach habe ich mich von ihm überreden lassen, die restlichen 3 Bilder auch noch durchzustehen und er hat seine Röntgenschwester angewiesen, so schnell wie möglich zu arbeiten.

Sie brachte ihm die Bilder zur Auswertung sichtlich schlecht gelaunt, er klemmte sie an seine Lichtwand und sagte, das sehe doch alles gut erkennbar aus, woraufhin sie abfällig sagte "naja, so gut es unter den Umständen halt geht" und den Raum verließ. Einen Ultraschall später, als ich wieder angezogen war und die Bestätigung hatte, nach wie vor "nicht suspekte" Brüste zu haben, nahm der Arzt meine Hände in seine und sagte: "Wissen Sie was, ich rede mal mit der Kollegin. Ich glaube, in Ihrem Fall ist es ausreichend, wenn Sie nur einmal im Jahr zur Mammographie kommen."

Und ich habe mich sofort gefragt, warum ich nicht schon vor einem Jahr ehrlich war. Warum ich immerzu versucht habe, so zu tun, als wäre alles ok, weil man muß ja die Zhn zsmmbßn. Und ich frage mich, wo in meinem Leben ich das noch tue.

Wenn ich es weiß, werde ich darüber bloggen. ;-)










#metoo

Freitag, 1. März 2019

random thoughts on feminism

Das hier wird ein wahrscheinlich total zusammenhangloser Blogpost. Bitte ergänzt meine Gedanken gern in den Kommentaren.

Ich habe Feminismus als Teenager für historisch spannend, aber nicht mehr für nötig gehalten. Ich bin ein Ossikind, das Konzept "Hausfrau und Mutter" kannte ich gar nicht. Ich fand starke Frauen, die um gleiche Rechte für Frauen kämpften, supertoll. So wie ich den Gehrock des 19. Jahrhunderts supertoll finde. Männer sollten sowas immer noch tragen, und Frauen natürlich auch, so sie wollen. Aber aktuell war das doch nicht mehr in den 90er Jahren.

(Übrigens hat der Bundestag erst 1997, als ich 16 Jahre alt war, das Recht auf ungestrafte Vergewaltigung in der Ehe abgeschafft. Ich war damals beschämend unpolitisch und hatte keine Ahnung davon, ich wollte immer nur dirigieren. Einige der Politiker, die gegen die Abschaffung des Paragraphen waren, sind übrigens immer noch politisch aktiv.)

Dann wurde ich erwachsen.

An einer Musikhochschule konnte man mich schon in der Aufnahmeprüfung nicht fassen: "Eine Frau? Zum Dirigieren?!" Ich dachte lange Zeit, es läge am Beruf. Klar hat schon Anfang des 20. Jahrhunderts die eine oder andere Frau dirigiert, aber auch ich kam in Wien in die Klasse eines Professors, der Studentinnen nur aufgrund des Drucks der Gleichstellungsbeauftragten aufnahm, und als er mich nach 2 Jahren (!) das erste Mal dirigieren sah, aus vollem Herzen sagte: "Frau Höing, Ihr Schlagbild ist ästhetisch einwandfrei - schade, daß Sie eine Frau sind! Der nächste bitte."

Ohne jetzt eine feministische Brandschrift (oder Autobiographie?) schreiben zu wollen, was durchaus möglich wäre, möchte ich einen Sprung 20 Jahre nach vorne zu einer aktuellen Erkenntnis machen.

Während der Proteste um den Erhalt des Hambacher Forstes fiel mir zum ersten Mal sehr deutlich auf, wie unglaublich viele Frauen da protestierten, und speziell bei einer der Protestierenden hat mich sehr beeindruckt, was sie, von zwei völlig vermummten Polizisten flankiert, unter Tränen sagte: Hier drin stehen wir für etwas. Draußen steht nur ein Konzern.


Das, was sie vorher sagt, finde ich aber bemerkenswert. In ihrer Zeit im Hambacher Forst hat sie verlernt, was die Gesellschaft ihr beigebracht hat. Das dauernde sich-miteinander-Vergleichen. Das nie-genug-sein, die beinahe krankhafte Wettbewerbsmentalität. Sie wurde "als Wesen" angenommen.

Als Wesen. Ich finde das so wunderschön formuliert. Nicht "als Frau". Als Frau müßte sie ja gleich wieder diverse Schubladen bedienen. Sie müßte rosa statt schwarz tragen, sich schminken statt ein Tuch gegen den Wind um den Kopf zu wickeln, sie müßte Shopping statt Umweltschutz betreiben.

Sie ist aber nicht nur ihre Chromosomen und Geschlechtsmerkmale, sie ist nicht nur ein Klischee, sie ist ein Wesen. Und ich wünschte mir SO SEHR, wir könnten uns alle endlich gegenseitig als Wesen betrachten!

Ich kenne Männer, die sich schminken. Ich kenne Männer, die lange, lackierte Fingernägel tragen. Es gibt eine regelrechte Bewegung von Männern, die Röcke tragen wollen, weil sie es einfach viel bequemer finden.

Und nu? Sind diese Männer weniger männlich?

Ich kenne Frauen, die sich täglich mit viel Vergnügen aufdonnern wie für die Hauptrolle eines Kleopatrafilms, und ich kenne mich, jemanden, der am liebsten immer nur Schlabberpullis und feste Schuhe zu bequemen Cordhosen tragen würde, und dann kenne ich Frauen, die von Kopf bis Fuß tätowiert, gepierct und schwarz gefärbt sind.

Und nu? Sind die durchtätowierten weniger weiblich? Ist die stark geschminkte gleich ein Flittchen? Lasse ich in meinem Schlabberpulli mich gehen?

Es gibt Frauen und Männer, die beim Anblick eines anderen Menschen abfällig lächeln, aber ganz ehrlich Leute: das sind Menschen, die selbst so wenig Rückgrat und Vertrauen in ihr eigenes Wesen haben, daß sie es nötig haben, einen anderen zu verlachen.

Als ich 13 war, fragte mich eine meiner Schwestern angesichts meiner überweiten Kleidung und des ungeschminkten Gesichts, ob es denn niemanden gebe, für den ich wenigstens ein bißchen hübsch aussehen wolle. NEIN. Es gibt niemanden, für den ich wenigstens ein bißchen hübsch aussehen will. Ich finde außerdem ALLES an der Frage total falsch.
Es ist nicht meine Aufgabe, für jemand anderen irgendwie auszusehen.
Es ist nicht Deine Aufgabe, "hübsch" für mich zu definieren.
Hübschsein, auch nach meiner eigenen Definition, wird überbewertet und ist ungleich sich-wohlfühlen.
Ich kleide mich nicht, wie ich es tue, weil ich es nicht besser weiß. Auch nicht mit 13. Ich kleide mich auf eine bestimmte Art, weil ich es gerade so brauche, weil es mir hilft, ich zu sein und mich wohl und sicher zu fühlen. DU, wer immer Du bist, der Du über anderer Leute Stil lachst, hast mit deren Entscheidungen nichts, aber auch gar nichts zu tun, und es geht Dich absolut nichts an.

Aber zurück zu meiner Hambi-Erkenntnis. Ich habe, nachdem mir die vielen Frauen dort aufgefallen sind, mal bewußter hingesehen, was bei anderen Demos passiert. Ich habe auf Twitter Naziaufmärsche in Sachsen gesehen. Fast nur Männer. Je mehr körperliche Gewalt im Spiel war ("wir werden Euch jagen"), desto weniger Frauen.

Ich sehe mit Begeisterung #FridaysForFuture zu, gestartet von einer damals noch 15jährigen Schwedin, inzwischen streiken Kinder und Jugendliche weltweit - das Geschlechterverhältnis ist übrigens scheinbar recht ausgeglichen, das finde ich sehr toll.

Berlin

München

Freiburg

Ich sehe die Proteste für die Abschaffung des Paragraphen 219a, die überwiegend von Frauen geführt werden. (Etwas zynisch könnte man sagen: Logisch, wann interessieren sich Männer schon für Verhütung oder dafür, daß Frauen selbst über ihren Körper bestimmen können?)

Und ich sehe den Mann, der es nach eigener Aussage als sein Hobby betrachtet, Ärzte zu verklagen, unter anderem Kristina Hänel, die auf ihrer Homepage darüber informiert, daß sie Abtreibungen durchführt. Nicht, wie. Nicht "diesen Monat Sonderangebot: Zwei zum Preis von einer". Nur, daß. Und dennoch gilt die schlichte Information als Werbung, und ein Student namens Yannic Hendricks maßt sich an, bei diesem Thema erstens überhaupt mitreden zu dürfen und wollte das zweitens in seiner Feigheit auch noch anonym tun.
Schön, daß das Landgericht Düsseldorf da anderer Meinung ist.

Was es mit Abtreibungswerbung wirklich auf sich hat, ist in diesem Artikel zu lesen.
(Ich lese übrigens regelmäßig den Blog von Pinkstinks und weiß oft nicht, ob ich lachen oder weinen soll.)

Also zusammengefaßt und stark vereinfacht habe ich den Eindruck, daß Männer oft gegen und Frauen für etwas eintreten. Daß Männer Dinge beschützen wollen und Frauen Lebensraum. Daß Männer für Wirtschaft stehen und Frauen für soziale Prozesse. Ich kenne natürlich viele Menschen, auf die diese starke Vereinfachung nicht zutrifft, allen voran mein Mann, mein Bruder, einige Freunde.

Aber genauso kenne ich Leute, die, ohne es selbst zu merken, Geschlechterklischees weiterleben, gegen die sie sich, bewußt darauf angesprochen, absolut verwahren würden.

Ich sehe auch Aufnahmen von diversen Demos, auf denen das Bild sich wieder und wieder bestätigt - und dabei würde ich selbst vehement bestreiten, daß Männer nunmal von Natur aus blabla sind und Frauen blabla. Dieses "von Natur aus" beginnt viel zu oft mit jungen Eltern, die das Babyzimmer schon in der "richtigen" Farbe streichen, sobald sie das Geschlecht des zu erwartenden Säuglings erfahren; mit Omas und Verkäuferinnen, die Kleinkindern Spielzeuge wieder aus der Hand nehmen, weil Autos ja nur für Jungs oder Puppen ja nur für Mädchen seien; mit Erzieherinnen, die nervtötende Mädchen als Zicke und nervtötende Jungs als kleinen Racker bezeichnen.

Gerade jetzt in der Karnevalszeit kann man die Frauen- und Mädchenkostüme kaum glauben, die derartig sexualisiert daherkommen, daß es einem graust. Auch hierzu möchte ich gerne einen kurzen Artikel von Pinkstinks empfehlen: Sexy Päpstin trifft sexy Fake News.

Also, nach diesem doch etwas wirren Durcheinander meiner Gedanken hätte ich wirklich sehr gern Eure Meinung dazu.



Kommentare


Sonntag, 24. Februar 2019

Die Meinung ändern

Gleich mal als Frage vorneweg: Habt Ihr schon einmal Eure Meinung geändert, so richtig grundlegend? Über etwas, das für Euch jahrelang völlig selbstverständlich war, bis es das irgendwann nicht mehr war?


Ich habe es immer als ultimatives Spießertum betrachtet, wenn jemand einmal in seinem Leben etwas entscheidet, an dem er dann für immer festhält, ohne es je wieder infrage zu stellen.
Es gibt natürlich Dinge, die ändern sich wirklich nicht, egal, wie oft man sie infrage stellt. Rassismus wird zum Beispiel immer dumm und falsch sein, aus welcher Perspektive ich ihn auch immer beleuchte, genau wie Sexismus, Ableismus und diverse weitere -ismen.

Mein Musikgeschmack, sollte man meinen, sei auch ziemlich in Stein gemeißelt. Immerhin bin ich ja Dirigentin. Ich kenne mich aus! Sowas von aus kenne ich mich.

Aber nein.

Ich habe im Laufe der letzten 6 Monate meine Meinung zu zwei grundlegenden Dingen geändert, und eines davon ist tatsächlich etwas Musikalisches: Ich finde Gospel jetzt gut.



Ja, ehrlich. Seit ich längere Zeit immer wieder mal bei Gospel Unity Bockenem am Klavier einspringe, muß ich sagen, so furchtbar ist das alles gar nicht. (Aber bevor Ihr Euch fragt, wie schwerwiegend mein Gehirnschaden wohl ist: Chopin und Liszt finde ich immer noch schrecklich und ertrage Akkordeon, Saxophon und Panflöte nur unter Schmerzen.)

Das zweite Thema, zu dem ich meine Meinung geändert habe, ist Homöopathie. Ich komme, nachdem ich mir die Meinung anderer Leute dazu lange Zeit immer wieder habe durch den Kopf gehen lassen, nicht umhin, zuzugeben, daß Globuli und Schüßlersalze in meinem Körper nie spürbar etwas verbessert haben. Die Logik der "Potenz" (als eigentlich der Entpotenzierung) pflanzlicher Heilmittel in Globuli hat sich mir ohnehin nie erschlossen; ich war nur bereit, Leuten zu glauben, die sowas beruflich machen. Schließlich will ich ja auch, daß Leute mir glauben, wenn ich meine berufliche Meinung zum Besten gebe - wobei mein Musikgeschmack normalerweise niemandes Gesundheit beeinträchtigt.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin davon überzeugt, daß gegen jedes Leid ein Kraut gewachsen ist. Ich bin überzeugt, daß wir uns fast alle Krankheiten anfressen und kluge, pflanzliche Ernährung das A und O der Gesunderhaltung jedes Menschen ist, und ich glaube auch, daß gegen akute kleinere Verletzungen oder Kopfweh usw. tolle pflanzliche Heilmittel existieren. Ich glaube nur nicht an Zuckerkügelchen, die umso wirkungsvoller sein sollen, je weniger von der tollen Pflanze da drin ist.

Und ein weiteres Thema, zu dem ich meine Meinung geändert habe, ist, daß ich schon sehr viel für das Klima tue, weil ich ja Veganerin bin. Aber nein. Ich tue das absolute Minimum. Ich kann mehr tun und habe deshalb entschieden, nie wieder aus privaten Gründen zu fliegen.

Ich bin viel mit Chören und privat gereist, nach Großbritannien, Irland und New York, und ich bin zu Studienzeiten mit Air Berlin zu meinen Eltern geflogen, weil es nur ein Drittel so teuer war wie der Zug, dafür aber 8x schneller. Jetzt hinterfrage ich das. Daß etwas preiswert zu haben und bequem ist, bedeutet ja nicht, daß es für die Allgemeinheit gut ist. Es ist meistens nur für die Leute gut, die ihr Geld damit verdienen.

In Anbetracht der Tatsache, daß mein bester Freund, dessen Trauzeugin ich im November sein sollte, in Nordschweden heiratet und mein Mann und ich unmöglich lange genug frei bekommen, um tagelang Zug oder Auto zu fahren, war die Verlockung groß, dieses "ich fliege nicht privat" mit ein paar Ausnahmen zu versehen. Aber wo ist dann die Grenze? Ab wann ist die Rettung unseres Heimatplaneten zweitrangig?

Ich muß sagen, es fällt mir sehr schwer. Ich wäre wahnsinnig, wahnsinnig gerne auf dieser Hochzeit. Ich würde unglaublich gerne irgendwann in meinem Leben Kanada, Neuseeland und Island besuchen. Aber das werde ich nicht tun. Weil ich möchte, daß Kanada, Neuseeland, Nordschweden und Island auch weiterhin wunderschön und grün sind, und weil ich das am besten gewährleisten kann, wenn ich nicht dorthin fliege.


Danke, Denny. <3

Hier noch ein bißchen aktueller Gretacontent für Euch.


Samstag, 9. Februar 2019

Oh child

Neulich auf dem Rückweg vom Kopfdoktor fuhr ich 70 km/h auf einer einsamen Landstraße, und vor mir landete plötzlich ein Graureiher. Mitten auf der Straße, auf der Gegenspur. Ich bremste und hielt an, weil ich dachte, falls er zu Fuß weitergeht, will ich ihn nicht umfahren, und weil ich einen Graureiher noch nie so nah gesehen hatte. Ich rollte bis neben ihn.
Er guckte durch mein Seitenfenster. Ich guckte zurück. Sekundenlang sahen wir uns einfach nur an. Dann drehte er sich in meine Fahrtrichtung, nahm etwas Anlauf und flog los. Ich fuhr an und folgte ihm, Kurve um Kurve, bis er nach einer Weile schließlich links in eine Wiese abbog.

Die alten Ägypter hielten den Graureiher für den Phönix aus der Legende. Geduld, will er sagen. Geduld. Das Leben ist lang und beinhaltet etliche Wiedergeburten aus Deiner eigenen Asche. Sei ruhig, warte ab. Alles wird, wie es werden soll.

Eine Woche später, einen Kopfdoktortermin später, schalte ich kurz vor derselben Stelle auf der Landstraße das Radio ein und Robin Schulz singt aus vollem Halse:
Oh my father before he left
Oh there's one thing I wished he said
Oh child, just do what you love, 'cause you won't get this life again

Oh, bevor mein Vater gegangen ist
Oh ich wünschte, da hätte er eine Sache gesagt
Oh Kind, tu einfach, was Du liebst, denn Du wirst dieses Leben nicht wiederbekommen

Es gibt Tage, da ist alles fast normal. Und dann gibt es Tage, da stehe ich morgens minutenlang im Bad, starre mein Spiegelbild an und sage mir "Du schaffst das! Du kriegst das hin! Einen Schritt nach dem anderen! Erst die Hand ausstrecken. Dann die Zahnbürste nehmen. Dann die Zahnpasta drauf. Okay okay, eine kleine Pause. Tief durchatmen. Nochmal. Und jetzt Zähne putzen."
Ich bin so sehr am Ende meiner Kraft, meiner Gesamtkraft, meiner Lebenskraft, daß seit zwei Monaten das Hauptanliegen von Frau Kopfdoktor ist, mit mir herauszufinden, wo ich nachtanken kann.

Heute lese ich einen Artikel über Arbeitsmoral. Über die vielen Millionen Menschen, die Arbeit und Leben gleichsetzen. Die Karriere und Glück gleichsetzen, obwohl sie ihre Arbeit gar nicht lieben und letztlich niemals glücklich werden. Die beruflichen Erfolg und ihren Wert als Menschen synonym sehen.
Ich muß an meine Mutter denken, die angesichts meiner derzeitigen Probleme überfragt und verzweifelt ist und nicht weiß, was sie tun kann, damit es mir besser geht.
In ihrer Hilflosigkeit rät sie mir zu allem, was sie selbst ihr Leben lang gehaßt hat: jeden Tag früh aufstehen und funktionieren, funktionieren, funktionieren. Dann habe man wenigstens Struktur, auch wenn man alles scheiße findet.
Ich könne ja auch beruflich umsatteln und etwas anderes tun, was mir sehr am Herzen liegt. Hundetrainerin werden zum Beispiel. Vielleicht würde mich das glücklich machen. Ich muß ihr zustimmen, es würde mich vielleicht glücklich machen. Ich liebe Tiere, besonders Hunde; ich wäre auch gern Tierärztin oder Bibliothekarin oder Übersetzerin... das ist aber alles gar nicht der Punkt.
Ohne bestreiten zu wollen, daß der Aufbau einer Tagesstruktur Menschen mit Depressionen helfen kann... das trifft auf mich nicht zu. Was mir gerade hilft, ist weniger Struktur. Ich liebe meinen Beruf und bin ziemlich gut darin. Mein Beruf ist auch nicht der Grund dafür, daß es mir gerade dreckig geht. Ich möchte ihn nicht wechseln, ich möchte nur im Moment kürzer treten, weil mir die Kraft für alles fehlt, manchmal sogar zum Zähneputzen.

Mann, bin ich froh, daß der Frühling schon zu riechen ist.





Sonntag, 20. Januar 2019

Was mich am Umweltschutz ankotzt

Wißt Ihr, was mich total ankotzt am sogenannten Umweltschutz, am Klimawandel und dieser ganzen halbherzig geführten Debatte?

Das Um. Das Um macht mich richtig fertig. Das Um suggeriert, wir müßten etwas schützen, das irgendwo UM uns herum, aber nicht bei uns zu Hause sei. Das Um sagt: nicht hier, sondern dort. „Klimawandel“ klingt, als hätte in einem Konferenzraum voller Anzugträger jemand schlechte Laune bekommen und nun müsse man mal dagegensteuern. Uschi, holen Sie doch mal die Häppchen rein.

Was wir haben, so richtig hier und jetzt, ist eine Klimakatastrophe. Eine wirkliche, furchtbare, sehr ernstzunehmende Katastrophe.
Was wir noch haben, ist ein absurd egozentrisches Weltbild, das die gesamt Erde lediglich als ein Um-uns-herum betrachtet und dessen göttlicher Nabel wir sind, dem schon nichts passieren wird außer ein wenig Unordnung im UMfeld.

Was wir brauchen, ist Weltschutz. Ohne Um.

Was wir brauchen, ist mal genug Rückgrat, uns um unser eigenes Zuhause zu kümmern. Ja, der noch so unspektakulär klingende Klimawandel wird früher oder später auch unser Dach abtragen und unseren Keller überschwemmen. Wieder und wieder. Und auch wenn wir uns vielleicht besser fühlen, wenn wir die x-te Onlinepetition „Rettet die Eisbären“ auf Avaaz oder Campact unterschreiben, tut mir Leid, das ist nichtmal annähernd genug. Das ist so, als würden wir in unserem brennenden Haus sitzen und twittern „jemand sollte mal die Fenster putzen“.

Werdet endlich aktiv. Das beginnt im Kopf. Und es bedeutet nicht, daß wir MEHR tun müssen als bisher. Es bedeutet, wir müssen Dinge ANDERS machen als bisher. (Ich weiß, es gefällt Euch vermutlich nicht, wenn ich das Wort „müssen“ benutze, weil Ihr Euch gegängelt fühlt. Ich tue es aber trotzdem, sogar erst recht, um die Ausweglosigkeit unser aller Situation so klar wie möglich zu machen.)

Also kurz gesagt, Leute, kriegt den Arsch hoch. Hier ein paar Vorschläge.

Ökostrom ist so leicht zu bekommen. Neben den beiden großen Anbietern Greenpeace Energy und Lichtblick gibt es sogar einige regionale Stromanbieter, die reinen Ökostrom verkaufen (bitte auf Seriosität prüfen, im Zweifelsfall doch Greenpeace / Lichtblick wählen).

Kauft nicht jedes verdammte übeflüssige Billigkleidungsstück, das Euch wegen des süßen Druckmotivs beim Vorbeigehen ins Auge fällt. Die Denke „für 5€ kann man nicht viel falsch machen“ ist das Falscheste, was man machen kann, denn was uns nur 5€ kostet, kostet die Welt tausende Liter Trinkwasser und Frischluft.

Hört bitte, bitte endlich mit der verdammten Fleischfresserei auf. Selbst wenn Euch Tiere total egal sind, kann doch wirklich jeder Idiot die Zahlen lesen: die Produktion eines einzigen Kilos Fleisch kostet 16000 Liter Wasser. Sech!zehn!fucking!TAUSEND!
Wie wäre es denn, wenn Ihr erstmal 16000 Liter Wasser einspart - ein paar Jahre nicht waschen und in den eigenen Hof kacken sollten reichen -, bevor Ihr Euch genüsslich ein Mettbrötchen zum Frühstück und ein Schnitzel am Abend reinzieht? Mal ganz davon abgesehen, daß selbst die WHO Wurst und viele Fleischsorten als krebserregend eingestuft hat...

Der heilige Urlaub muß unter allen Umständen sein? Einmal im Jahr auf die Malediven stehen Euch einfach zu, weil Ihr hart arbeitet? Meine Damen und Herren, inzwischen haben wir sicher alle von Greta Thunberg gehört.
Greta Thunberg streikt. Mit einem Schild, auf dem „Schulstreik für das Klima“ steht und warmer Thermokleidung sitzt sie seit Wochen jeden Freitag bei extremer nordschwedischer Kälte in ihrer Stadt. Weltweit haben Schüler diesen Streik übernommen.
Greta wurde zur EU Klimakonferenz eingeladen und hat dort diese beeindruckende Rede gehalten:


Greta ist diesen Januar 16 geworden. Sie hat Einladungen von diversen Regierungen und
Umweltorganisationen bekommen, dort zu reden, und ihre Antwort war:


"Kürzlich wurde ich eingeladen, in Orten wie Panama, New York, San Francisco, Abu Dhabi, Vancouver, den Jungferninseln zu sprechen...
Doch traurigerweise läßt unser verbleibendes Kohlenstoffbudget solche Reisen nicht mehr zu. Die erwachsenen Generationen in Ländern wie meinem haben unsere Ressourcen aufgebraucht.


Meine Generation wird aus keinem anderen Grund als einem Notfall fliegen können, in absehbarer Zeit, falls wir eine maximalen Erderwärmung von 1,5 Grad absolut ernst nehmen. Ich werde versuchen, so viele Orte wie möglich ohne Flug zu erreichen. Und auch per Videokonferenz teilzunehmen.
Und natürlich ist nicht mehr zu fliegen und vegan zu leben allein nicht die Lösung. Wir müssen es auf einen null-Kohlenstoff-Lebensstil absehen, so schnell es geht.
Politische Entscheidungen sind nötig. Doch da es keine gibt, werden wir tun müssen, was uns selbst nur möglich ist, um eine politische Bewegung in Gang zu setzen."

Ich möchte diesen Satz gerne noch einmal schreiben:

Und natürlich ist nicht mehr zu fliegen und vegan zu leben allein nicht die Lösung.

Versteht Ihr mich? Das ist nicht das Krasseste, was wir tun können - es ist das absolute Minimum dessen, was wir jetzt tun müssen!

Darüberhinaus gibt es noch so unglaublich viele kleine Dinge und Gewohnheiten, die so leicht zu ändern sind.

Zahnbürsten mit möglichst geringem Plastikanteil. Wastelandrebel hat dazu einen tollen Blogartikel geschrieben.

Zahnpasta: Ich benutze seit einigen Jahren eine basische Zahncreme. Sobald die letzten Vorratstuben davon aufgebraucht sind, werde ich wieder auf feste Zahnpflegetabs umsteigen. Lush hatte sowas mal (gibt's bestimmt noch dort) und viele andere Hersteller bieten das an. Davon abgesehen, daß man die festen Tabs in Pappverpackungen kaufen kann und damit erheblich Plastikmüll spart, ist in normaler Zahncreme auch oft Mikroplastik drin, das wir ja nicht unbedingt im Körper haben müssen.

Seife: Flüssigseifespender machen mich regelrecht aggressiv, wenn ich ehrlich bin. Was für eine Verschwendung! Was für ein unnötiger Müll!

Duschbad: dasselbe! Das einzige Duschbad, das ich immer zu stehen habe, ist das, was mir irgendwelche Leute schenken, um mir eine Freude zu machen. Leute, schenkt mir Seifen. In Papier. Das macht mich wirklich sehr, sehr glücklich und auch wenn uns die Werbung dazu verleiten will, das zu glauben: Ich muß meinen Körper nicht mit speziellem rosafarben-glänzendem Orchidee-Birne-Rosenduft-Duschgel einreiben, ich finde das sogar eklig. Seife ist geil. Echt jetzt.

Andere Kosmetika: Achtet auf die Verpackung und überlegt, was da so drin ist. Eine einzelne Dosis Badesalz in einer Plastiktüte? Kauft Euch lieber selbst einen großen Eimer basisches Badesalz und gebt 3 Eßlöffel davon mit 3 Tropfen Eures ätherischen Lieblingsöls in die Wanne, das ist eh gesünder.
Peeling: Kaffesatz. Pur oder mit etwas Kokosöl oder für die ganz Harten mit grobem Salz vermischt. Eure Haut wird danach jauchzen.

Waschmittel: Es gibt ganz hervorragende natürliche Waschmittel. Mein liebstes ist die Waschnuss. Meine Mutter kocht ein Flüssigwaschmittel daraus - ich bin fauler und packe einfach 2-3 Waschnüsse in eine Socke und lege die in die Wäsche. Dasselbe geht übrigens mit im Herbst gesammelten Kastanien.

Unverpackt einkaufen: Hier ist eine Liste mit Unverpackt-Läden in ganz Deutschland. Für mich wäre der nächste eine Stunde entfernt, daher fahre ich nicht extra (Autoabgase), aber wer in der Nähe von oder direkt in Köln, Berlin, Magdeburg wohnt, hat da so großartige Möglichkeiten!
Aktuell trenden ja Nylonnetze für das Obst un Gemüse im Supermarkt. Bitte kauft die nur, wenn Ihr vorhabt, sie quasi ewig zu benutzen. Nylon ist recyclingtechnisch gesehen ein Arschloch. Ansonsten kann man die Rispentomaten auch ohne Netz oder Tüte einfach in den Einkaufswagen legen. Ich mache das sogar manchmal mit Trauben. ("Und wohin kommt dann der Preisaufkleber?" - Ich schätze, da fällt Euch schon was ein.)

Apropros Auto: Ich fahre sehr gerne Auto. Dennoch gehen viele Dinge zu Fuß oder mit dem Rad. Sogar kleine bis mittlere Einkäufe (davon haben wir zu Hause viele, denn wir kaufen fast täglich kleine Mengen frischen Gemüses). Ich habe mir eine Lenkertasche genäht, da geht alles rein, was nicht in die Umhängetasche paßt.

Wasser: Manche Leute drehen den Wasserhahn auf, wenn sie anfangen wollen, sich die Zähne zu putzen, und lassen ihn dann die ganze Zeit laufen. Bitte prüft mal Eure eigenen Gewohnheiten dahingehend. Ich habe an mir selbst festgestellt, daß ich mich unter der laufenden Dusche eingeseift habe. Keine Ahnung, warum; ist sogar Quatsch, weil es die Seife gleich wieder abspült. Also habe ich damit aufgehört.

Ladies! Tampons sind nicht nur mit Chemikalien versetzt, sondern auch eine Umweltsünde vom Allerfeinsten - und sie belasten den Geldbeutel. Es geht deutlich nachhaltiger: mit Mooncup oder Stoffbinden; beides hält problemlos viele Jahre. Wenn eine von Euch dazu Fragen hat, schreibt mich gerne persönlich an.

Kaffee: Um alles in der Welt schafft diese bekloppten Kaffeemaschinen mit Aluportionstässchen ab, das ist so pervers!

Geschenke: Das Absurdeste, das ich in den letzten Jahren zu Weihnachten bekommen habe, sind Geschenke in stylischer Klarsichtfolie. Ich meine, im Ernst mal - Folie, durch die man durchgucken kann? Wozu dann überhaupt verpacken, wenn das Geschenk eh sichtbar ist? Warum nicht mit Papier?


Jetzt zu Euch: Was tut Ihr, um die Welt zu schützen? Welche Ideen und Vorschläge habt Ihr noch? Ich bin sehr neugierig und lerne gerne dazu!




Freitag, 7. Dezember 2018

Irland

Ich möchte keinen großen Reisebericht schreiben, daher in diesem Beitrag deutlich mehr Bilder als Worte. Gospel Unity Bockenem war im September für 12 Tage in Irland auf Reisen und hat mich als Pianistin mitgenommen. Wir haben in Dublin bgeonnen, sind einmal quer über die Insel nach Westen und an der Südküste wieder zurück nach Dublin gefahren und haben immer 1-2 Nächte irgendwo übernachtet und die Gegend bewundert. Ich versuche jetzt, der Reise entsprechend chronologisch zu bleiben.

Die Bilder zum Vergrößern einfach anklicken. Das sind alles Handyschnappschüsse, also erwartet keine Kunstfotografie (dafür war ohnehin kaum Zeit).

Dublin, Tag 1




In Dublin kann man natürlich unter gar keinen Umständen das Trinity College auslassen. Neuerdings ist in der großen Bibliothek das Fotografieren (ohne Blitz) erlaubt; in den Ausstellungsräumen davor natürlich noch immer nicht - dort liegen Manuskripte von teilweise über 1000 Jahren Alter.







Tag 2: TULLAMORE

Führung durch die Whiskeybrennerei. Tullamore Dew ist von den irischen Whiskeysorten die in Deutschland meistvertriebene. Ich habe während der Reise verschiedene Sorten probiert und einen mir vorher ganz unbekannten Whiskey zum neuen Liebling gekürt. :)  Die Führung war sehr sympathisch.
Das Städtchen Tullamore ist sehr übersichtlich. Wie in jeder irischen Ortschaft gibt es eine St Patrick Street.













Wie an vielen malerischen Orten in Irland ist dieser kleine Außenerker an dem Wohnhaus total romantisch - bis man nach unten sieht, wo sich im Wasser unter der Brücke der Müll nur so stapelt. Aus mir völlig unerklärlichen Gründen haben die Iren scheinbar nicht das geringste Umweltbewußtsein. Sie chloren nicht nur ihr Leitungswasser, sie werfen in entlegeneren Gegenden auch einfach ihre vollen Müllsäcke hinter dem Grundstück in die Landschaft, wo der ganze Mist irgendwann ins Meer getrieben wird. Die Müllabfuhr ist offenbar privatisiert worden und nimmt entweder lange Fahrten gar nicht erst auf sich oder verlangt unbezahlbare Preise (unser Reiseleiter sprach von Wertsoffhöfen, wo man seinen Müll für 8 € pro Sack abgeben könne).




Am Ufer des Shannon liegt diese alte christliche Stätte. Rundtürme, Kirchen, eine Kathedrale, Hochkreuze - alles, was man von malerischen Ruinen in Irland erwartet, findet man hier auf einem Fleck. Und was für ein Fleck! Es ist ein traumschöner Ort.



So ein Schild könnte ich für den Garten gebrauchen:










Das Radsymbol bedeutet mir persönlich etwas, und ich habe eines am Fuß eines Hochkreuzes gefunden. <3










Der Shannon, von Clonmacnoise aus gesehen.


Das Besucherzentrum - hier sind, wie an so vielen historischen Orten Irlands, auf hübsche Weise viele Informationen zusammengetragen worden. 




Darüber hinaus allerdings sind im Inneren dieses Besucherzentrums die beiden beeindruckenden originalen Hochkreuze des Friedhofs draußen ausgestellt, während draußen seit ca 30 Jahren Repliken stehen, damit die Originale nicht gänzlich von Wind und Wetter zerstört werden.




Hier finden sich lateinische und Oghamschriftzeichen beieinander.




Die Eintrittsklebis werden am Ausgang kreativ entsorgt:





Womit duscht der Irlandtourist? Duschgel "Patrick". :)



Wir verbrachten 2 Nächte in Galway und aus mir unerklärlichen Gründen sind alle meine Bilder von dieser Stadt versschwunden. Schade, denn ich hatte etwas Interessantes entdeckt. Da ich, statt ein Reisetagebuch zu führen, diesmal jeden Abend meine Bilder auf Instagram hochgeladen habe, sind sie dort noch zu sehen.

Instagrambilder von Galway

Instagram Galway Cathedral
(inklusive Video einer irischen Möwe, die ein teures Auto frißt)

Am 3. Reisetag machten wir einen Tagesausflug nach Connemara, eine Halbinsel, auf der noch Gälisch gesprochen wird, und deren Landschaft zum Aufsaugen schön ist.

Instagram Connemara und mehr Galway

Tag 4 - the Burren / Cliffs of Moher

Der Burren ist eine wahnsinnig beeindruckende, riesige Strecke Felsenlandschaft. Wenn man nicht da steht, könnte man denken 'Warum sollte ich mir kilometerlanges Geröll angucken?', aber ich schwöre, es ist beeindruckend. Es sieht wild aus und fühlt sich so an - kein ebener halber Meter ohne Löcher oder Felsen. Und dazwischen wachsen Ginster, widerstandsfähige Gräser und wilde Blumen, und all das führt direkt ans Meer, die Luft ist voller Salz und Blütenduft.













Zwischenstop am Dolmengrab Poulnabrone. Am Eingang saß ein Kunsthandwerker, der den Touristen als Souvenir ihre Namen in Ogham in Schmuckstücke ritzte und das verkaufte. Als ich vorbeiging, rief er begeistert: "Now, tha' girl looks oirish!" Ich mußte grinsen - 'not in this life', dachte ich -, und als er nochmal guckte, wiegte er seinen Kopf und meinte etwas enttäuscht: "But no... you must be German. It's the height, ya know?" Volltreffer.










Cliffs of Moher

Zu den berühmtesten Klippen Irlands muß ich wohl nicht viel sagen. Die Wege sind unbefestigt und der Wind einfach extrem - seht Euch das Video unbedingt mit Ton an! Ich habe mich beim Filmen mit einer Hand an einem Felsen festgehalten.

Obwohl unser absolut großartiger Reiseleiter immer versucht hat, uns nicht mit dem Touristenstrom schwimmen zu lassen, war das natürlich an den Cliffs of Moher völlig unmöglich. Der Andrang war enorm, aber nach einigen Minuten konnte ich das ausblenden und tatsächlich einfach diesen völlig irren Ort genießen.




















Diese Felsennase hätte ich gerne noch erreicht, aber...


...genau hier war der Punkt, an dem ich umgedreht habe. Ich bin mehrfach im nassen Lehm ausgerutscht, weil der Wind so stark war, daß aufrechtes Gehen zum Extremsport wurde, und da war nichtmal ein Kiesweg oder so - dafür jedoch ein Haufen relativ rücksichtslos schubsender Touristen.



Oben kann man als Besucher entlanggehen, unten sind teilweise riesige vom Wasser ausgespülte Höhlen.




Auch hier weidet Vieh, wie überall.





Übernachtung total gemütlich in Kilmallock



und Chorauftritt im dortigen Friar's Gate Theatre.

Instagram Friar's Gate Theatre

Ich kann nur jedem empfehlen, einmal Kilmallock zu besuchen; die Umgebung war toll. Ich würde jederzeit wieder lieber dort Urlaub machen als in Galway oder Cork, wo wir später noch waren.
Das Publikum war völlig hingerissen, hat 'leider' hier schon alle mitgebrachten CDs aufgekauft und bereits in der Konzertpause sämtliche Verwandten angerufen, daß diese unbedingt in unser zweites Konzert in Cork gehen sollen. :)

Tag 5 - mit einem kurzen Halt in Ardare (die 'Tiger Woods Stadt', wo ich natürlich einen Golfball mit Kleeblatt für meinen Mann gekauft habe)



gab es heute einen Ausflug zur Dingle Halbinsel. Also das fiel sowas von gründlich ins Wasser. :)
Wir hatten in den ersten Tagen der Reise reichlich Gelegenheit, die Behauptung unseres Reiseleiters auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, daß es in Irland wenig regne - nur eben täglich. Er hatte absolut Recht. Jeden Tag kam mal ein kurzer Schauer oder gab es mal 5 Minuten Niesel, aber das war absolut kein schlechtes Wetter, schließlich war der Rest dieser Tage traumhaft sonnig. Nicht jedoch der Tag, an dem wir Dingle sehen sollten, die berühmte Schönheit am Westrand Irlands.
Also keine Bilder, tut mir Leid. Ich habe dort einfach ein Pub besucht, einen Tee bestellt und versucht, meine völlig durchgeweichte Kleidung am Torfkamin wenigstens notdürftig zu trocknen.

Tag 6 sind wir ein Teilstück des Ring of Kerry gefahren.










An diesem Bäumchen soll Queen Victoria mal gemußt haben:




An einer der Straßen ein alter Warnhinweis auf Cromwells nahende Armee:



Wir verbrachten einige schöne Stunden in Bantry House & Garden, einem alten Herrenhaus derer von Bantry (den Adelstitel gibt es nicht mehr).














Da! Bäume! In der freien Landschaft gibt es nicht viele Wälder, vor allem keine großen, denn alles wird nach Möglichkeit in 'grünes Gold' verwandelt - Weideland. Weideland bringt Geld, Wald nicht.







Wir verbrachten eine Nacht in Tralee, und das ist meine absolute Lieblingsstadt in Irland geworden. In Tralee wird jeden (!) Abend in den Pubs musiziert, und zwar nicht, um Touristen zu beeindrucken oder irgendwie konzertmäßig, sondern einfach, weil die Leute in Tralee gerne musizieren. Einige von uns haben den Abend in einem dieser Pubs verbracht, gesungen, Bier getrunken und schließlich Down by the Sally gardens mit der Band gesungen. Im März sind wir mit den Musikern in Deutschland verabredet. 




Zwei weitere Herrenhäuser auf unserem Weg war Muckross und Bunratty Castle. Muckross war klein, fein und mit einer unglaublichen Menge Rhododendron, Azaleen und Weinranken umgeben.























Bunratty hatte eine total tolle Parkanlage, mit einer Wolfhound-Zucht und Schweinen und Gänsen und mit einem wunderwunderhübschen Feengarten; ich konnte gar nicht aufhören den zu fotografieren.
Das Schloß selbst, durch das wir eine Führung bekamen (da gab es eine Sheela-na-gig in einer Wand!) ist das mit Abstand feindseligste Gebäude, in dem ich je war. Ich schwöre Euch, ich bin da rein und habe die ganze Zeit nur gedacht 'ich muß sofort hier raus'. Nach der Führung habe ich mich noch überreden lassen, auf den höchsten Turm zu klettern und ein Bild von der Aussicht zu machen, danach bin ich fluchtartig aus dem Gebäude gestürzt. Draußen waren direkt ein paar Chormitglieder, die mir erzählten, sie hätten es drinnen nicht ausgehalten.

Aber wie gesagt: Der Feengarten! Die Schweinchen!

Bunratty auf Instagram
(Das letzte Bild ist bereits die Stadt Limerick, die wir irgendwie der Vollständigkeit halber ein paar Stunden bei schlechtem Wetter durchschlendert haben.)

Tag 7 - Cork. Hier hatten wir ein gruseliges Hotel. Die Stadt selbst ist eine sehr moderne, hat ein Opernhaus, eine Vielzahl Kirchen und wirkt bunt und geschäftig. Ich persönlich habe dort nur einen Ort gefunden, der mich richtig berührt hat: Die St Finbarr's Cathedral.
Ich bin ja ohnehin ein alter Kirchengucker; ich liebe historische Klöster und Kirchen und Ruinen, ich habe ein halbes Bücherregal voll mit Büchern über irische Heilige und besonders St Patrick - ich steh da einfach drauf. Aber diese Kathedrale hatte auch für mich 'Routinier' ganz viel zu staunen.
(Achtung, Flut)

Blick über den River Lee


Berühmter Pub


Noch einmal der Lee


Der weltbekannte English Market, wo ich mir die Taschen mit veganen Leckereien vollstopfen konnte und wo ein Plakat unseres Konzertes hing


Vegan!


Hier wird nicht gelacht!


Mehr vegan!


Noch mehr vegan!




Eingang zum People's Park :)


Unterwegs zur Kathedrale



Und da ist sie:

















Seht Euch nur diese unglaublichen Steinmetzarbeiten an. Ich bin immer wieder tief beeindruckt von sowas, ob es nun in Irland, am Kölner Dom oder am Kloster Chorin hängt.







Die Evangelisten an der Kanzel





Gedenktafeln




Ein Gedenkbuch...




...das ausgerechnet bei "HAHA" aufgeschlagen war. Vielleicht finde nur ich das witzig.









Türen sind ja auch so ein kleiner Fetisch von mir...









Die Wahrheit siegt:


Guckt mal, wen wir da haben: William de Burgos, den ich auch in Galway gefunden habe. :)








Auf dem Rückweg: Irland ist wie eine Flasche - ohne Korken (Cork) würde es sinken.




St Anne's Church mit dem Lachs obendrauf


- und einem Haufen Kostbarkeiten im Inneren:





Direkt daneben: St Mary's Cathedral









Und schließlich die St Mary's Priory Church, in der wir Konzert hatten:




Und jetzt kommt's! Auf dem Rückweg von Cork nach Dublin haben wir den Rock of Cashel besucht. Der Sage nach soll der Teufel, tollpatschig wie er ist, durch die Galtee Mountains marschiert und dabei über seine eigenen Füße gestolpert sein. Er tat sich höllisch (ha) weh und vor Schmerz und Wut biß er in den ihn umgebenden Kalkstein. Den Mund voller Stein marschierte er weiter und begegnete St Patrick, der ihm sagte, er könne nicht einfach Landschaft herausbeißen und wegschleppen, er solle gefälligst sofort diesen Felsen ausspucken. Natürlich tat der Teufel genau das, und das ausgespuckte Felsstück ist der Rock of Cashel, auch "the devil's bite", der Teufelsbissen, genannt.




Der Teufel muß ein recht großes Maul haben, wenn man sich das so ansieht.














Genau hier (Bild unten) hat Patrick den vormals heidnischen König Angus getauft . Da offenbar auch der heilige Patrick nicht völlig vom Tollpatsch frei war, rammte er aus Versehen seinen Bischofsstab mit Wucht auf den Fuß des Königs. Dieser sagte nichts dazu, wie groß der Schmerz auch war, weil er glaubte, das sei Teil des Taufrituals. Hoppala. :)


Und schau, wer auch hier mit einem Grab verewigt ist: Walter de Burgo, dessen Verwandten William wir ja schon 2x getroffen haben.


Als nächstes besuchten wir an Tag 8 Kilkenny, die Stadt, aus der das leckere rote Bier kommt, und in der St Cainneach / Canice / Kenny gelebt und gewirkt hat.

Zuerst ins Schloß von Kilkenny, in dem viele historisch eingerichtete Räume zu bewundern sind.











Die vier Flußgötter:





Und dann St Canice's Cathedral mit uraltem Rundturm, den man, wenn man körperlich fit ist und weder Höhen- noch Platzangst hat (danach wird wirklich gefragt am Eingang), beklettern kann.



Rad <3





Im Turm wird über Bewegungsmelder eine Lautsprecherstimme aktiviert, die erklärt, was es mit dem Turm auf sich hat und immer so charmante Sachen sagt wie "halt ein, Fremder" oder "achte auf die letzten 3 Stufen, die sind höher" - das waren sie auch, nämlich fast kniehoch!



Die Aussicht ist klasse.




Tag 9 - Howth Head
Hier waren wir ein wenig wandern. Howth Head liegt in Spuckweite von Dublin und man kann wunderschön über die Dubliner Bucht schauen.












Wie Ihr auf meinem Video sehen könnt, gab es Seelöwen! Oder Robben. Also Wassergetier jedenfalls, mitten im Hafen. Da ich leider keine guten Bilder davon hinbekommen habe, klaue ich die von Lothar aus dem Chor:





Die letzten 3 Tage verbrachten wir nach eigenem Gutdünken in Dublin. Bevor ich Euch davon Bilder zeige, möchte ich noch einmal explizit erwähnen, daß unser Reiseleiter der ersten 9 Tage ein fantastischer Mann war. Er schreibt als hauptberuflicher deutscher, in Irland lebender Journalist auch viele Blogbeiträge auf seiner eigenen Homepage, die ich Euch gerne sehr ans Herz legen möchte:

WOLFGANGS TOLLE INTERNETSEITE

So, jetzt nach Dublin. Wir haben in der Guinness-Brauerei die Gruppenführung bekommen, was eine totale Katastrophe war. Vor 5 Jahren war ich mit meiner Mama in Irland und wir sind ohne Führung durch die Brauerei geschlendert, das war wesentlich entspannter. Als Gruppe bekommt man zwar auf halbem Weg ein Minibier, aber ansonsten wird man nur von A nach Z gehetzt, ohne die geringste Ruhe, sich die eigentlich schöne Ausstellung anzusehen. Außerdem war es insgesamt deutlich voller als damals.

Pluspunkt: Ich habe ein Bierbrauer-Zertifikat abgelegt. Jahahaaa, Leute, ich kann jetzt offiziell richtig geiles Guinness zapfen.







Die Brauerei hortet auch die älteste irische Harfe, die zum Logo gehört.



Von der gläsernen Aussichtsplattform im 6. Stock des Brauhauses kann man ganz Dublin sehen - vorausgesetzt, man boxt sich durch die Touristenmassen bis zum Fenster vor.


Unter anderem sieht man diesen kleinen Bischof, der ein Kreuz hochhält - ich finde, von weitem sieht es aus, als streckte er der Welt den Mittelfinger entgegen.



Zu Fuß unterwegs in Dublin


Eine Kirche, in der ein Kirchenmusiker einen besonderen Gedenkstein erhalten hat:


Eine ehemalige Kirche, umgebaut zu Restaurant und Kellerkneipe "the Church":



Im nationalhistorischen Museum:









Ist das nicht der Hammer?




St Patrick's Bell




Hier wieder eine Sheela-na-gig:



Der Schrein von St Patricks Zahn - ääähm, ja.


Der Schrein von St Brigid



Die Glocke von St Columban (einer der berühmtesten Nachfolger von St Patrick ein Jahrhundert später)




Uuuund - wie fast alle Museen in Irland ist auch dieses stark interaktiv. Es gab einen Touchscreen, auf dem man nach den Ursprüngen irischer Clannamen suchen konnte. Ich konnte den De Burgos nicht widerstehen.


Als ich aus dem nationalhistorischen Museum kam, sah ich direkt daneben das kunsthistorische mit einer Ausstellung über William Butler Yeats werben. Da er mir während der Reise schon begegnet war und ich neugierig war, ging ich hinein.



Was soll ich sagen? Ich habe mich verliebt. Was für ein Künstler. Was für ein interessanter, durchgeknallter Mensch!






Yeats legte mit zunehmendem Alter immer mehr Wert darauf, die Musik in der Sprache hören zu lassen. Gleich im Eingangsbereich der Ausstellung (die übrigens Auszeichnungen bekommen hat, wenn ich mich nicht irre) konnte man in einem etwas abgetrennten sechseckigen Raum sitzen und von verschiedenen berühmten Persönlichkeiten vorgelesen Yeats' Gedichten lauschen. Eine Aufnahme las er selbst.- The Lake Isle of Innisfree. Das zu hören war wirklich sehr berührend.




Ich bilde mir übrigens ein, gelesen zu haben, daß die de Burghs zu Yeats' Vorfahren gehörten, kann es aber jetzt gerade nicht belegen.

Ich war noch auf einen Sprung im Naturhistorischen Museum, aber ganz ehrlich, das ist kein Ort für Veganer, schon gar nicht für solche, die Kinder lieber nicht im Rudel um sich haben.


Weiter durch die Stadt!


Direkt am Ufer des Liffey liegt das Mahnmal für the great famine, die große Hungersnot. Und zwar deshalb, weil hier die Schiffe nach Amerika ablegten, auf denen viele Iren ihr Leben zu retten versuchten. Sie trugen teilweise ihre schwachen Verwandten auf den Schultern zur Anlegestelle, ihre Habe in einer Schürze oder einem Sack bei sich.
Das Perfide an dieser Hungersnot war nicht, daß es nichts zu Essen gab, sondern daß die schon seit Jahrhunderten enteigneten Iren ihre gesamten Ernten zur Verfütterung an das Vieh der britischen Herren abzugeben hatten.








Und was mich sehr umgehauen hat:



Auch in Dublin findet man alte Gottheiten:


Und ein paar kleine Brauereien, die sich stolz gegen den rücksichtlos kapitalistischen Riesen Guinness durchsetzen:


Ein Kriegsdenkmal


St Patrick's Cathedral


Die Kathedrale ist von einem grünen Garten umgeben, dem Friedensgarten.


Irische Persönlichkeiten sind in der umgrenzenden Mauer verewigt. Yeats:


Wilde natürlich:


In einem winzigen Café neben der St Patrick's Kathedrale hing dieses tolle Schild:


Ich habe mir eine Messe in der Kathedrale gegönnt. Mit Chor!


Die Quelle, auf der die Kathedrale errichtet worden ist


Eine zeitgenössische Skulptur des heiligen Patrick, die ich sehr toll finde, weil sie zum Einen keinen austauschbaren alten Bartträger mit erhobenem Zeigefinger zeigt, sondern einen Menschen, wie Patrick wirklich gewesen sein könnte, und zum Anderen weil er die Hände vor sich hält, als seien sie gefesselt (er war ja aus wohlhabendem Haus entführt und jahrelang als Sklave gehalten worden).


Wieder unterwegs in den Straßen von Dublin - auch hier tauchen kleine Feenhäuschen auf.




Alles in allem war diese Reise ein Traum.

Hier zum Abschied dieses megalangen Blogbeitrags 2 von den 3 Ankes im Chor am Meer und ein bißchen hübsche irische Musik.